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Flüchtlinge : „Diese Menschen sind eine Chance für die Region“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Arbeitsmarktmesse im Rostocker Rathaus wendet sich an Flüchtlinge, die bereits länger in der Hansestadt leben.

von
erstellt am 29.Okt.2015 | 08:00 Uhr

Auch wenn derzeit vor allem die neu ankommenden Flüchtlinge die Politik dominieren, sind es doch die etwas länger hier verweilenden Menschen, die als Chance für den regionalen Arbeitsmarkt gelten. Gestern wendete sich eine Arbeits- und Integrationsbörse an genau dieses Publikum.

„Der Fokus liegt heute auf Flüchtlingen und Leuten mit Migrationshintergrund. Wir haben hier 42 Stellenangebote ausgehängt, die Menschen können sich Nummern notieren und somit ihr Interesse bekunden, gleichzeitig haben wir Rostocker Arbeitgeber hier und hoffen auf eine Win-Win-Situation für beide Seiten“, sagt Heiko Schultz, Bereichsleiter für Markt und Integration im Hanse-Jobcenter. „Zielgruppe sind Menschen, die vor 2015 angekommen sind. Hier ist der Aufenthaltsstatus geklärt und meist sind auch schon gewisse Sprachkenntnisse vorhanden“, ergänzt Anke Diettrich, Leiterin der Rostocker Arbeitsagentur.

Vor allem aus den Bereichen Pflege, Produktionshilfe und Reinigung speisen sich die Angebote. Einer der sich für die Arbeit als Produktionshelfer interessiert, ist Tedros Adamu. Der 25-Jährige ist seit zwei Jahren in Deutschland. Und auch wenn er in seiner Heimat Eritrea als Frisör arbeitete, kann er sich nun vorstellen, Lebensmittel zu verpacken oder ähnliches.

Und genau diese Bereitschaft ist es, die die Menschen für die heimische Wirtschaft so interessant macht. „Wir haben teilweise einen sehr großen Bedarf, bei uns sind aktuell etwa 300 Lehrstellen unbesetzt. Die Erfahrung zeigt, dass Flüchtlinge teilweise sehr gut qualifiziert sind und den entsprechenden Willen mitbringen“, meint Frank Milbradt, Ausbildungsberater der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern.

Einer von ihnen ist Mohammed Ali-Rasim. Denn obwohl er erst vor anderthalb Jahren aus dem Irak nach Deutschland kam, sind seine Sprachkenntnisse schon sehr ausgeprägt. „Ich war in meiner Heimat Kameramann und Dokumentarfilmer, habe Isis-Terroristen gefilmt und das Material an Nachrichtenagenturen verkauft. Als das öffentlich wurde, wurden zwei meiner Brüder getötet, meine Eltern geschlagen und ich entführt. Mit einer Pistole am Kopf musste ich mich entscheiden, ob ich das Land verlasse oder sterbe“, erzählt er.

In seinen ursprünglichen Beruf kann er aufgrund fehlender Nachfrage nicht arbeiten und will deshalb eine Ausbildung als Laminierer beginnen. „Ich war schon Küchenhilfe und ähnliches, möchte aber etwas erreichen“, sagt Ali-Rasim.

Eine Chance hätte er bei Andreas Barnehl. Der Hotelbetreiber suchte gestern nach potenziellen Angestellten: „Ich bin gespannt, wer mich hier erwartet. Es kommen ja vor allem junge Menschen zu uns, die ausbildungswillig sind. Das Hotelgewerbe ist für viele Jugendliche hier nicht mehr so beliebt und vielleicht können wir unsere Probleme ein Stück weit lösen. Denn wenn die Flüchtlinge den Willen mitbringen, finden wir auch einen Weg.“

Worte, die Anke Diettrich gerne hört. „Ziel ist es immer, auf die bestehende Qualifikation aufzubauen. Wenn das nicht möglich ist, suchen wir neue Bereiche.“ Das Konzept der Börse hat sich für sie etabliert. „Hier können wir die Stellen individuell zuschneiden und erhöhen so die Chance für die Region.“

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