Familientreffen : Die Quistorps sind zurückgekehrt

Gastpredigt aus besonderem Anlass: Cornelia von Quistorp  hat Pastor Tilman Jeremias gestern bei seinem  Gottesdienst in der Marienkirche unterstützt. An dem Ort wurde der berühmte Theologe Johannes Quistorp der Ältere bestattet. Gemälde erinnern an sein Wirken.
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Gastpredigt aus besonderem Anlass: Cornelia von Quistorp hat Pastor Tilman Jeremias gestern bei seinem Gottesdienst in der Marienkirche unterstützt. An dem Ort wurde der berühmte Theologe Johannes Quistorp der Ältere bestattet. Gemälde erinnern an sein Wirken.

Rund 60 Nachfahren des einstigen Rostocker Universitätsrektors und Geistlichen treffen sich in der Hansestadt

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24. März 2014, 08:00 Uhr

„Johannes Quistorp der Ältere war einer der bedeutendsten Theologen an der Universität Rostock. Er hat die Kirche zu ihren eigenen evangelischen Wurzeln zurückgerufen“, sagt Tilman Jeremias von der Rostocker Innenstadtgemeinde. Bei seinem gestrigen Gottesdienst in der Marienkirche empfing der Pastor die Nachfahren des Geistlichen. „Wir hatten an diesem Wochenende ein Familientreffen“, verrät Cornelia von Quistorp. Die Ingenieurin arbeitet ehrenamtlich als Predigerin und hat Pastor Jeremias bei seinem Gottesdienst unterstützt. „Wir schätzen seit jeher die Kombination höherer Bildung und christlichen Glaubens. Die Familiengeschichte der Quistorps ist vielfältig, spannend und traditionsreich“, sagt sie.

Die Quistorps gehören seit vielen Jahrhunderten dem protestantischen Bildungsbürgertum an. Johannes Quistorp der Ältere war Theologieprofessor und Prediger sowie elfmaliger Rektor der Universität Rostock. 1647 starb er und wurde in der Marienkirche bestattet. Heute erinnern zwei Gemälde im Chor-Umgang und im Nordschiff der Kirche an den Theologen. „In unserer Familiengeschichte hat es mehr als 30 Pastoren gegeben“, erzählt Achim von Quistorp. „Mittlerweile gibt es nur noch einen hauptamtlich Geistlichen, aber bestimmt ein Dutzend, die sich ehrenamtlich als Prediger engagieren – so wie Cornelia.“

Achim von Quistorp hat das große Treffen, zu dem etwa 60 Familienmitglieder kamen, organisiert. Zwei Jahre hätten die Planungen gedauert. „Niemand von uns wohnt heute noch in Rostock“, so der Hamburger. „Nach dem Zweiten Weltkrieg sind alle geflohen, die Masse nach Westdeutschland, andere nach Amerika oder Argentinien.“ Und obwohl einige weite Anfahrtswege gehabt hätten, seien sie gerne zurück an den Ort gekommen, wo vor 400 Jahren der erste Quistorp eine Professur annahm. „Familienzusammenhalt spielt bei uns eine große Rolle. Wir reden viel über die Geschichte und was sie für uns bedeutet. Wir denken auch darüber nach, wie die unterschiedlichen Epochen und die Kriege auf unsere Vorfahren gewirkt haben mussten“, sagt er.

Aus den Reihen der Quistorps sind nicht nur Theologen hervorgegangen, sondern auch Kaufleute, Gutsbesitzer, Soldaten und Juristen. Zwei Familienmitglieder gehörten sogar zu den Schillschen Offizieren. Im frühen 19. Jahrhundert kämpften sie gegen die Truppen Napoleons.

„Unsere Familiengeschichte ist bei uns allen sehr präsent. Es wird viel geforscht. Wir sind gerade dabei, wieder ein Archiv aufzubauen. Zweimal gab es das schon, zweimal wurde es zerstört“, sagt Achim von Quistorp.

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