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Wismar will Landespartei voranbringen : Die Schauerleute der FDP

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Der Bundes-Tanker der Liberalen guckt noch mit dem Schornstein aus den Wellen und das Landes-Tochterschiff ist seit der verlorenen Landtagswahl leck geschlagen - die Schauerleute in Wismar wollen die Ärmel hochkrempeln.

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erstellt am 26.Jan.2012 | 11:52 Uhr

Wismar | Der Bundes-Tanker der Liberalen guckt gerade noch mit dem Schornstein aus den Sturmwellen und das Landes-Tochterschiff ist spätestens seit der verlorenen Landtagswahl leck geschlagen - die Schauerleute an der Basis in Wismar aber wollen die Ärmel hochkrempeln. Zwei Tage vor der heutigen Bürgerschaftssitzung sitzen rund ein Dutzend Mitglieder des Ortsverbandes, dem auch der frühere Fraktionschef im Landtag, Michael Roolf, angehört, im FDP-Kabäuschen unterm Rathausdach. Aktenregale, ein ebenfalls angeschlagener Kühlschrank, Drucker und Faxgerät. Roolf ist nicht da.

"Wir werden sicherlich wieder diejenigen sein, die alleine dastehen", sagt Kreis- und Bürgerschaftsfraktionsvorsitzender René Domke und meint nicht die Wahl- und Umfrageergebnisse der Partei. Domke spricht über einen Groß-Aufreger in der Hansestadt, die millionenschwere Sanierung des Theaters. Heute Abend steht das Thema auf der Tagesordnung der Bürgerschaft. Es gibt einen Änderungsantrag zur Vorlage der Verwaltung, der per Dringlichkeit durchgesetzt werden soll. Tenor bei der FDP: "Wir könnten möglicherweise eine Bühne erhalten, aber nicht in diesem Gigantismus. Wir müssen überlegen, wann für uns der Ausstieg ist", sagt Domke. Denn nicht nur das Theater soll saniert werden, sondern auch gleich noch ein modernes Tagungszentrum dazu entstehen. Dabei hat Wismar mit rund 2400 Euro eine der höchsten Pro-Kopf-Verschuldungen im Land, beklagt Mitglied Robby Heesch. Selbst die Generation seiner Tochter werde den Schuldenberg nicht abtragen können. Ein Abstimmungsverhalten in Sachen Theater wird für die Fraktionsmitglieder nicht vorgegeben, die Presse ist da. Auf jeden Fall, so meint Joachim Framm, dürfe man nicht als Theaterverhinderer dastehen, Kultur und Bildung seien wichtig. Mitglied Dieter Schmidt-Knackstedt, der mit Wallehaar und weißem Bart als Gründungsmitglied der Grünen durchgehen könnte, hat da seine eigene Meinung. "Privatisieren" ist seine marktliberale Lösung für das Theater. Nach rund halbstündiger intensiver Diskussion fordert er denn auch: "Bitte beenden, sonst krieg ich das noch mit der Galle."

Auf der Tagesordnung stehen auch so noch viele Punkte, die mit ebenso viel Papier, Verwaltungsvorlagen, Anträgen, verbunden sind. Peter Manthey, Vize-Fraktionsvorsitzender, schneidet die Sache mit den erhöhten Pachten für die Freiflächen der Wismarer Gastronomen an, die heute auch in der Bürgerschaft beschlossen werden sollen. "In einem Fall soll ein Wirt statt bisher 2000 nun 5000 Euro bezahlen", schildert er die Sorgen der Kleinunternehmer, des Kernklientels der Liberalen. Verhindern könne man bei der Haushaltslage die Erhöhung nicht, aber immerhin habe man im Vorfeld durchsetzen können, dass sie in zwei Stufen kommt. Einen geplanten Supermarkt hingegen - der zu Lasten einheimischer Händler gehen könnte - habe man erfolgreich abgeblockt. Stattdessen sollen dort nun Wohnungen entstehen, freut sich Manthey.

"Erfolgreiche Kommunalpolitik ist die einzige Chance, wieder in den Landtag zu kommen", ist Robby Heesch überzeugt, die anderen nicken. Wismar sei schon immer liberale Hochburg gewesen, auch wenn Bundes- und Landestrend Sorgenfalten bereite. 2010 hatte der Landesverband noch 1030 Mitglieder. Inzwischen sind es 950. Und meistens weit weg ist Landeschef Christian Ahrendt, Parlamentarischer Geschäftsführer im Bundestag. Den eine persönliche Kälte auszeichne, eine, die wohl in Berlin auf ihn abgefärbt habe, so Silke Juncker. Im Wismarer Rathauszimmer ist davon wenig zu spüren. Vielleicht hilft das ja, dass sie am Ende nicht wieder alleine dastehen.

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