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Sexarbeit Thema in Rostock : Ein Job soll kein Stigma mehr sein

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Veranstaltungsreihe will mit Klischees über Prostitution aufräumen / Beratungsstelle wartet noch immer auf finanzielle Unterstützung von der Stadt

svz.de von
erstellt am 10.Mai.2015 | 09:00 Uhr

Sie führen meist ein Doppelleben. Die Erfahrung, diskriminiert oder stigmatisiert zu werden, lässt Menschen in der Sexarbeit vorsichtig werden. Frauen und Männer, die Lust gegen Geld anbieten, geraten nicht selten in eine soziale Isolation – weil sie verschweigen, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen, weil sie sich mitunter wöchentlich in einer anderen Stadt wiederfinden, weil sie oft sogar mit sprachlichen Barrieren zu kämpfen haben. Sexarbeiter stehen abseits.

„Beim Thema Prostitution gibt es zahllose Klischees, viele reagieren mit großer Befangenheit“, sagt die Sozialpädagogin, die seit September 2014 in der Beratungsstelle für Menschen in der Sexarbeit tätig ist. Sie hat ein offenes Ohr für die Frauen – denn männliche Prostitution ist bislang noch die Ausnahme –, unterstützt sie bei Problemen mit Ämtern, berät zu Themen wie Wohnungs- und Arbeitssuche, Schulden, Krankenversicherung, hilft, wenn ein Ausstieg gewünscht wird.

Das Projekt ist beim Verein Frauen helfen Frauen angesiedelt. Die eine Personalstelle wird von der Stadt gefördert. Ausreichend ist das nicht, betont die Beraterin. Denn die Besuche in Modellwohnungen, Nachtclubs und Bordellen müssten eigentlich zu zweit erfolgen – aus Gründen der Sicherheit, der Qualität, aber auch, um sich zu vertreten. „Bislang habe ich bei den Besuchen zu 60 Frauen Kontakt aufnehmen können. Der Gesprächsbedarf vor Ort ist groß.“ Mit einer zweiten Stelle hätte die Beratungsstelle mit dem Namen Sela – Selbstbestimmtes Leben und Arbeiten – gut das Dreifache schaffen können, ist sich die Sozialpädagogin sicher.

Doch bislang gibt es vonseiten der Stadt noch kein positives Signal. Das Gesundheitsamt, aus dessen Budget die bestehende Stelle bezahlt wird, sieht sich an eine finanzielle Grenze stoßen. Die anstehende Haushaltsdebatte könnte das Thema noch einmal in die Bürgerschaft bringen. Die Linke-Fraktion arbeitet an einem entsprechenden Antrag, der die zweite Beraterstelle in den städtischen Etat bringen soll. Eva-Maria Kröger: „Es ist wichtig, dass sich die Stadt zu dieser Aufgabe bekennt und nicht die Augen davor verschließt, dass diese Frauen Hilfe brauchen.“

Um Vorurteile gegenüber Prostituierten abzubauen, hat Sela zusammen mit der Böll-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern eine Veranstaltungsreihe organisiert. Eine Ausstellung zeigt Bilder der Hamburger Fotografin Tanja Birkner, die zwei Jahre Sexarbeiter begleitet und sie porträtiert hat. Außerdem werden im Liwu zwei Filme zum Thema gezeigt. Eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Sexarbeit – (k)ein Beruf wie jeder andere?“ wird mögliche Auswirkungen des Prostituiertenschutzgesetzes ausloten, welches derzeit auf Bundesebene erarbeitet wird.

 

Das Programm:

Ausstellung „Halbe Stunde“, Eröffnung mit Fotografin Tanja Birkner, 11. Mai, 18.15 Uhr, Foyer Frieda 23, zu sehen bis 29. Mai, montags bis freitags 8 bis 20 Uhr; Film „Von glücklichen Schafen“, 18. Mai, 20 Uhr, Liwu in der Frieda 23; Doku „Frauenzimmer“, 20. Mai, 20 Uhr, Liwu in der Frieda 23; Podiumsdiskussion „Sexarbeit – (k)ein Beruf wie jeder andere?“ mit Harriet Langanke, Stiftung für Sexualität und Gesundheit Köln, Martina Tegtmeier, Sprecherin für Gleichstellungspolitik der SPD im Landtag, und Sabine Burghardt von Sela

 

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