zur Navigation springen

Vermisstes Mädchen auf Rügen : Die Suche wird fortgesetzt

vom

Entgegen den bisherigen Planungen ist heute auf Rügen die Suche nach dem verschütteten zehnjährigen Mädchen aus der Prignitz wieder aufgenommen worden. Der Wind hat gedreht, und damit ist auch das Hochwasser zurückgegangen.

svz.de von
erstellt am 29.Dez.2011 | 10:01 Uhr

Kap Arkona/Bergen | Entgegen den bisherigen Planungen ist heute auf Rügen die Suche nach dem verschütteten zehnjährigen Mädchen aus Brandenburg wieder aufgenommen worden. Etwa 45 Feuerwehrleute arbeiten sich am Kap Arkona von See her mit Schaufeln durch das zähe Gemisch aus Kreide, Geröll und Mergel.

„Der Wind hat gedreht, und damit ist auch das Hochwasser zurückgegangen. Wir kommen wieder besser an die Stelle heran, an der die Suchhunde angeschlagen hatten. Wir hoffen, das Kind endlich zu finden“, sagte Einsatzleiter Daniel Hartlieb am Morgen. Der knapp 40 Meter hohe Steilhang an der Nordspitze der Insel, an dem sich weitere Risse gebildet haben und an dem neue Erdrutsche drohen, werde kontinuierlich beobachtet.

Am Montagnachmittag waren dort mehrere tausend Kubikmeter Kreide und Mergel in die Tiefe gestürzt und hatten eine Mutter aus Nordbrandenburg mit ihren beiden 10 und 14 Jahre alten Töchtern erfasst, die am Strand spazieren gingen. Die Ältere und die Mutter wurden gerettet. Die Zehnjährige wird vermisst. Die Suchmannschaften gehen davon aus, dass nur noch die Leiche des Kindes zu finden ist.

Hoteliers und Privatvermieter sollen aufklären

An der Nordspitze Rügens waren am Montag nach tagelangem Regen aus dem fast 40 Meter hohen Steilufer mehrere tausend Kubikmeter Kreide und Mergel in die Tiefe gestürzt und hatten eine Frau aus Nordbrandenburg mit ihren beiden 10 und 14 Jahre alten Töchtern erfasst. Die Familie war dort zu einem Weihnachtsspaziergang unterwegs. Das ältere Mädchen und die Mutter, die dem Vernehmen nach Beinbrüche erlitt, wurden gerettet. Die Zehnjährige wird vermisst. Am Dienstag war die Suche aus Sicherheitsgründen abgebrochen worden.

Nach dem tragischen Unglück wird der Schutz der Feriengäste vor gefährlichen Küstenabbrüchen auf Rügen zunehmend zum Thema. "Wir haben 1000 Kilometer Küste. Da wäre es für den Tourismus durchaus zu verschmerzen, zwei oder drei besonders gefährdete Strandkilometer an Steilufern für Spaziergänger zu sperren", sagte Großklaus. Doch müssten vor solchen Entscheidungen Kommunalpolitiker, Behörden und Verbände einbezogen werden. "Was wir nicht brauchen, sind Schnellschüsse und zusätzliche Bürokratie", betonte er. Der Landestourismusverband und auch Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatten sich dagegen ausgesprochen, Steilküsten grundsätzlich zu sperren.

Die bis zu 100 Meter hohen Kreidefelsen bei Sassnitz und auch die Steilküste am Kap zählen zu den besonderen Anziehungspunkten der Insel Rügen. "Man kann sie sich auch sehr gut auf Schiffen vom Boot aus ansehen. Das ist auf jeden Fall sicherer", sagte Großklaus.

Hartlieb hält eine eindringlichere Warnung der Feriengäste vor den Gefahren der Steilküsten für dringend geboten. Sowohl Tourismusverbände als auch Hoteliers und Privatvermieter sollten mehr aufklären. "Ich als Rüganer würde an der Steilküste nicht spazierengehen. Mir sind die breiten Sandstrände an der Schaabe oder bei Binz lieber - und sie sind sicher", sagte Hartlieb. Warnschilder und Aufklärungsblätter haben nach Einschätzung von Vize-Landrat Großklaus in der Vergangenheit ihre Wirkung aber weitgehend verfehlt.

Geologen hatten darauf hingewiesen, dass Hangabbrüche Teil der natürlichen Küstendynamik und kaum vorhersehbar seien. So hatte es den Angaben zufolge an der jüngsten Unglücksstelle am Kap Arkona seit gut 100 Jahren keinen solch großen Erdrutsch gegeben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen