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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 19:41 Uhr

Ein Koloss schluckt die Riesenfracht

vom

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2013 | 06:43 Uhr

Seehafen | Die größte Getreideverladung in der Geschichte des Rostocker Hafens ist in vollem Gange. Am Montagmorgen hat der unter Hongkong-Flagge fahrende Bulkcarrier "Magsenger 19" am Liegeplatz 17 festgemacht. Wenig später rieselte bereits die frisch geerntete Gerste über die Bandanlagen und den Belader in den Bauch des Schiffsriesen. Mit seinen 254 Metern Länge, 43 Metern Breite und 13 Metern Tiefgang ist der 2012 gebaute Bulkcarrier mit einer Tragfähigkeit von 115 000 Tonnen und einer Bruttoraumzahl von 64 769 das größte Getreideschiff, das je in Rostock bedient wurde. Insgesamt werden 93 000 Tonnen Gerste für Saudi -Arabien geladen. Das alles musste gründlich vorbereitet werden, denn die nautischen Möglichkeiten des Hafens werden nahezu ausgeschöpft. Vier Schlepper und zwei Lotsen geleiteten den Frachter zum Liegeplatz. Sieben Meter ragte am Montagnachmittag der Koloss über der Lademarke aus dem Wasser.

An Luke 5 ist die Beladung angelaufen. Mit Vormann Ralf Stolle (52) begutachteten Geschäftsführer Karsten Lentz (36) und Betriebsleiter Johannes Hänschke (28) von der Euroports Getreide Service Rostock GmbH den Ablauf. Brigitte Knehler fuhr die Anlage. Staub wirbelte empor, während über das Beladerohr das trockene Erntegut in bester Qualität in die Luke strömte. Bis zu 1000 Tonnen können so stündlich geladen werden, im Schnitt sind es etwa 800 Tonnen.

Nach regenbedingter Zwangspause gestern Morgen lief der Umschlag auf vollen Touren weiter, berichtet Brigitte Merker, Niederlassungsleiterin der Agentur Ahlmann-Zerssen. In acht bis neun Tagen soll das Schiff die gewünschte Frachtmenge in den Laderäumen haben. Auf 24 Mitarbeiter kann sich Karsten Lentz stützen, der seit 2008 die Getreide Service Rostock GmbH leitet und seit Februar darüber hinaus für Euroports Germany als Kaufmännischer Direktor Marketingaktivitäten der verschiedenen Tochterunternehmen auf der Spur ist. Die Euroports-Tochter gewährleistet zusammen mit weiteren Unternehmen an drei Liegeplätzen den Umschlag von Getreide, Futtermitteln, Ölsaaten, Malz, Baustoffen, Düngemitteln und für das Großrohrwerk auch von Stahlplatten und Rohrschüssen. Ein eigenes Silo mit einer Kapazität von 122 000 Kubikmetern steht zur Verfügung, darüber hinaus wird auch Ware der Nachbarn wie der Hauptgenossenschaft Nord AG (HaGe) und ADM Hamburg genutzt. Im vorigen Jahr wurden allein 318 Getreidefrachter und 178 Schiffe mit Düngemitteln bedient. Insgesamt 1,4 bis 1,5 Millionen Tonnen Getreide und Rapsschrot gingen über die Kaikanten. In diesem Jahr waren es bis Ende Juni bereits 850 000 Tonnen.

Die ersten Lkw mit Gerste rollten vor zwei Wochen an, inzwischen staut sich die Lkw-Schlange in der Ost-West-Straße zeitweise bis zum Hafentor. Investitionen wie ein neuer Probenehmer und Kühlanlagen sowie ein neuer Radlader für den Düngemittelumschlag verbessern die Arbeitsbedingungen für das Hafenteam. Wie für die Euroports-Tochter ist auch für die Schiffsmakler von Ahlmann-Zerssen die große Getreidefracht eine besondere Herausforderung, so Geschäftsführer John Herzberg. Seit 1990 ist das 1950 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Rendsburg in Rostock aktiv, seit 1993 mit eigener Niederlassung. Zehn Mitarbeiter und ein Azubi gehen von Rostock aus ihrer Arbeit nach. Schwerpunkte bilden der Umschlag von Massengütern wie Dünger und Getreide, aber auch Projektladungen und Verzollungen.

Nach Gerste wird auch Raps und Weizen geerntet. Die nächsten Getreideschiffe sind bereits avisiert und dürften auch die Makler von Ahlmann-Zerssen erneut fordern. Zunächst werden aber im Rostocker Seehafen am Terminal der Getreide AG am Liegeplatz 13 die Dienstleistungen des Wettbewerbers Schifffahrtskontor bei der Beladung von zwei Schiffen mit weiteren Gerstefrachten gefragt sein.

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