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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 13:14 Uhr

Warnemünde : Die Schätze des Strandes

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Wilfried Krümmer nimmt Besucher mit auf ökologische Wanderungen – und zeigt Seeigel, Muscheln, Bernstein und Hühnergötter

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Eine kleine Schar Wanderfreudiger trifft sich an der Warnemünder Jugendherberge, schaut ein wenig skeptisch angesichts dicker Wolken in den grauen Oktober-Himmel und wartet auf Wilfried Krümmer. Der trifft punkt 11 Uhr ein und freut sich, dass trotz des Wetters eine Handvoll Interessenten zu seiner geologisch-ökologischen Strandwanderung gekommen sind. „Vergangenen Dienstag ist der Spaziergang mangels Beteiligung ausnahmsweise ausgefallen. Deshalb ein besonders herzliches Willkommen“, sagt der 72-Jährige, der schnurstracks mit seinen Wanderfreunden auf Zeit zum nur wenige Schritte entfernten Strand marschiert.

Dort öffnet er seinen Rucksack und fördert daraus allerlei Schätze, die von den Umstehenden neugierig beäugt werden. Verschiedene Muscheln, Seeigel, Feuer-, Sand-, Kalk- und Bernsteine, ja auch Hühnergötter und ein Donnerkeil sind dabei. Der pensionierte Biologie-Lehrer versteht es zur Freude der kleinen und großen Zuhörer, nicht nur sein Fachwissen gut verständlich zu erläutern, sondern kennt auch so manche unheimliche Geschichte beispielsweise um den Gott des Donners und einen Keil, den dieser in die Erde jagte.

Schließlich hält er einen bräunlichen Klumpen in der Hand. „Das ist Harz, der Ursprung des Bernsteins. Wenn wir nun langsam am Saum der Ostsee entlang in Richtung Stolte-raa laufen, finden wir viel-leicht mit ein wenig Glück einen Bernstein“, sagt Krümmer. Ob es sich bei dem Fund dann tatsächlich um solch eine Rarität oder einen bräunlichen Feuerstein handelt, das werde an Ort und Stelle sofort überprüft. Denn im Rucksack des Naturfreun-des befindet sich auch ein Fläschchen mit einer hoch-prozentigen Salzlösung, in der ein Bernstein schwimmt statt auf den Boden zu fallen. Während vor allem die 14-jährige Daria und ihr acht-jähriger Bruder Taylor, die mit ihren Eltern ein paar Ferientage in Warnemünde verbringen, nach glücksbringenden Hühnergöttern, Krabben und Quallen Ausschau halten, nehmen die Erwachsenen nun die zahlreichen Möwen ins Visier. „Hier gibt es vor allem Silber-, Lach- und Sturmmöwen. Die großen, das sind die Silbermöwen. Ihre Flügelspannweite ist um die 1,50 Meter groß. Und diese grauen, das sind die Jung-tiere“, sagt der Wanderleiter. Erst nach drei Jahren haben sie ein ebenso helles Gefieder wie ihre Eltern.

„Frech sind die Möwen“, findet der aus Thüringen angereiste Taylor, dem ein dreistes Exemplar am Alten Strom gekonnt den Fisch aus einem Brötchen gestohlen hat. Der Ärger darüber ist aber längst vergessen. Vielmehr ist der Achtjährige fasziniert von den glitschigen weißen Quallen. Tapfer hält er die zu 98 Prozent aus Wasser bestehenden Medusen in den Händen und stellt den Wanderfreunden jedes neue Exemplar voller Begeisterung vor. „Die sind nicht giftig“, beruhigt Wilfried Krümmer die Eltern, bevor er über die Ostsee, Süß- und Salzwasser und die Sandklaffmuschel spricht.

Die Größe der Muschelschalen kann als Anzeiger für den Salzgehalt des Wassers dienen. Der Salzanteil nimmt in der Ostsee von West nach Ost ab, sodass die Muschelschalen zunehmend kleiner werden. Der Wanderleiter informiert über Eugen Geinitz, den Begründer des minera-logisch-geologischen Insti-tutes an der Universität Rostock, das noch vor der Wende abgeschafft worden ist, und über gefährliche Abbrüche an der Steilküste, wo eine Stelle nach dem Geologen benannt ist.

Krümmer beantwortet die Fragen mit viel Geduld und Humor. Und so erfahren sie auch, dass er als Gymnasiallehrer an seiner Schule ein Dünen-Projekt begleitet hat. Die Dünen, der Strand und die Ostsee haben ihn seither nicht mehr losgelassen, sodass er nach seiner Pensionierung auf die Tourismuszentrale und die Ju-gendherberge zugegangen ist. „Ich habe angeboten, ökologisch-geologische Strandwanderungen anzuleiten. Nun finden diese regelmäßig zwischen Januar und November an jedem letzten Dienstag statt, in den Herbstferien mehrfach. „Und die Jugendherberge chartert mich einfach bei Bedarf“, so der 72-Jährige.





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