Rostocker Hafen : Die Tonnage fast verdreifacht

 Joachim Thonagel inspiziert die Beladung der „Spiegelgracht“. Fotos: Reiner Frank
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Joachim Thonagel inspiziert die Beladung der „Spiegelgracht“. Fotos: Reiner Frank

Neue Vorstellhalle sorgt für höhere Effizienz im Papierumschlag. Nach holprigem Beginn wurden die Herausforderungen gemeistert.

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21. Juni 2016, 21:00 Uhr

An den Liegeplätzen 61 und 63 am Warnowkai des Rostocker Seehafens herrscht Hochbetrieb. Vor allem hochwertiger Papierumschlag bestimmt hier die Szenerie. Der Frachter „Polaris VG“ löscht etwa 5500 Tonnen aus Rauma, der Spezialtransporter „Spiegelgracht“ lädt 1000 Tonnen für die USA. Seit April 2015 hat der Papierhersteller UPM seine Hafenaktivitäten in der südlichen Ostsee voll auf Rostock konzentriert, wurde der Umschlag in Lübeck und Gdynia aufgegeben. Für den Standort Rostock bedeutet das fast die Verdreifachung der bisherigen Tonnage, gilt es, den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden.

Darauf musste sich der Umschlagbetrieb Euroports erst einfuchsen. Rund 70 neue Mitarbeiter waren einzustellen und für die spezielle Tätigkeit sowohl theoretisch als auch praktisch zu schulen. Das Handling der vielfach bis zu übermannshohen Rollen ist schließlich kein Kinderspiel, bedeutete eine große Herausforderung an die Leistungsfähigkeit der beteiligten Mitarbeiter.

UPM als Kunde brachte sich selbst maßgeblich ein in die Aufgabe, trug so im Zusammenwirken mit dem eigenen Dienstleister ECL (European Cargo Logistics) und der Euroports Papier- Lager- und Umschlaggesellschaft (PLU) zum Gelingen bei. So stand bereits Ende vergangenes Jahr ein Umschlag von mehr als 600 000 Tonnen zu Buche. Und im ersten Halbjahr wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, 2016 noch ein wenig zuzulegen, wie Joachim Thonagel, Director Logistics Distribution UPM Paper ENA, konstatieren kann.

Wie ein Uhrwerk floriert der UPM-eigene Rauma-Dienst mit den Schiffen „Polaris VG“ und „Baltic Bright“, die jeweils montags und donnerstags ihre Frachten nach Rostock liefern. Dazu kommen weitere Papierzufuhren aus Kotka, unter anderem mit der „Misana“, und auch Zellulose in Ballen, Papier auf Paletten sowie ein wenig Sperrholz wird angeliefert.

Von hier aus geht die Ware weiter über Deutschland hinaus zum Beispiel nach Polen, Italien, die Schweiz, Österreich, Ungarn, Rumänien, Serbien, Kroatien, Slowenien. Das Gros rollt per Lkw zu den Kunden, etwa 20 Prozent zudem mit der Bahn, wobei auch die neuen Verbindungen des kombinierten Verkehrs nach Süddeutschland und Italien genutzt werden.

Die Abläufe im Hafen wurden rationeller gestaltet. Ein neues IT-System, die Checks der Lkw bereits auf ihren Warteplätzen und das Scannen der Ladung auf den Schiffen waren und sind einige der Schlüssel zum Erfolg. Eine neue Vorstellhalle, die lange auf sich warten ließ, aber heute am Liegeplatz 60 nun in Betrieb genommen wird, erhöht die Flexibilität des Umschlags, ermöglicht kurze Wege und witterungsunabhängiges Arbeiten.

Wenn manches auch ein wenig holprig anlief, im Zusammenwirken mit dem PLU-Team um Dr. Christian Horn wurde inzwischen ein Stand erreicht, der sich sehen lassen kann. Die Abfertigungszeiten wurden verkürzt, sowohl die Durchlaufzeiten der Lkw als auch die Bearbeitung der Schiffe verbessert. Und das bei relativ geringen Beschädigungen der Frachten. „Wir haben es geschafft. Nun heißt es, das Niveau zu halten!“, erklärt Thonagel.

Exporte wie jüngst mit der „Spiegelgracht“ machen sich gegenwärtig zwar rar. Sie trugen einst dazu bei, dass schon einmal (das war anno 2004) 500 000 Tonnen Papier über die Rostocker Kaikanten gingen. Dann kam es zu Mengenverlagerungen, auch in Rostock ging es bergab, stand 2013 nur noch knapp die Hälfte zu Buche.

Der gebürtige Schweriner Joachim Thonagel, der in Rostock studierte und hier seit 1992 im Papierumschlag tätig ist, kennt die Entwicklung von Beginn an, die damals unter WARICO begann, woran heute noch die Aufschrift auf dem Dach und an der Stirnfront einer Papierhalle erinnert.

Die Konzentration der Hafenaktivitäten von UPM auf Rostock hat dem Hafen nun ein neues Verkehrshoch gebracht.

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