flüchtlinge : „Dieses Fest macht die Türen auf“

Die Handballer Kenji Hövels, Jakub Zboril (verdeckt), Vyron Papadopoulus (vorn), Rene Gruszka und Jan Kominek lernen die heimlichen Chefs der Satower Straße kennen: Die selbstbewussten Knirpse Silvester (8), Bekeram (9) und Marlik (7).
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Die Handballer Kenji Hövels, Jakub Zboril (verdeckt), Vyron Papadopoulus (vorn), Rene Gruszka und Jan Kominek lernen die heimlichen Chefs der Satower Straße kennen: Die selbstbewussten Knirpse Silvester (8), Bekeram (9) und Marlik (7).

Nachbarn und interessierte Rostocker feiern mit den Asylbewerbern in der Satower Straße / Sozialsenator lobt Einsatz vom Ökohaus

svz.de von
05. September 2015, 15:00 Uhr

Zum Sommerfest des Asylbewerberheims in der Satower Straße sind gestern Gäste aus der Nachbarschaft, von Vereinen, der Politik und auch interessierte Rostocker gekommen, die sich die Gemeinschaftsunterkunft einfach mal ansehen wollten. Das Fest gibt es alljährlich, aber so voll wie dieses Jahr war es noch nie. „Das Thema war auch noch nie so aktuell“, sagt Lars Müller.

Er ist als Sozialarbeiter vom Ökohaus im Heim tätig. Auch das ist übervoll. Mehr als 300 Menschen sind in der Unterkunft, die für 285 Asylbewerber ausgelegt ist. Das ist für alle schwierig. „Und die Situation wird nicht einfacher“, sagt er. Im nächsten Jahr werden weit mehr als 1000 Flüchtlinge erwartet.

„Aber wir schaffen das“, sagt Stephanie Nelles, die Integrationsbeauftragte der Stadt. Sie war mit ihrem Sohn zum Fest gekommen, tauschte sich mit Kollegen vom Jobcenter aus. „Rostock hat gute Strukturen“, sagt Nelles, „sie müssen nur auch unterfüttert werden.“ Es gelte, die zahlreichen Bemühungen und das Engagement zu systematisieren. „Teilweise ist es chaotisch“, sagt sie, aber Rostock werde dem Herr. Diese positive Haltung spiegelte das Fest wider.

„Bewusst haben wir die Nachbarn eingeladen“, sagte Sozialarbeiter Müller. Ihnen sei mal versprochen worden, dass das Heim schließt. „Dann wurde es erweitert“, sagt Lars Müller. Die Situation habe sich für sie völlig gedreht. „Uns ist wichtig, dass sie sich auch an uns wenden, wenn es Probleme gibt“, bringt er ein. Doch die Gartenstadt nimmt die Flüchtlinge gut auf, kann auch Günter Grenzdörfer bestätigen. Er ist Kontaktbeamter der Polizei für das Gebiet. Mit seinem Kollegen Norbert Müller zeigte er in der ersten Tageshälfte Präsenz. „Wir sind eigentlich nur hier, um für die Leute ansprechbar zu sein“, sagt Müller – nur zur Sicherheit. Denn das Gefahrenpotenzial schätzten beide gering ein.

Doch Polizei, Heim und Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) hatten das Thema Sicherheit durchaus besprochen. In Anbetracht aktueller Vorkommnisse andernorts hätten sie Respekt vor möglichen Gefahren, so Müller. „Doch gerade dann muss man zusammenrücken.“ Integration könne eben nicht nur über Sozialarbeiter erfolgen, sondern müsse über die Begegnung mit Menschen passieren – in der Gesellschaft. „Dieses Fest macht die Türen auf“, sagte Bockhahn. Das sei wichtig, um bestehende Ängste zu nehmen und um zu zeigen, dass dort versucht wird, für gute Lebensbedingungen zu sorgen, aber niemand im Luxus lebt. „Es ist schön, dass das Ökohaus sich wieder entschieden hat, so ein Fest zu machen. Und es ist schön, dass solche Aktionen gemacht werden wie vom HC Empor“, sagte Bockhahn.

Vereinschef Jens Gienapp, Geschäftsführer Sven Thormann, Trainer Aaron Ziercke und vier Spieler kamen mit Geschenken. „Man ist jeden Tag mit Nachrichten über Flüchtlinge konfrontiert, da müssen wir helfen“, sagte Gienapp. Und das macht Empor natürlich sportlich. Für das Spiel am Sonntag gegen die HG Saarlouis in der Stadthalle verschenkte der Verein 100 Freikarten an Flüchtlinge. Zudem wollen die Handballer Kinder im Verein trainieren lassen – ein- bis zweimal die Woche für zwei Stunden. Ziel: Ein Stück mehr Integration, „dass sich die Kinder wohler fühlen“, sagt Gienapp. Sportlich konnten die Kinder sich auch schon beim Fest austoben, auf der Hüpfburg, beim Hula-Hoop. Die Stadtmission bot eine Mal- und Bastelmeile. Es gab Kinderschminken. Den Erwachsenen wurde die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ geboten, die von den Hintergründen von Flucht und Vertreibung erzählt.

Ab 17 Uhr gehörte die Bühne den Bands verschiedener Coleur, die für tanzbare Musik sorgten. Das Fest war wirklich bunt. „Rostock wird vielleicht gerade mehr denn je zu etwas, das es immer sein wollte: Zu einer weltoffenen Stadt“, sagte Steffen Voigt, Leiter der Unterkunft.

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