Illustrade : Die Kunst, zu reflektieren

Beim Illustrator: Philipp Andersson hat Goldschmied gelernt und Produktdesign studiert. Er wohnt mit seiner Partnerin, zwei Kindern und Katze Trixie in Rostock – hinter ihm, Bücher, die er illustriert hat. 40 bis 50 sind es mittlerweile. Drei Buchverlage sind für ihn regelmäßige Auftraggeber.
Beim Illustrator: Philipp Andersson hat Goldschmied gelernt und Produktdesign studiert. Er wohnt mit seiner Partnerin, zwei Kindern und Katze Trixie in Rostock – hinter ihm, Bücher, die er illustriert hat. 40 bis 50 sind es mittlerweile. Drei Buchverlage sind für ihn regelmäßige Auftraggeber.

Philipp Andersson gibt Büchern ihr Gesicht. Der Gestalter stellt seine Arbeiten bei MVs erstem Festival für Illustration im September vor

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23. August 2015, 08:00 Uhr

„Der Umschlag eines Buches hat eine große Bedeutung, eine größere vielleicht, als er haben sollte“, sagt Philipp Andersson – vor ihm Stapel von Büchern, die er gestaltet hat. „Aber für literarische Neulinge ist der Umschlag die einzige Werbefläche, die sie erhalten in ihrer Laufbahn.“ Der 35-jährige Schwede, der in Rostock lebt, ist Illustrator. Buchdeckel sind sein Geschäft, seine Leinwand – wie es Zeitschriftenseiten, Plakate oder sogar Verpackungen für andere Illustratoren sind. Deren vielfältigen Arbeiten, im Grenzbereich zwischen Angewandtem und Kunst, sollen eine Plattform bekommen – bei der Illustrade in Rostock.

Das Festival für MV findet vom 10. bis 13. September an 14 Orten der Stadt statt – wie dem Artquarium, der Frieda 23. Träger ist der Kunstverein, organisiert haben das Festival aber zehn Kreative aus verschiedenen Bereichen. Mathias Beier, Leiter der Designakademie, findet, wie viele Mitstreiter auch, Illustration zu unterrepräsentiert, zu wertvoll, um sie nicht in den Fokus zu rücken. Dabei sollen auch die Besucher sich beteiligen können, an vielen Orten selbst etwas probieren. Das Kröpeliner Tor ist den Künstlern vorbehalten. Neben 19 weiteren stellt Andersson dort seine Arbeiten aus und in den Wettbewerb. Als Kunst bezeichnet der 35-Jährige Illustration nicht per se. Gerade nach Auftragsarbeiten sieht er sie eher als intellektuelles Handwerk. Wer seine Werke sieht, ahnt, was er meint. Bei John Banvilles „Im Lichte der Vergangenheit“ lässt Andersson ein filigranes Schattenpaar in Tinte und Aquarell tanzen, „Das zweite Maschinenzeitalter“ ist am Rechner gesetzt – ein Schaltplan, aber auf Aquarelluntergrund. So unterschiedlich wie die Bücher sind auch seine grafischen Arbeiten in Farbwahl, Stil, Entstehungsweise. Kein Zufall: „Ich versuche, der literarischen Vielfalt gerecht zu werden, indem ich auch stilistisch in der Zeit reise, je nachdem, wo sich das literarische Thema ansiedelt.“

Die Auftragslage könnte immer besser sein. Als Illustrator „macht man sich nicht nur künstlerisch verletzlich, sondern auch ökonomisch“, sagt Andersson. So gehöre auch eine Portion Idealismus dazu. Sein Antrieb käme aus dem inneren Wunsch, sich durch seine Arbeit zu artikulieren.

Im Internet: www.philippandersson.com

www.illustrade-festival.com

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