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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 10:00 Uhr

Soziale Künste : Diese Konzerte helfen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Live Music Now bringt Musik an Orte, wo sie sonst selten oder nie erklingt – in Pflegeheime oder Kliniken.

Es sind Erlebnisse der ganz besonderen Art: Wenn junge Musiker, Studenten der Hochschule für Musik und Theater Rostock, mit ihren Instrumenten in Krankenhäuser, Pflegeheime oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen kommen und spielen, dann lässt das niemanden kalt. Der Klinikalltag kommt für einen Moment zum Stillstand, Menschen mit schweren Erkrankungen halten inne und lauschen.

Möglich werden solche Ereignisse durch das Projekt Live Music Now, das der britische Star-Geiger Yehudi Menuhin (1916-1999) ins Leben rief. Bundesweit gibt es seit 1992 mittlerweile 19 Vereine, die sich des Vorhabens angenommen haben, Musik dorthin zu bringen, wo sie selten oder nie erklingt. Seit 2004 gibt es auch in Rostock einen solchen Verein, neun Rostockerinnen unter dem Vorsitz von Christiane Prechtel sorgen ehrenamtlich dafür, dass Musik ihre heilende Wirkung verströmen kann – ganz im Sinne Menuhins. Der Violinist hatte während des Zweiten Weltkriegs Konzerte in Lazaretten vor verletzten Soldaten gegeben. Erfahrungen, die ihn prägten und die er angehenden Profi-Musikern vermitteln wollte. Gerade Musik für alte Menschen ist Prechtel wichtig. „Für Kinder wird sehr viel getan, da gibt es gute musikalische Initiativen“, sagt die Warnemünderin. „Aber wer macht so etwas für die Alten?“. Aus diesem Grund ist Live Music Now auch gerade in Alters- und Pflegeheimen vertreten.

Menuhin verfügte, dass die Live Music Now-Vereine eng mit einer Musikhochschule am Ort zusammenarbeiten. Daher kooperieren die Rostocker Organisatorinnen mit der HMT, wo sich jedes Jahr Studenten um eine Teilnahme bewerben können – und dann von einer Jury geprüft werden. Denn die Musiker müssen nicht nur ihre Instrumente beherrschen, sondern ihre Programme dem teils ungeübten Publikum auch vorstellen und erklären können. Musikerinnen wie zum Beispiel die Pianistin Janka Simowitsch, die seit Längerem mitmacht, verfügen schon über Routine.

Tatsächlich haben die Live Music Now-Konzerte mit gewöhnlichen Auftritten nicht viel zu tun. Die Umgebung ist unter Umständen unruhig, denn der Betrieb der jeweiligen Einrichtungen muss ja weitergehen. Und auch das Publikum sitzt nicht andächtig da, sondern äußert Missfallen oder Freude ganz direkt. Oder es zeigt nahezu keine Reaktion, etwa wenn die jungen Musiker auf einer Station mit Menschen im Wachkoma spielen.

Mühen werden für diese Konzerte nicht gescheut, und wenn Menschen mit schweren Erkrankungen oder Behinderungen das Bett nicht verlassen können, dann wird auch schon einmal eine riesige Konzertharfe in ein Krankenzimmer gerollt. Derzeit machen 39 Studenten mit, im Jahr 2014 fanden 66 Konzerte statt. Seit der Vereinsgründung gab es rund 600 Auftritte an 99 verschiedenen Orten.

Weil all dies immer auch mit Kosten verbunden ist und die Musiker ein kleines Honorar für ihre Auftritte bekommen, findet jährlich ein Benefizkonzert zugunsten von Live Music Now statt. Am Dienstag war es wieder so weit, die Studenten präsentierten in der HMT ihr Können mit Musik von Tango bis Opernarie, von Percussion-Stücken hin zu Solo-Piano. Außerdem berichteten sie von ihren Erfahrungen mit den Konzerten. Die unter der Schirmherrschaft von Markus Fein, Intendant der Festspiele MV, stehende Veranstaltung war ein Erfolg, und das nicht nur musikalisch. Rund 250 Gäste zählte Vereinsvorsitzende Prechtel.

 

Im Internet: www.livemusicnow.de

 

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