zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 10:34 Uhr

Ein engagierter Richter sagt Tschüss

vom

svz.de von
erstellt am 22.Apr.2013 | 06:21 Uhr

Rostock | Wenn Peter Häfner (63) aus seinem Arbeitsfenster blickt, liegt ihm die Hansestadt mit ihren markanten Kirchen und Gebäuden und der Warnow zu Füßen. Im Dezember 1990 war der Direktor des Rotocker Amtsgerichts zum ersten Mal in Rostock und im Juni 1991 kam er für zunächst ein Jahr. "Ich wollte eigentlich nur eine kurze Zeit bleiben. So war es abgemacht. Daraus wurden 22 Jahre", sagt er. Der 30. April ist nun der letzte Arbeitstag für den engagierten Richter.

Im Sommer 1991 kam eine Delegation aus dem Rostocker Kreisgericht in ihre langjährige Partnerstadt Bremen und stellte den ersten Kontakt zu den dortigen Kollegen her. Auch zu Häfner. "Es war eine spannende Zeit", ist sein Fazit. "Ich hatte damals keine konkreten Vorstellungen, obwohl ich während meines Studiums in Westberlin öfter in der DDR-Hauptstadt war. Die Ausgangssituation war nicht einfach." Mit dem Einigungsvertrag wurde das ganze Bundesrecht übernommen. Das DDR-Strafrecht war einfacher. "Es gab hier nur wenige Richter."

Mit vielen Berufsanfängern wurde begonnen. Und es gab viel zu tun, erinnert sich Häfner. Es war die Zeit der großen Privatisierungen durch die Treuhand. Auch in Rostock wurden etliche Betriebe, die auf jeden Fall hätten bestehen können, an Kriminelle verkauft, an Leute mit einem dicken Vorstrafenregister, die nichts anderes als die persönliche Bereicherung als Ziel hatten. Häfner nennt die Bagger-, Bugsier- und Bergungsreederei. "Es waren in der Treuhand Leute tätig, die für diese Funktion völlig unfähig waren, die die Betriebe ohne nähere Prüfung für einen Appel und ein Ei verkauften. Die Betrüger hatten leichtes Spiel." Häfner, der von Anfang an Steuerstrafrichter war, blieb auch in Rostock bei seinem Metier. Er hatte immer wieder mit Insolvenzdelikten und Bankrottfällen zu tun.

Bis vor einigen Jahren stieg ihre Zahl stetig. Jetzt ist die Entwicklung rückläufig, dank der stabilen wirtschaftlichen Lage in der Region. Häfner trug mehr als zwölf Jahre lang die rote Robe als ehrenamtliches Mitglied beim Landesverfassungsgericht in Greifswald. Damit gehörte er dem Gremium an, das die Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern ablehnte. Und er steht bis heute zu dem damaligen Urteil. Auch mit dem Beschluss, von 21 Amtsgerichten nur acht zu belassen, ist er nicht einverstanden. "Die Leidtragenden dieser Reform sind die Bürger", meint Häfner. Ihnen würden nicht nur zusätzliche Fahrten, sondern auch erhebliche Kosten aufgebürdet.

Fast 22 Jahre lang hatte Häfner außerdem den Landesvorsitz des Richterbundes in Mecklenburg-Vorpommern inne und er war Mitglied des Bundesvorstandes. Gemeinsam mit seinen Berufskollegen kämpfte er auf diesem Parkett für mehr Mitbestimmung der Richter und Staatsanwälte. Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland, in dem es fast keine Beteiligung gibt, zum Beispiel bei der Einstellung von Richtern und Staatsanwälten.

Am 30. April wird Häfner nun zum letzten Mal als Direktor das Amtsgericht in der Zochstraße betreten. "Ich kann nicht behaupten, dass alle Urteile richtig waren, die ich in diesen Jahren fällte", meint er. "Es besteht die Möglichkeit, dass ich auf einen Zeugen hereinfiel, oder dass ein Sachverständiger sich irrte. Die meisten Urteile wurden aber bestätigt." Die Nachfolge ist noch ungeklärt, das Justizministerium muss entscheiden. Rostock steht damit aber nicht alleine, auch Neubrandenburg, Güstrow, Grevesmühlen und Parchim sind ohne Amtsgerichtsdirektor.

"Mit meinem Chef gab es eine super Zusammenarbeit", sagt Rita Tabel, die langjährige rechte Hand des Direktors. "Ich habe sehr viel von ihm profitiert", sagt Richter Schröder, der 1991 zu den einheimischen Berufsanfängern gehörte. "Unser Chef stellte sich auch in Auseinandersetzungen immer vor uns. Einen besseren Chef konnten wir uns nicht wünschen."

Häfner geht jetzt in seine eigentliche Heimat, den Schwarzwald, zurück. "Ich liebe die Berge und das Wandern. Und die Kösterbecker Berge waren mir dann doch ein bisschen zu niedrig." Den herrlichen Blick über die Hansestadt wird er vermissen. "Aber ich komme jedes Jahr mit meiner Frau zum Urlaub an die Ostsee zurück. Ich habe hier Verwandte und treue Freunde."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen