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gesund in rostock : „Die Patienten müssen lernen, alleine zu laufen“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Gespräch mit Fallmanagerin Angela Drossel

Patienten, die stark übergewichtig sind, können manchmal nur durch einen chirurgischen Eingriff ihre Körperfülle reduzieren. Wer eine Operation für sich ins Auge gefasst hat, kann sich bei Case Managerin Angela Drossel melden. Sie hilft Betroffenen, den richtigen Weg zur Abnahme zu finden. Im Interview mit NNN-Autorin Josefine Rosse spricht sie unter anderem darüber, wann die Aussichten gut stehen, dass eine OP von den Krankenkassen bewilligt wird.

Was macht eigentlich eine Case Managerin?

Drossel: Case Manager schauen überall hin – im Sinne der Patienten. Ich zeige ihnen, welche Möglichkeiten das Adipositas-Zentrum bietet, organisiere Termine zu Untersuchungen, verweise aber auch auf die Selbsthilfegruppe. Ich bin also für die Rundumbetreuung da.

Über welchen Weg treten die Patienten mit Ihnen in Kontakt?

Viele haben schon einiges hinter sich: Diäten, Ernährungsberatungen, Bewegungstherapien – dann kommt der Alltag und manchmal auch der Jojo-Effekt. Die Betroffenen sind enttäuscht, dass sie kein Gewicht verlieren und nehmen stattdessen wieder zu. Sie kommen zu uns in die Informationsveranstaltung für adipöse Patienten und lernen das Team des Klinikums kennen. Sie erhalten eine Teilnahmebestätigung, auf der alle Telefonnummern stehen, unter denen sie uns erreichen können. In der Regel klingelt am nächsten Tag mein Telefon.

Wer erfüllt die Kriterien für eine mögliche Operation?

Betroffene mit einem Body Mass Index (BMI) von 35, sofern sie Begleiterkrankungen aufweisen. Bei einem BMI von 40 ist die Antragstellung möglich, ohne dass der Betroffene bereits an einer Begleiterkrankung leidet. Bevor ein Antrag an die Krankenkassen geht, muss der Betroffene nachweisen, dass er mindestens sechs bis zwölf Monate an Ernährungsberatungen und Bewegungstherapien teilgenommen hat. Einige Kassen verlangen auch ein psychologisches Gutachten, um abzusichern, dass keine Suchtveranlagung vorliegt. In der Regel müssen die Patienten zusätzlich ein Motivationsschreiben anfertigen, in dem sie betonen, warum sie eine Operation wollen.

Wie sieht die Quote der Bewilligungen aus?

Wir als zertifiziertes Adipositas-Zentrum wissen natürlich, welche Leitlinien erfüllt sein müssen. Grundsätzlich gilt: Je besser die Antragstellung, umso größer die Wahrscheinlichkeit einer OP-Bewilligung. Schnell mal operieren, geht eben nicht. Und irgendwo muss es auch für die Bewilligung Grenzen geben. Nach Antragstellung begutachtet der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Situation. Nach spätestens acht Wochen haben die Betroffenen eine Antwort.

Und das sind immer Bewilligungen?

Nein, aber ein Großteil. Wenn jemand eine Zusage bekommt, bin ich häufig die Erste, die angerufen wird. Eine Absage soll aber nicht entmutigen. Wir schauen dann, woran es gelegen hat und probieren es noch mal.

Wie geht es nach einer Operation für den Patienten weiter?

Der Patient muss sein Leben umstellen, alte Gewohnheiten ablegen, sein Sättigungsgefühl kennenlernen. Medizinisch wird er von uns weiterbetreut. Im ersten Jahr nach der OP kommt er alle drei Monate, im zweiten im Sechs-Monats-Rhythmus und ab dem dritten Jahr nur noch einmal im Jahr. Die Patienten müssen lernen, alleine zu laufen. Wir sind nur ihre Stützen.

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