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20. November 2017 | 01:39 Uhr

Die Kurzstrecke feiert ihr Comeback

vom

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2012 | 11:52 Uhr

Rostock | Der Druck ist einfach zu groß geworden: Die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) führt das Kurzstreckenticket wieder ein. Und das zu den alten Bedingungen. Kunden können demnach ab dem 1. Mai erneut für 1,40 Euro vier Stationen mit der Straßenbahn, eine Haltestelle mit der S-Bahn und auf bestimmten Linien über die Stadtgrenzen hinaus fahren.

"In meinen 22 Jahren, in denen ich für die Fahrpreise zuständig bin, hab ich so einen Protest noch nicht erlebt", sagt RSAG-Vorstand Jochen Bruhn. Zum Umdenken hätten neben den massiven Beschwerden, unter anderem der NNN-Leser, aber auch die Ergebnisse einer Verkehrserhebung geführt. Diese hatten RSAG und Verkehrsverbund Warnow im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben. Ergebnis: "Wir hatten etwa 250 000 weniger Einzelfahrten", sagt Bruhn. Wirtschaftlich hätte sich die Abschaffung zum Februar vergangenen Jahres aber dennoch gelohnt. Dafür hätten die zusätzlichen Einnahmen bei den normalen Fahrkarten gesorgt.

Schwarze Zahlen nach der Rückkehr

Doch auch nach der Rückkehr zur alten Regelung rechnet Bruhn mit einem positiven wirtschaftlichen Ergebnis: "Im Normalfall müssten wir 200 000 der 250 000 Fahrgäste wieder zurückbekommen." Der Rest habe sich inzwischen auf andere Verkehrsmittel verlegt, beispielsweise aufs Fahrrad. "Wenn man eine Sache falsch eingeschätzt hat, muss man die Entscheidung auch korrigieren", so Bruhn. In Bezug auf das Angebot ist das für ihn eine Premiere: "Ich habe noch nie einen Tarif wieder zurückgedreht." Die hohe Zahl der Betroffenen und die eigene soziale Verantwortung aber hätten die RSAG überzeugt. "Man muss auch sehen, wie man die Bürger vernünftig befördern kann", so Bruhn.

Besonders überrascht sei er gewesen, dass so viele Bewohner der Innenstadt das Kurzstreckenticket benutzt hätten. "Das haben wir so nicht gesehen", sagt der kaufmännische Vorstand. Schließlich sei der ursprüngliche Sinn des Angebots gewesen, die Zonen innerhalb Rostocks bequemer und kostengünstiger zu überbrücken. Aufpreise bei längeren Fahrten innerhalb des Stadtgebiets sollten vermieden werden. 2003 waren diese Zonen allerdings abgeschafft worden.

Ausgleich fällt weg

"Unsere Befragung hat ergeben, dass 80 Prozent der Kunden das Kurzstreckenticket nur in Rostock benutzt haben", sagt Marlies Glatz, die beim Verkehrsverbund Warnow den Bereich Tarife und Vertrieb leitet. Die anderen 20 Prozent hätten das Angebot für Anschlussfahrten oder Fahrten in die Region genutzt. Um nach dem Wegfall der Kurzstrecke zu vermeiden, dass Kunden, die nur zu den großen Einkaufszentren am Stadtrand wollten, wegen des Zonenwechsels einen Aufschlag bezahlen mussten, sei als Alternative das Center-Ticket eingeführt worden. Das fällt nun weg. Genau wie das Mobil60-Ticket für Senioren sei es hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

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