Sondermünze 800 Jahre Rostock : Ein Kunstwerk für die Geldbörse

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Bildhauerin Anne Karen Hentschel erzählt auf Münzen Geschichten.

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23. Februar 2018, 20:45 Uhr

Skulpturen und Plastiken in Lebensgröße – manchmal vielleicht etwas kleiner – sie gehören eigentlich zu Anne Karen Hentschels Schaffen. Doch ihr neustes Kunstwerk passt in jede Hosentasche. Die Bremer Bildhauerin hat das Motiv für die silberne 20-Euro-Gedenkmünze zum 800-jährigen Bestehen der Hansestadt Rostock entworfen. Sie soll im Mai am MV-Tag herausgegeben werden. Es ist das dritte Mal, dass Hentschels Ideen Geldstücke prägen: „Mich fasziniert das kleine Format sehr. Man muss das Thema auf den Punkt bringen“, sagt sie.

Gerade einmal 3,25 Zentimeter beträgt der Durchmesser der Sammlermünze. Für Hentschel Platz genug, um in feinen Linien Geschichten zu erzählen: das Rostocker Steintor im Vordergrund als Eingang zur Stadt. Dahinter die Petrikirche, das Rathaus, das Kröpeliner Tor, eine Hanse-Kogge und sogar der Leuchtturm von Warnemünde. Und ganz im Hintergrund das Meer. Möwen. Jollenkreuzer. Linien zeichnen die Handels- und Schifffahrtsrouten nach. Das Ganze auf 8,3 Quadratzentimetern. „Ich wollte viel Raum für das Meer lassen, um das Gefühl vom Rausfahren in die weite Welt zu vermitteln“, erklärt Hentschel. Die Münze soll an die Stadtrechtsbestätigung für Rostock im Jahr 2018 erinnern.

Seit der Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 hat der Bund bislang 136 Gedenkmünzen herausgegeben. 2007 erschien innerhalb der Serie „Bundesländer“ das 2-Euro-Stück „Mecklenburg-Vorpommern“ mit dem Schweriner Schloss als Motiv. 30 Millionen Stück wurden davon geprägt. Die neue 20-Euro-Münze „800 Jahre Hansestadt Rostock“ soll es in zwei Qualitäten geben: im normalen Stempelglanz sowie in der Sammlerqualität Spiegelglanz. Geprägt wird sie in der Hamburgischen Münze. Der glatte Rand enthäl t die lateinische Innenschrift des Rostocker Steintors: „Sit Intra Te Concordia Et Publica Felicitas“, was so viel bedeutet wie: „In deinen Mauern herrsche Eintracht und öffentliches Wohlergehen.

Hintergrund: Gedenkmünzen und ihre Bedeutung

Warum gibt es Sondermünzen?

Sammlermünzen sind Ausdruck des historischen und kulturellen Selbstverständnisses eines Landes. Sie erinnern an wichtige kulturelle oder   historische Ereignisse und würdigen bedeutende Persönlichkeiten, die Deutschland nachhaltig geprägt haben.

Kann man mit Sondermünzen bezahlen?

Ja. Tatsächlich sind Sondermünzen auch gesetzliche Zahlungsmittel und können somit auch beispielsweise  im Supermarkt ausgegeben werden. Jedoch sind sie aufgrund ihrer Charakteristika im Zahlungsverkehr nicht gebräuchlich.

Wie lässt sich der Wert einer Münze bestimmen?

Die Anzahl der Auflage, in welcher die Münze geprägt wurde, spielt neben ihrer Seltenheit ebenso eine wichtige Rolle für ihren Wert wie das Material, aus dem sie gefertigt wurde. Gerade Münzen aus Gold oder Silber haben durch den Anstieg der Edelmetallpreise innerhalb der letzten 15 Jahre eine bemerkenswerte Wertsteigerung erfahren und erzielen dadurch beachtliche Verkaufspreise. Für den Wert einer Münze haben außerdem der Erhaltungsgrad und die Prägequalität eine besondere Gewichtung.

Wer kann Themen für Sammlermünzen vorschlagen?

Im BMF gehen jedes Jahr eine Vielzahl von Vorschlägen für die Ausgabe von Sondermünzen ein. Die meisten kommen aus der Bevölkerung, von Vereinen und aus dem politischen Raum. Ideen können formlos von jedermann eingereicht werden. Sie sind entweder an das BMF (Referat VIII C3, Wilhelmstraße 97, 10117 Berlin) oder die Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BMK; Referat K 51, Köthener Straße 2, 10963 Berlin) zu richten.

Wer entscheidet über die Themen, die auf die Sondermünzen geprägt werden?

Nicht für jeden Vorschlag kann es eine Münzausgabe geben. Alle Themen werden daher von den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BMK) gesammelt und aufbereitet. Nach Abstimmung innerhalb eines unabhängigen Beirats, dem unter anderen Vertreter aus Kultur, Wissenschaft, Medien und Politik angehören, entscheidet der Bundesminister der Finanzen abschließend über die Themen.

Wer entscheidet über das passende Motiv auf der Sondermünze?

Zur künstlerischen Gestaltung des Münzmotivs wird ein Wettbewerb ausgeschrieben, der von einem Preisgericht bewertet wird. Diese Jury besteht unter anderem aus zwei Künstlern, einem Münzexperten und einem Themenvertreter. Der Siegerentwurf muss anschließend durch das Bundeskabinett gebilligt werden.

Quelle: Bundesfinanzministerium/Bayerisches Münzkontor

 

Mit der Prägung wird Rostock für sein wirtschaftliches und kulturelles Schaffen auch numismatisch geehrt. Nur vier weitere Gedenkmünzen aus massivem Sterlingssilber gibt das BMF in diesem Jahr heraus. Darunter der Froschkönig aus der Serie Grimms Märchen. Auch dieser Entwurf stammt aus der Feder von Anne Karen Hentschel. Darüber hinaus wird es zwei weitere 2-Euro-Gedenkmünzen und je eine 20- beziehungsweise 50-Euro-Goldmünze geben. Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl zieren eine neue 100-Euro-Goldmünze.

„Als gesetzliches Zahlungsmittel sind die Münzen Zeitzeugen und prägende Botschafter der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Daniel Fehling, Pressesprecher des BMF. „Dieser Anspruch soll sich in den jährlichen Ausgabeprogrammen des Bundes durch ein ausgewogenes Themenspektrum widerspiegeln.“

Dass das dritte Mal Geld nach ihren Vorstellungen in Umlauf gebracht wird, erstaunt die Künstlerin Hentschel noch immer. Von der Jury wurde ihr Motiv einstimmig mit dem ersten Platz ausgezeichnet: „ Insgesamt besticht der Entwurf mit seiner Klarheit in der Abstraktion. Dennoch zeigt er ein lebendiges, detailliertes Bild der Stadt“, heißt es in der Begründung.

Anne Karen Hentschel selbst sammelt bisher keine Münzen, sagt sie. „Vielleicht fange ich jetzt damit an. Mich fasziniert, das es ein Kunstwerk ist, dass durch die Hände wandert und in die Tasche passt.

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