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Fünf Jahre nach Urteil : Drogenprozess wieder aufgerollt

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fünf Jahre nach dem Urteil gegen einen Drogenhändler stehen nun zwei damalige Zeugen vor Gericht

von
erstellt am 28.Jan.2017 | 09:00 Uhr

„Sie bekommen noch ihre Anklage, davon können sie ausgehen“. Mit diesen Worten entließ der Vorsitzende Richter der 3. Großen Strafkammer des Landgerichtes Rostock im Oktober vor fünf Jahren eine Zeugin, die in einem großen Drogenprozess aussagen sollte. Sie war die Gefährtin des Hauptangeklagten, eines in Rostock lebenden Vietnamesen, „Big Boss“ genannt, die von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte. Er hatte in Tarnow und in Gnemern Einfamilienhäuser angemietet, in denen gefällige Landsleute auf sein Geheiß Cannabispflanzen im großen Stil anbauten.

Das Landgericht verurteilte ihn am 16. Mai 2012 wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in zehn Fällen zu einer Haftstrafe von sieben Jahren und neun Monaten. Das Gericht ging von insgesamt 120 Kilo Marihuana aus, die in Tarnow und Gnemern geerntet worden waren. Für 3000 Euro je Kilo brachte „Big Boss“ die Droge unter die Menschen im In-und Ausland. Zum Urteil gehörte deshalb auch der Einzug des Gewinns aus dem Drogenanbau, den das Gericht mit 459 000 Euro bezifferte, der Inhalt eines Schließfaches in der Ostseesparkasse Rostock von 21 500 Euro und der silberne Audi A6 des Angeklagten.

Angeklagte lassen Erklärung verlesen



Seit dieser Woche sitzt nun die Lebensgefährtin des damaligen Hauptangeklagten Thi T. (40) im Landgericht auf der Anklagebank und an ihrer Seite Hong N. (38). Sie muss sich wegen Beihilfe zum unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen verantworten, Hong N. in einem Fall und zusätzlich wegen uneidlicher Falschaussage in dem damaligen Prozess.

Beide Angeklagten ließen Erklärungen von ihren Verteidigern verlesen. Thi T. gab darin zu, von dem gesamten Vorhaben ihres Lebensgefährten „Big Boss“ gewusst zu haben. Sie kannte auch einige Helferinnen der Indoorplantagen in Tarnow und Gnemern und hätte sie in ihrer Wohnung öfter nächtigen lassen. Das Schließfach in der Ostseesparkasse hätte sie angemietet. Dort hätte sie die Pässe ihrer Landsleute und auch die 21 500 Euro deponiert, die ein Ergebnis der Plantage waren. Sie hätte Zugriff auf das Geld gehabt, aber gegen den Willen ihres Lebensgefährten hätte sie das Geld nie angefasst.

Hong N. hatte bereits als Zeuge im Prozess 2011 zugegeben, den Mietvertrag für das Einfamilienhaus in Gnemern unterschrieben zu haben. Er hätte das einem Landsmann aus Hannover zu liebe getan, der in dem Haus Näherinnen unterbringen wollte, sagte er vor dem Landgericht Rostock. Den Hauptangeklagten würde er nicht kennen, gab er damals an. Gestern erklärte er, bei der Zeugenaussage vor fünf Jahren wahrheitswidrige Angaben gemacht zu haben. Er hätte über alles Bescheid gewusst und kannte auch den Angeklagten. „Big Boss“ ist übrigens schon wieder auf freiem Fuß. Der Prozess gegen Thi T. und Hong N. wird in der kommenden Woche fortgesetzt.

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