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Ein Hauch von Hollywood: Großes Kino in Graal-Müritz

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erstellt am 02.Okt.2012 | 01:05 Uhr

Graal-Müritz | Sie tragen Mützen und dicke Jacken. Denn trotz des Sonnenscheins pfeift der Wind am Strand von Graal-Müritz. Nur eine Mutige aus der Gruppe steht im Badeanzug da und spricht mit ihrer Freundin. "Cut" - ruft ein Mann und rennt auf die Frau zu. Sie ist nämlich keine Eisbaderin, sondern Schauspielerin Steffi Kühnert, die im Ostseeheilbad Teile des Kinofilms "Der Kanal" dreht.

In jeder kurzen Pause wird sie schnell wieder dick eingepackt. Bademantel, eine Wärmflasche vor dem Bauch, und darüber die dicke Daunenjacke. Stiefel trägt sie sowieso schon - auch zum Baddeanzug, wenn die Kamera läuft. Denn in der aktuellen Szene sind nur die Oberkörper von ihr und Kollegin Jenny Schily, der Tochter des Ex-Innenministers Otto Schily (SPD), im Bild.

Regisseur will die Story "entpilchern"

Kühnert spielt die 50-jährige Beate, eine Ex-Leistungsschwimmerin aus der DDR, die sich nach der Sport-Karriere ganz ihrer Familie widmete. "Sie hat schon immer den Traum, einmal den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Doch jetzt drängt auch die Zeit für die Umsetzung dieses Traums, denn der Arzt hat bei ihr Krebs festgestellt - vielleicht eine Folge des Dopings aus ihrer Zeit als Leistungsschwimmerin", sagt Regisseur Marc Rensing.

Zusammen mit Annette Friedmann hat er auch das Drehbuch geschrieben. Trotz der romantischen Ostsee-Kulisse wollte Rensing die Geschichte aber "komplett entpilchern" - weg vom Flair der Rosamunde-Pilcher-Romane. Ihm ging es eher darum, "wie Beate sich aus der familiären Verpflichtung und von den Erwartungen freischwimmt". Schon von Anfang an hatte er für die Rolle der Beate Schauspielerin Steffi Kühnert im Kopf, hat ihr das Buch quasi auf den Leib geschrieben.

Und die Auserwählte hielt seinen Erwartungen stand. Tapfer stieg sie gestern in die 14 Grad kalte Ostsee, die einerseits im Film das Gewässer ist, in dem Beate für die Kanalquerung trainiert. "Aber wir haben auch schon weiter draußen gedreht - da ist die Ostsee dann unser Ärmelkanal" sagt der Regisseur.

Schließlich müsse immer auch aufs Budget geachtet werden. Und neben Graal-Müritz, der längsten Station im Drehplan, wurde auch in Berlin gefilmt und stehen noch Aufnahmen in Dover an. "Die Querung des Ärmelkanals wird laut Regelwerk nur anerkannt, wenn man von Dover aus in Richtung Frankreich losschwimmt und nicht umgekehrt", weiß Rensing, der als Recherche für das Buch unter anderem mit Extremschwimmerin Margit Bohnhoff sprach.

Nun freut er sich, dass die filmische Umsetzung des Buches so gut klappt, das Team außerdem von der Gemeinde, dem THW und den Rettungsschwimmern beim Stranddreh so gut unterstützt wird. Und natürlich, dass das Wetter mitspielt. Denn Regen und zu viel Wind würden den Außendreh unmöglich machen: "Ab Windstärke drei trainieren die Freischwimmer auch nicht mehr, dann sind die Wellen zu hoch", sagt Rensing, der genau darauf achtet, dass sein Film realistisch ist.

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