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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 22:57 Uhr

Feuerlöschboot : Die Rente kann noch warten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Spezialschiff der Berufsfeuerwehr wird in der Tamsen-Werft aufgerüstet.

von
erstellt am 28.Aug.2014 | 12:00 Uhr

Majestätisch ruht das Feuerlöschboot in der Halle der Tamsen-Werft. Dort wird der 31 Jahre alte Oldtimer der Rostocker Berufsfeuerwehr gerade turnusmäßig überholt, um den Schiffs-Tüv zu erneuern. Gerade rechtzeitig, denn, so Matthias Ullrich vom Brandschutz- und Rettungsamt: „Die Maschine war nicht mehr funktionstüchtig, wir waren manövrierunfähig.“ Die Stadt stellt für die Arbeiten 400 000 Euro zur Verfügung.

Auch dank freier Kapazitäten der Werft konnte die eigentlich für September angesetzte Wartung vorgezogen werden. Anfang Juli brachte ein Schlepper das „FLB 40-3“ von seinem Stammplatz in Groß Klein nach Gehlsdorf. Mittlerweile ist der Großteil der Arbeiten erledigt: Die Propelleranlage ist auf Vordermann gebracht, die so genannten Opferanoden für den Korrosionsschutz glänzen silber an den Seiten des Rumpfes, das Schanzkleid, die Ablaufgeräte für die Rettungsflöße und die Davidanlage zum Zuwasserbringen der Rettungsboote sind erneuert und frisch gestrichen. Die Schaltkästen haben ein neues Innenleben.

Im Oktober wird das Spezialschiff weiter aufgerüstet. Dann werden die Davidanlage durch einen Ladekran ersetzt und ein Cobra-Löschsystem montiert. Das schießt mit 300 Bar Wasser und damit vermischte kleine Kügelchen auf einen Brandherd. „Damit können wir sogar Stahl schneiden“, sagt Ullrich – ein großer Vorteil auf See. Das System kann aber auch per Kran abgenommen und dann an Land eingesetzt werden.

Heute soll das Boot wieder in sein Element gelassen werden. Die restlichen Arbeiten können voraussichtlich in der Marina nebenan ausgeführt werden. „Vier Wochen müssen wir schon noch rechnen“, sagt Ullrich. Besonders heikel sei die Reparatur der Maschinen. „Es ist schwierig, Ersatzteile zu bekommen“, so der heutige Wachbezirksleiter, der 1983 schon die Inbetriebnahme des Löschbootes begleitet hatte. „Da steckt Herzblut drin“, sagt Ullrich.

Dennoch blickt er auch voraus, hat mit seinen Kollegen vier Zukunftsszenarien entworfen, um die Einsatzbereitschaft auf See langfristig abzusichern. Dazu wäre entweder eine Komplett-Modernisierung des „FLB 40-3“ inklusive Bugstrahlruder, Elektronik und Ruderanlage nötig. Weitere Varianten wären ein Neubau, der Ankauf eines Aufliegers, der von einem Schlepper zum Einsatzort gebracht wird, oder die Umwidmung zum reinen Binnenschiff. Dann wären die Tüv-Anforderungen geringer. Bei Katastrophen wie dem Brand auf dem Fährschiff „Lisco Gloria“ 2010 könnten die Rostocker dann allerdings nicht mehr helfen.

Noch ist die Boots-Rente aber ohnehin nicht absehbar, der Russenstahl ist zäh. Damit sind die Bekämpfung von Schiffsbränden inklusive Übersetzen von Spezialkräften der Berufsfeuerwehr sowie die Suche und Bergung von Vermissten weiter abgesichert.

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