zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. November 2017 | 01:23 Uhr

Ein Gedenkstein für Mehmet Turgut

vom

svz.de von
erstellt am 25.Feb.2013 | 08:47 Uhr

Mehmet Turgut starb im Neudierkower Weg, nachdem dreimal auf ihn geschossen wurde. Neun Jahre ist das her: Zum Jahrestag der Tat kamen gestern viele Rostocker am Ort des Verbrechens zusammen, um zu erinnern, zu gedenken, zu mahnen. Einige der Kundgebungsteilnehmer legten Blumen an der Stelle nieder, an der der damals 25-Jährige Opfer der rechten NSU-Terrorzelle wurde. Andere hatten Banner vorbereitet, mit denen sie rassistisches Gedankengut anprangerten. Imam-Jonas Dogesch vom Migrantenrat nutzte die Kundgebung, um bekanntzugeben, worauf viele Rostocker schon lange gewartet hatten: „Die Errichtung eines offiziellen Gedenksteines ist beschlossene Sache.“ Die extra eingerichtete Arbeitsgruppe der Bürgerschaft und mehrerer Vereine und Interessenvertretungen habe die Entscheidung im Laufe des Vormittags gefällt, so Dogesch.

Die Hansestadt soll Verantwortung übernehmen

Die Kundgebung am Nachmittag hatte das Bündnis „Erinnern, verantworten, aufklären“ organisiert, das sich im Dezember vergangenen Jahres aus der Initiative „Mord verjährt nicht“ gebildet hatte. „Vor neun Jahren gab es diese Aufmerksamkeit für Mehmet Turgut nicht. Die Einzigen, die damals auf das Verbrechen aufmerksam gemacht haben, waren Migranten“, sagte Maximilian Schneider, der die Veranstaltung moderierte. Gerade Rostock mit seiner speziellen Geschichte müsse besondere Verantwortung übernehmen, wenn es um die Auseinandersetzung mit Rassismus und Gewalt gehe. „Wir wollen eine nachhaltige und langfristige Diskussion zu diesem Thema schaffen“, so Schneider. Auch für den 22-jährigen Constantin Schwarzer wird die Thematik nicht offen genug diskutiert. Er sagt: „Mein Gefühl ist, die Bürgerschaft und die Bürger sind sich der Problematik nicht bewusst genug.“

Nach den offiziellen Redebeiträgen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Gedanken am offenen Mikrofon loszuwerden. Diese Chance nutzte ein Rostocker, um auch an die Angehörigen des Verstorbenen zu erinnern. „Ich wünsche mir einen respektvollen Umgang mit seiner Familie und seinen Freunden.“

Turgut war eines von zehn Opfern einer Mordserie, die der Zwickauer Neonazi-Terrorzelle NSU zugeschrieben wird. Bislang sind die Zusammenhänge aber noch nicht abschließend geklärt. Für Ruben Cardenas, Geschäftsführer des Migrantenrates, ist das unverständlich. Er fordert die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, damit das verloren gegangene Vertrauen in die Politik wiederhergestellt werden könne. Die Herkunft Mehmet Turguts dürfe dabei keine Rolle spielen. „Er war kein Dierkower, kein Rostocker und auch kein Mecklenburger. Aber er war ein Mensch“, sagt Cardenas.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen