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Opfer von Dr. Thomas M. : Die Schmerzen bleiben für immer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Cathleen Augustin ist ein Opfer des Skandal-Chirurgen Dr. Thomas M. und nach einer verhängnisvollen Bandscheiben-OP teilweise gelähmt.

Mit den Schmerzen im Rücken fing alles an. Cathleen Augustin war eine sportliche junge Frau und suchte Linderung. 2007 war das. Seitdem hat die Rostockerin einen Albtraum durchgemacht. Ihr rechtes Bein ist gelähmt, ihre Blase funktioniert nicht mehr. Sie kann nicht arbeiten, ist auf Pflege und starke Schmerzmittel angewiesen – all das nach einer wahrscheinlich unnötigen Bandscheiben-OP und anschließenden schweren Komplikationen.

Operiert wurde Cathleen Augustin von Dr. Thomas M., der damals als Neurochirurg mit eigener Praxis in Rostock praktizierte. Der 50-Jährige sitzt seit Ende Februar in Untersuchungshaft. Ab kommendem Mittwoch muss er sich vor dem Landgericht Rostock verantworten – aber nicht wegen mutmaßlicher Behandlungsfehler wie bei Cathleen Augustin und mehreren anderen Patienten, die sich inzwischen anwaltlich vertreten lassen. Die Staatsanwaltschaft wirft M. im jetzt beginnenden Verfahren Abrechnungsbetrug in Millionenhöhe vor.

„Für mich ist Thomas M. einfach ein Horror-Arzt“, sagt Cathleen Augustin. Auf ihrem Küchentisch stapeln sich Befunde, Gutachten, Anwaltsschreiben. Thomas M. hatte einen schlimmen Bandscheibenvorfall diagnostiziert und zu einem Eingriff in einer möglichst kurzen Frist geraten. An den Tag ihrer Operation, den 9. Oktober 2007, kann sich Cathleen Augustin sehr genau erinnern: „Am Morgen kam ich in die Praxis. Dr. M. schaute kurz rein und sagte: ,Das wird schon’.“ Aber es kam anders. Als Cathleen Augustin aus der Narkose erwachte, hatte sie Schmerzen im Rücken und im rechten Bein. Stärker als je zuvor. „Ich konnte mich kaum bewegen“, sagt sie. Am dritten Tag wurde sie aus der Praxisklinik entlassen. Die Schmerzen blieben. „Als ich nach vier weiteren Tagen erneut in die Praxis kam, hielt ich es kaum noch aus“, sagt die 28-Jährige.

Thomas M. habe sie beruhigt und die Fäden gezogen. Am Abend zu Hause sah sich Cathleen Augustins Mann, ein gelernter Altenpfleger und Wundmanager, die Operationswunde an und war entsetzt. Die Verbände waren durchgeblutet. Es folgten mehrere Nachbehandlungen. Wertvolle Zeit verstrich. Die zunehmenden Schmerzen habe der Mediziner als Nervenreizung erklärt, Cortison verordnet und sei in den Urlaub gegangen. „Er sagte noch, dass ich ihn im Notfall anrufen und nicht in die Uniklinik gehen sollte“, berichtet Cathleen Augustin. Aber genau dorthin schickte ihr Hausarzt sie, als sie wiederum mehrere Tage später kaum noch zur Toilette gehen konnte und ihr Bein taub war. Noch in der Nacht wurde die junge Frau notoperiert. Heute ist sie sicher: „Die Ärzte dort haben mein Leben gerettet.“ Sie stellten eine teilweise Querschnittslähmung fest. Außerdem war Rückenmarksflüssigkeit ausgetreten, wodurch es zu einer beginnenden Hirnhautentzündung kam.

Ein Gutachten eines angesehenen Privatdozenten aus Bayern dokumentiert Cathleen Augustins Fall. Der Wissenschaftler kommt zu dem Schluss: Eine zwingende Notwendigkeit für eine Operation habe nicht vorgelegen. „Ich gehe davon aus, dass sich die schweren neurologischen Defizite erst im weiteren Verlauf nach der Operation entwickelten“, schreibt der Gutachter. Thomas M. habe Behandlungsfehler im Umgang mit den Komplikationen begangen. Auch bescheinigt der Gutachter dem Mediziner „deutliche Versäumnisse“ bei der Aufklärung seiner Patientin sowie der Dokumentation der Behandlung.

Cathleen Augustin hat frühzeitig versucht, andere vor Thomas M. zu warnen. Schon im Jahr nach ihrer OP wandte sie sich an die Ärztekammer. Dass der Mediziner immer noch seine Approbation hat, macht die Rostockerin wütend. „Es hätte weniger Opfer gegeben, wenn er gleich ein Berufsverbot bekommen hätte“, sagt sie. Heute hat Cathleen Augustin Kontakt zu weiteren Betroffenen. Eine Patientin soll an der falschen Seite operiert worden sein, eine andere bekam offenbar Schrauben in die Halswirbel gebohrt, um einen Riss zu behandeln, der gar nicht existierte.

Cathleen Augustin erfährt im Alltag viel Unterstützung von ihrem Mann und ihrer Tochter Lena-Marie (10). Thomas M. will sie nächste Woche im Gerichtssaal gegenübertreten. Sie hofft darauf, Antworten auf die eine Frage zu finden, die sie einfach nicht loslässt: „Warum?“

 

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erstellt am 05.Jun.2014 | 10:00 Uhr

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