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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 00:19 Uhr

Die Zukunftspläne der Fähr-Reeder

vom

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2012 | 09:54 Uhr

Rostock | Das neue Terminal für die neuen Gedser-Fähren am Liegeplatz 54 im Rostocker Seehafen liegt noch verwaist da. Die Fertigstellung der Neubauten in Stralsund hat sich erheblich verspätet. Mehrfach waren durch die Reederei die Einsatzpläne zu ändern. "Die Saison musste leider ohne sie laufen. Jetzt warten wir mit neuen Plänen noch erst ab. Einen Monat früher oder später spiele nun auch keine gar zu große Rolle mehr", meint Scandlines-Chef Sören Poulsgaard Jensen. Inzwischen aber wohl wissend, dass die neuen Schiffe nun endlich bald kommen - das erste, die "Berlin", voraussichtlich im Oktober im Einsatz sein wird.

Ein Team von 30 bis 40 Mitarbeitern wacht darüber, dass das mit den gewünschten Qualitätskriterien erreicht wird. Maßgeschneiderte Rampen, erweiterte Vorstellflächen und verbesserte Zufahrtswege versprechen mit den neuen Schiffen künftig eine effektivere Abwicklung der Verkehre. Dafür sollen auch im dänischen Hafen Gedser im Herbst die letzten Arbeiten abgeschlossen sein. Scandlines beschränkt sich künftig auf die relativ kurzen, hoch frequenten Fährlinien Rostock-Gedser, Puttgarden-Rödby und Helsingör-Helsingborg.

Hanko-Dienst ab September unter Regie von SOL

Die 20-Minuten- bis 36-Stunden-Distanzen unter einen Hut zu bekommen, habe sich zunehmend als schwierig erwiesen, nennt Jensen eine der Gründe für den Verkauf der frachtbasierten Linien gen Trelleborg, dem Baltikum und Finnland. Er hofft, dass Ende September das Verkaufsprozedere mit der Stena-Line abgeschlossen ist und auch ein Großteil der Mitarbeiter hier weiter tätig sein kann.

Scandlines hat zudem die Frachtroute Rostock-Hanko mit den Fährschiffen "Merchant" und "Aurora" sowie die zwischen Travemünde und Liepaja verkehrende Fähre "Urd" verkauft. Ab 1. September kommt dieser Finnland-Verkehr unter Regie der Swedish Continent Line, die von Travemünde seit September 2009 die Route nach Helsingborg betreibt.

"Wir haben dann drei gleich große Schiffe im Einsatz und rechnen mit guten Effekten", umreißt Kai Peränen, Frachtmanager der SOL Continent Line, das Engagement, das sechs Abfahrten pro Woche und Richtung vorsieht. Die von Travemünde fahrende "Vasaland" sowie die Rostocker "Merchant" und "Aurora" sind Schwestern. Für das Fahrtgebiet, so Peränen, gebe es zunächst keine Änderungen. Was mit der zu Oktober übernommenen "Urd" passiert, sei noch offen. Die "Aurora" streicht jedenfalls die deutsche Flagge und wird künftig unter englischen Farben verkehren. Das deutsche Personal wechselt auf andere Schiffe, so Jensen. Inzwischen ist die "Prins Joachim" unter deutscher Flagge im Einsatz, um das für die neue "Berlin" georderte Personal halbwegs planmäßig zu beschäftigen. Wenn die beiden Neubauten dann voll in Fahrt sind, wird von den beiden alten Gedser-Fähren nur die "Kronprins Frederik" bleiben, die als Gefahrgutfähre auf der Vogelfluglinie die "Holger Danske" ersetzen wird.

Katalysatortechnik soll Schwefelemissionen senken

In Sachen Umweltschutz ist die TT-Line insbesondere mit ihren "Green ships" seit langem engagiert. Seit zwei Jahren gehört sie aber auch zu den stärksten Kämpfern für die Durchsetzung eines Moratoriums bei der für 2015 geplanten drastischen Reduzierung des Schwefelausstoßes von 1 auf 0,1 Prozent. Diesen Kampf, so TT-Geschäftsführer Jens Aurel Scharner, habe man auch noch nicht aufgegeben.

Parallel laufen aber inzwischen auch Bemühungen um die Förderung eines Pilotprojekts für die Bestückung von TT-Fähren mit Katalysatortechnik. Für die entsprechende Ausrüstung von Schiffen dieser Klasse gebe es aber bislang noch keine ausgereiften Lösungen. Es gebe Gespräche mit verschiedenen Herstellern, aber noch kein konkretes Projekt. Scandlines wiederum verfolgt ein Projekt mit Brennstoffzellen.

Für die Alternative Flüssiggas ist in Rostock von einer Versorgungseinrichtung mit einem Bunkerboot die Rede. Wenn in Rostock des erste mit Flüssiggas angetriebene Schiff auftaucht, werde es hier auch eine LNG-Tankstelle geben, versichert Dr. Ulrich Bauermeister, der Chef der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock. In Sachen Abwasser hat Rostock sich mit einer Entsorgungsanlage gut gewappnet. Landstrom für die Versorgung von Kreuzlinern im Hafen wird gegenwärtig als zu teuer erachtet und zudem würden den Schiffen einheitliche Normen fehlen.

Auf Rostock-Route stiegen nur unbegleitete Einheiten

Die Frachtmarkt-Entwicklung werten die Reeder gegenwärtig als verhalten. Das Vorkrisenniveau, so Scharner für die TT-Line, konnte noch nicht wieder erreicht werden. Lediglich bei unbegleiteten Einheiten gebe es im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr auf der Rostock-Route eine Steigerung um 6,8 Prozent. In der Passage ist trotz Zuwächsen im ersten Halbjahr in diesem Sommer mit Rückgängen zu rechnen.

Weitere 50 Millionen Euro wurden im vergangenen und diesem Jahr in die Zukunft des Hafens investiert. Sichtbare Belege sind neben dem umgekrempelten Fährterminal unter anderem die Erweiterung des Piers 2. Dass durch die Hafengesellschaft gegenwärtig schwarze Zahlen geschrieben werden, weckt bei der klammen Stadt (Gesellschafter neben dem Land) aber offenbar Begehrlichkeiten. Gelder aus dem Hafen zu ziehen, bedeutet allerdings dessen Investitionsspielraum einzuengen.

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