Flüchtlinge in rostock : Die Sprache als Weg ins Leben

Im Kurs vermittelt Hanan Al’Murshadi (hinten) Grundlagen des Deutschen und bringt die Teilnehmer so weit, dass sie sich im Alltag verständigen können. Für Elektriker Ahmad Alabsi (r.) ist das wichtig, um einen Job zu finden, wie auch für Krankenschwester Nisveen Alschikifi (30). Sprachmittler Eyad Alabsy hat mal mit hineingeschnuppert, was die Teilnehmer lernen und gleich seine Jungs Albavaa (6, vorn) und Mohammed (10) mitgebracht: Bei denen sitzt das Deutsche. Kein Wunder: Mohammed wurde in Deutschland geboren, lebte hier vier Jahre, wurde ausgewiesen und kehrte im September zurück.
1 von 2
Im Kurs vermittelt Hanan Al’Murshadi (hinten) Grundlagen des Deutschen und bringt die Teilnehmer so weit, dass sie sich im Alltag verständigen können. Für Elektriker Ahmad Alabsi (r.) ist das wichtig, um einen Job zu finden, wie auch für Krankenschwester Nisveen Alschikifi (30). Sprachmittler Eyad Alabsy hat mal mit hineingeschnuppert, was die Teilnehmer lernen und gleich seine Jungs Albavaa (6, vorn) und Mohammed (10) mitgebracht: Bei denen sitzt das Deutsche. Kein Wunder: Mohammed wurde in Deutschland geboren, lebte hier vier Jahre, wurde ausgewiesen und kehrte im September zurück.

Es gibt zu wenig Integrationskurse / Vereine wie die Stadtmission helfen mit Deutschunterricht

von
27. August 2015, 15:00 Uhr

Wie geht es Flüchtlingen, die in Rostock Zuflucht vor Krieg, Verfolgung und Not suchen? Wie geht die Hansestadt mit ihnen um? Ist die Stadt überhaupt auf die Versorgung und Unterbringung der vielen Menschen vorbereitet? In einer Serie geben die NNN Antworten auf die wichtigsten Fragen. Diesmal: Sprache als Herausforderung

Mit den Flüchtlingen in der Hansestadt wachsen die Aufgaben. Soziale Vereine wie die Stadtmission passen ihre Hilfen an. „Im Februar hat die Stadt angefragt, ob wir dezentral untergebrachte Flüchtlinge betreuen“, sagt Rolf Gauck von der Stadtmission. Schnell sei aber klar geworden: Da muss mehr als soziale Arbeit passieren. Die Mitarbeiter haben mit Unterstützung der Sozialkaufhäuser die Wohnungen ausgestattet. Ein großes Manko für das Leben der Flüchtlinge blieb: die Sprache. Bis die eigentlichen Integrationskurse beginnen, kann es ein halbes Jahr oder länger dauern, erklärt Eyad Alabsy. Er wurde von der Stadtmission als Sprachmittler für die Flüchtlinge eingesetzt – als Übersetzer, Ansprechpartner. Vier dezentral untergebrachte Familien betreut er. Er kann nicht überall sein.

„Aber ohne Sprache sind die Flüchtlinge in Rostock wie auf dem Mond“, sagt Gauck. Deswegen setzte die Stadtmission Hanan Al’Murshadi ein. Mittwochs und freitags unterrichtet die 32-jährige Lehramtsstudentin Deutsch für syrische Flüchtlinge. Al’Murshadi ist ein Sprachtalent, spricht deutsch, englisch, französisch, spanisch, italienisch, rumänisch. Die arabische Sprache nicht, die Verständigung funktioniert dennoch: auf Englisch, selten auf Französisch. In ihrem Kurs sind zehn Teilnehmer, eine Krankenschwester, ein Arzt, ein Elektriker. „Sie wollen unbedingt lernen“, sagt Al’Murshadi. Und manchmal ein wenig zu schnell. Deutsch sei eben kompliziert.

Die Motivation der Teilnehmer ist klar: „Wenn man in Deutschland lebt, muss man auch die Sprache können“, übersetzt Alabsy Kursteilnehmer Manhal Alchikh. Der 35-jährige Syrer ist seit Herbst 2014 hier. Er hatte schon länger einen Kurs gesucht, aber alle seien überlastet gewesen. „Freunde beneiden, dass ich diesen Kurs machen kann“, sagt Alchikh.

Die Zahl der Sprachkurse in Rostock sei zu gering, sagt ein anderer Kursteilnehmer, selbst Dolmetscher für Arabisch – Englisch. Auch die Zahl der ausgebildeten Sprachlehrer ist niedrig. Nur sie dürfen den Flüchtlingen ein Zertifikat ausstellen. Der Kurs der Stadtmission visiert etwas anderes an. Er soll die Integrationskurse nicht ersetzen. Er ist eine Option, in den Monaten der Wartezeit zu lernen, sich zu verständigen. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration, das Tor, um anzukommen“, sagt Al’Murshadi. Bald beginnt der nächste Kurs für Flüchtlinge aus Albanien.

Die Stadtmission sucht noch ehrenamtliche Sprachmittler und -lehrer. Kontakt: 0381/86 51 90

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen