Ein Heim für Obdachlose

Auf die Arbeit, die in der Holzwerkstatt geleistet wird, ist Hartwig Vogt, Leiter des Integrativen Betreuungszentrums, stolz. Unter der Anleitung durch den Arbeitspädagogen Sebastian Wegner (hinten Mitte) fertigen Reinhard Meyer und Silvio Ramm beim Arbeitstraining solide Holzbänke aus heimischem Lärchenholz. Gerade wurden fünf Bänke für eine Kita fertiggestellt.Georg Scharnweber
Auf die Arbeit, die in der Holzwerkstatt geleistet wird, ist Hartwig Vogt, Leiter des Integrativen Betreuungszentrums, stolz. Unter der Anleitung durch den Arbeitspädagogen Sebastian Wegner (hinten Mitte) fertigen Reinhard Meyer und Silvio Ramm beim Arbeitstraining solide Holzbänke aus heimischem Lärchenholz. Gerade wurden fünf Bänke für eine Kita fertiggestellt.Georg Scharnweber

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01. Dezember 2013, 03:24 Uhr

Rostock | "Jeder Mensch, der draußen erfriert, weil er kein Obdach hat, ist einer zu viel", sagt Rolf Gauck von der Rostocker Stadtmission. Seit Jahren setzen sich er und seine Kollegen dafür ein, Menschen ohne ein Zuhause von der Straße wegzuholen. "Die Schutzlosigkeit der Straße macht krank. Wir bieten einen sauberen und sicheren Schlafplatz, warmes Essen, medizinische Versorgung und Hilfe zur Selbsthilfe", so Rolf Gauck. Im Güterbahnhof und im Hawermannweg können die betroffenen Personen unterkommen. Dort werden sie von einem 35-köpfigen Team aus Sozialarbeitern, Familien- und Suchttherapeuten betreut. "Das Leben auf der Straße hinterlässt psychische und physische Spuren", so Rolf Gauck.

In Rostock gibt es derzeit rund 300 bis 400 Obdachlose. Besonders dramatisch: Viele von ihnen sind unter 30 Jahre alt. Gerade in den Wintermonaten sind sie täglichen Überlebenskämpfen ausgesetzt. "Im vergangenen Jahr ist ein Mann im Rosengarten erfroren. So etwas darf nie wieder passieren", betont Rolf Gauck. "Obdachlosigkeit ist leider häufig ein Thema, das in Vergessenheit gerät."

Um an das Schicksal der Wohnungslosen zu erinnern, hat die Stadtmission 2010 das Projekt "Gaben der Hoffnung" ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Norddeutschen Neuesten Nachrichten werden bis zum 6. Januar des nächsten Jahres Spenden gesammelt. Von den Geldern sollen kleine Weihnachtspräsente gekauft, aber auch andere Projekte der Stadtmission wie die Holzwerkstatt unterstützt werden. Dort können Obdachlose Bänke, Tische und Stühle herstellen. "Dass sie die Möglichkeit bekommen, mit ihren eigenen Händen etwas zu schaffen, ist sehr wichtig. Sie fühlen sich häufig minderwertig, ja sogar wie Abschaum", erzählt Rolf Gauck. Das liege auch daran, dass viele der Obdachlosen schon während ihrer Kindheit schlechte Erfahrung gemacht hätten: "Gerade die Jüngeren haben sehr oft eine Jugendhilfe-Karriere hinter sich, wenn sie zu uns kommen."

Ein fröhliches Weihnachtsfest in besinnlicher Atmosphäre mit Gänsebraten, Bescherung und Baumschmücken haben viele schon seit Jahren nicht mehr erlebt. "Gaben der Hoffnung" schenkt ihnen ein Stück Tradition in einer Zeit, in der Geborgenheit und Familie den meisten Menschen viel bedeuten.

Pate der Aktion ist seit diesem Jahr Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Für ihn hat das Projekt eine besondere Bedeutung: "Vor allem zur Weihnachtszeit sollten wir Mitmenschlichkeit zeigen. Für uns ist ein wärmendes Dach über dem Kopf selbstverständlich. Doch für einige unserer Mitmenschen ist es das nicht", sagt er. "Oft ist es kein selbst gewähltes Schicksal, dass diese Männer und Frauen in die Obdachlosigkeit geführt hat, sondern tiefer körperlicher oder seelischer Schmerz. Die Aktion bietet die Gelegenheit, von unserem Selbstverständlichen abzugeben und denen ein Signal der Nächstenliebe zu senden, die es am nötigsten haben." In den vergangenen Jahren sind so fast 5000 Euro zusammengekommen. "Gerade in den Wintermonaten sind wir auf finanzielle Hilfe angewiesen", sagt Rolf Gauck.

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