Rostock : Dr. Adubei wird zum Lebensretter

<p>Patientin Anja Baier (29), Kiefer-Chirurg Dr. Ahmed Adubei (36): „Ich sah in ihren Augen eine sehr große Angst.“</p>

Patientin Anja Baier (29), Kiefer-Chirurg Dr. Ahmed Adubei (36): „Ich sah in ihren Augen eine sehr große Angst.“

Trotz Zahnarzt-Phobie und Panik-Attacken: Arzt aus dem Jemen heilte die Hansestädterin Anja Beier

svz.de von
06. September 2015, 08:45 Uhr

„Ich war so verzweifelt und hatte keine Hoffnung mehr. Bis dieser junge Arzt mit dieser warmen Ausstrahlung auf mich zukam. Ich habe ihm sofort vertraut.“ Anja Baier (29) ist vor Dankbarkeit tief gerührt, wenn sie über Dr. Ahmed Adubei (36) spricht. Der Arzt, der aus dem Bürgerkriegs-Land Jemen kam, hat ihr das Leben gerettet.

Der Leidensweg der Rostockerin, die seit ihrer Geburt an einem Herzfehler leidet, begann nach ihrer Schwangerschaft. „Es wurden gefährliche Bakterien im Kiefer- und Mundbereich festgestellt. Mein Zustand wurde immer schlechter.“ 25 Ärzte suchte sie auf, ließ Operationen über sich ergehen – bis nichts mehr ging. Anja entwickelte eine Zahnarzt-Phobie, bekam Panik-Attacken. Einmal flüchtete sie sogar unter Narkose in Thrombosestrümpfen vom OP-Tisch.

„Ich hatte 24 Stunden Schmerzen, war kurz vorm Aufgeben. Denn ein Kardiologe hatte mich gewarnt: Entweder jetzt die Zahn-OP oder Sie können sterben“, erzählt sie. Die letzte Hoffnung der Rostockerin: die Klinik und Poliklinik für Mund, Kiefer und Plastische Gesichtschirurgie der Universität. Für Anja ein Glücksfall: Sie traf auf Dr. Adubei. „Er wirkte auf mich sofort vertrauenserweckend, ich spürte, mit welcher Leidenschaft er seinen Beruf ausübt.“ Es folgten ganze sechs OPs in drei Wochen – doch am Ende war Anja geheilt.

Der Arzt erinnert sich: „Ich sah in Anjas Augen eine große Angst. Ich wollte ihr helfen, habe versucht, ihr mein Vertrauen zu schenken. Es war eine harte Zeit für sie, aber ich habe immer gesagt: ,Anja, wir schaffen das’.“ Was für ein Arzt: Trotz vieler persönlicher Entbehrungen und Sorgen um Angehörige in seiner unsicheren, umkämpften Heimat, gibt er seinen Patienten eine unglaubliche Kraft. Der Mediziner Adubei sagt: „Ich kam 2009 nach Deutschland, ohne die Sprache oder das Land zu kennen. Ich hatte im Jemen Zahnmedizin studiert, dort aber keine Perspektive.“ In Rostock kämpfte er sich alleine durch – über Weiterbildungen zum Oral-Chirurgen.

2013 konnte er dann Frau und Kinder nachholen. „Meine restliche Familie musste ich im Jemen lassen. Ich habe große Angst um sie. Der Luftraum über dem Jemen ist gesperrt. Ich kann sie nicht besuchen. Dort ist Bürgerkrieg. Ich sorge mich sehr…“

Anja Baier fühlt mit dem Arzt. Sie weiß, was Angst bedeutet. „Um so mehr bin ich ihm dankbar. Was er für mich getan hat, werde ich ihm nie vergessen.“


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen