Gesund in Rostock : Drei für jeden einzelnen Patienten

Visite: Gefäßchirurg Bernd Kortmann (l.) macht sich jeden Morgen ein Bild von dem Gesundheitszustand des Patienten.
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Visite: Gefäßchirurg Bernd Kortmann (l.) macht sich jeden Morgen ein Bild von dem Gesundheitszustand des Patienten.

Im Gefäßzentrum wird Interdisziplinarität gelebt

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23. Juli 2015, 08:00 Uhr

Dr. Klaus-Rainer Bogun ist Radiologe, Dr. Bernd Kortmann Gefäßchirurg und Dr. Volker Harder Angiologe – obwohl die drei Mediziner alle Spezialisten auf ihrem Fachgebiet sind, arbeiten sie jeden Tag eng zusammen. Im Gefäßzentrum des Klinikums Südstadt verschmelzen die Disziplinen, sodass jeder Patient die für ihn beste Behandlung bekommen kann. „Wir sind keine Einzelmusiker, sondern treten als kleines Orchester auf“, beschreibt Oberarzt Harder die Interdisziplinarität. „Der Zentrumsgedanke wird täglich gelebt. Wir betreiben gemeinsam eine Station und versorgen die Patienten im Team“, ergänzt er. Daraus würden zahlreiche Vorteile resultieren. Zum Beispiel, wenn die Frage im Raum stehe, ob ein Gefäßleiden mit einer Operation verbessert werden kann. „Es gibt keinen chirurgischen oder internistischen Patienten, sondern nur unseren Patienten“, so Harder. „Erst wenn wir auf eine Erkrankung weder mit Medikamenten noch mit Ballons oder Katheter-Techniken reagieren können, wird operiert“, fügt sein Kollege Kortmann hinzu.

Eine Gefäßerkrankung könne jeden treffen, erklären die Ärzte. Überall im menschlichen Körper gibt es Gefäße, also Arterien, Venen und Lymphe. Das Herz pumpt mit Sauerstoff angereichertes Blut in die Arterien. Diese wiederum führen das Blut in die Organe, damit die Zellen dort mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und gegen Krankheitserreger geschützt werden. Der Rücklauf des Blutes erfolgt aber nicht über die Arterien, sondern über andere Gefäße, über die Venen. Doch nicht nur Blut muss transportiert werden. Auch die Lymphflüssigkeit braucht eine Straße. In feinen Lymphbahnen transportiert diese Abbauprodukte des Stoffwechsels und Abwehrzellen.

An allen Gefäßen können Beschwerden auftreten. Durchblutungsstörungen in den Arterien können unter anderem zum Schlaganfall oder zu einer arteriellen Verschlusskrankheit in den Beinen führen, ein zu langsamer Blutfluss in den Venen kann zur Bildung von Gerinnseln beitragen und so eine Thrombose auslösen. Wird der Lymphfluss beeinträchtigt, kann ein Lymphödem entstehen, dabei kommt es zu einer Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe.

Risikofaktoren für arterielle Gefäßerkrankungen sind in erster Linie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen und Übergewicht. Ein Großteil der Patienten, der am Klinikum Südstadt behandelt wird, ist 70 Jahre und älter. „Viele haben als Begleiterkrankung Probleme mit ihren Gelenken, sodass die Gefäßerkrankung häufig zu spät entdeckt wird“, erklärt Volker Harder. „Sie haben per se eine schlechtere Prognose.“ Manchmal müsse auch eine Amputation durchgeführt werden. „Für die Patienten ist das ein schweres Trauma.“ Grundsätzlich sei es das Ziel der Ärzte im Gefäßzentrum, die Mobilität und die Lebensqualität ihrer Patienten zu erhalten. „Mit unserer Therapieentscheidung müssen wir langfristig und perspektivisch denken. So ist der schnelle Stent bei jüngeren Patienten nicht unbedingt die beste Lösung, bei älteren vielleicht aber schon. Jede Methode hat ihre Grenzen. Im Endeffekt ist das Resultat entscheidend“, erläutert Klaus-Rainer Bogun. Durch bildgebende Verfahren kann der Radiologe zum Beispiel feststellen, ob im Körper des Patienten Gefäßeinengungen und -verschlüsse auftreten. Mithilfe minimalinvasiver Verfahren führt er Aufdehnungen erkrankter Arterien durch und setzt gegebenenfalls Stents. Neben den Patienten mit Gefäßverengungen und -verschlüssen werden im Gefäßzentrum auch Patienten versorgt, die wegen ihrer Nierenerkrankung drei Mal in der Woche für vier Stunden zur Dialyse müssen und dafür spezielle Gefäßzugänge brauchen. „Nicht jede Klinik kann dies gewährleisten. Deshalb betreuen wir Patienten von Grevesmühlen bis Rügen“, so Dr. Kortmann.


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