Ehrenamt : Die Talente fest im Blick

img_6030
1 von 2

Tobias Aul trainiert gleich zwei Fußball-Nachwuchsteams des FSV Kritzmow und geht voll in seiner Rolle auf

23-63014271_23-66110652_1416397713.JPG von
20. März 2015, 08:00 Uhr

„Nick, Nolan, Janik, kommt mal kurz zusammen. Nils und Jeldrik, auch ihr beide, lasst mal kurz den Ball liegen“, ruft Tobias Aul seine Schützlinge ruhig aber bestimmend zum Trainingsstart zusammen. Acht Kinder im Alter von neun bis elf Jahren stürmen auf den 22-Jährigen zu und freuen sich, dass es los geht. Kleine Spiele zur Erwärmung, eine Technikübung sowie das heiß geliebte Fußballspiel zum Abschluss stehen heute auf dem Plan der Nachwuchskicker des FSV Kritzmow.

Seit 2011 hat Tobias Aul die jungen Sportler unter seinen Fittichen, trainiert in dieser Saison die beiden E-Junioren-Teams des kleinen Vereins vor den Toren der Hansestadt Rostock. „Die Mannschaft hatte damals keinen Trainer und stand vor dem Aus. Also ließ ich mich spontan überreden“, schildert der Kritzmower den Beginn seines Ehrenamts. Für den Studenten, der im vierten Semester Wirtschaftspädagogik an der Uni Rostock belegt, Herausforderung und Neuland zugleich. „Bereut habe ich diesen Schritt jedoch noch nie. Die Kinder sind begeisterungsfähig und geben unheimlich viel zurück“, berichtet der junge Mann von seinen eigenen Erfahrungen. Wer den Nachwuchstrainer im Umgang mit seinen Schützlingen beobachtet, gewinnt schnell den Eindruck, dass er voll und ganz in seiner Rolle aufgeht. In Kooperation mit Schule, Hort und Verein nimmt er den Großteil der Kinder bereits am frühen Nachmittag in Empfang und erspart den Eltern somit viel Zeit sowie unnötiges Fahren. „Durch die Nähe von Schule und Sportstätten sind die Voraussetzung hierfür wirklich ideal. Mütter oder Väter holen die Jungs dann direkt nach dem Training ab“, sagt Tobias Aul. Davon profitierte der jetzige Coach vor genau 17 Jahren übrigens noch selbst. Axel Stelter, heute Vorsitzender des Vereins, holte den Nachwuchskicker damals von der Kita ab und brachte ihn zum Vereinstraining.

Von Kollegen oft belächelt, erfordert gerade das Traineramt im unteren Nachwuchsbereich ganz besonderes Fingerspitzengefühl. Nicht nur Coach, sondern auch Pädagoge und guter Freund sei der Trainer dort, sagt Tobias Aul. Gespräche mit Eltern führen, Tränen nach Niederlagen trocknen und sich die eine oder andere Geschichte aus dem Alltag der Grundschüler anhören, ist ebenso Teil desAufgabenfeldes des 22-Jährigen wie die Vorbereitung der 90-minütigen Übungseinheit selbst. Aber auch die Vermittlung von Werten wie Teamgeist, Disziplin und Zuverlässigkeit sind dem jungen Mann wichtig. Da kommen schnell zwölf Stunden und mehr zusammen, die Tobias Aul Woche für Woche als Trainer auf und neben dem Fußballplatz verbringt.

Dabei ist der Kritzmower selbst ein Vorbild seiner Jungs und das beste Beispiel dafür, wo auch ihr Weg in zehn, zwölf Jahren hingehen kann. 1998 unter Trainer Michael Schäfer die ersten Schritte im Vereinsfußball unternommen, schaffte Tobias Aul zu Beginn der Saison 2010/11 den Sprung in die erste Männermannschaft. Hier hat sich der Student nicht nur einen Stammplatz in der Innenverteidigung erkämpft, sondern stieg mit dem Team 2014 als Kapitän in die Landesklasse auf. Bei der derzeitigen Tabellenführung vor Bad Doberan ist auch der nächste Aufstieg im Sommer längst nicht ausgeschlossen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen