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Norddeutsche Neueste Nachrichten

14. Dezember 2017 | 02:00 Uhr

Die Schattenseiten der Kreuzfahrt

vom

svz.de von
erstellt am 23.Aug.2013 | 08:29 Uhr

Rostock | Der Kreuzfahrttourismus steht seit Jahren auf dem Prüfstand des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Derzeit ist vor allem der Rostocker Kreuzfahrtriese Aida im Visier der Umweltschützer. Und das ist kein Zufall.

Der Nabu hat alle 20 der bis 2016 für den europäischen Markt vom Stapel laufenden Schiffe auf ihre Abgastechnik und deren Auswirkungen auf Klima, Umwelt und Gesundheit der Gäste untersucht. Aida ging mit der "Stella" als Verlierer aus dem Umwelt-Ranking hervor. Auch, weil Anspruch und Wirklichkeit bei dem Branchenführer am weitesten auseinanderklaffen, sagt Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger. So hatte das Unternehmen den Nabu auf seiner Homepage als Dialog-Partner bezeichnet. Das sei irreführend, erwecke den Eindruck einer Zusammenarbeit, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die Kreuzliner insgesamt müssten aufhören, mit weißem Rauch zu werben und schwarze Abgase zu produzieren, so Oeliger. 92 Prozent der Schiffe würden - typisch für die Branche - ohne Abgastechnik fahren. Das bedeute, dass Rußpartikel, Stickoxide und Schweröl, beziehungsweise Abgase daraus, ungefiltert in die Luft gelangen - Belastungen für Gesundheit und Umwelt. "Ein Kreuzfahrtschiff verursacht so viele Abgase wie fünf Millionen Autos auf der gleichen Strecke", sagt Oeliger. Anwohner aus Hafennähe kennen das aus eigener Erfahrung. Jürgen Brandt aus Hohe Düne kann seine Wohnung nicht immer lüften. Ruß setzte sich sogar an den Fenstern ab. Auch Mathias Witte aus Hohe Düne kennt die Schattenseiten der schillernden Kreuzfahrt - Dreck und Lärm - räumt aber ein: "Wir haben ja geschrien, Kreuzfahrttourismus nach Rostock." Jetzt gelte es eben, die Umweltverträglichkeit zu verbessern. Das sieht Oeliger genauso. Das Problem gebe es zwar auch mit Frachtschiffen, aber die Kreuzfahrtbranche, auch mit ihren finanziellen Mitteln, müsse eine Vorreiterrolle auf See einnehmen.

Und Aida will sich bewegen, Abgastechnik einbauen: "Unser Ziel ist eine komplette Lösung, die auch Schwefeloxid und Rußpartikel verringert", so Monika Griefahn, zuständig für die Nachhaltigkeit bei dem Unternehmen. Die Forschungsabteilung der übergeordneten Carnival-Gruppe arbeite mit der Industrie an einer Kombinationslösung aus drei Filtern, die dann auf allen Schiffen angewendet werden kann, so Griefahn weiter. Und auch die Stadt Rostock will sich dem Problem Kreuzfahrt annehmen. Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) will es in der nächsten Sitzung der Union of Baltic Cities auf den Tisch bringen und über eine gemeinsame Initiative von Liegegebühren, abhängig von der Umweltverträglichkeit der Schiffe, beraten.

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