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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. September 2017 | 01:01 Uhr

Wallanlagen Rostock : Die Heubastion putzt sich heraus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

RGS saniert für 1,75 Millionen ersten Abschnitt der Wallanlagen. Planer: Keine weiteren Baumfällungen. Die Dreiwallbastion muss warten. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Lose Pflastersteine, baufällige Treppen, kranke Bäume und vor allem die unschöne Fernwärmeleitung verschwinden bald aus den Rostocker Wallanlagen. Denn nach zweijähriger Planungsphase steht der Startschuss zur Sanierung endlich fest: Im April sollen die Arbeiten an der Heubastion beginnen, so Wastra-Plan-Projektleiter Dirk Flocke auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Stadtmitte. Größter Wermutstropfen dabei: Die Dreiwallbastion muss noch auf ihre Generalüberholung warten. „Die Sanierung wurde aus finanziellen Gründen – hoffentlich nur – verschoben“, sagte Flocke.

Ursprünglich sollten beide Teile der Wallanlagen vom Rosengarten bis zum Kröpeliner Tor für 4,2 Millionen Euro runderneuert werden. So sahen es die Pläne der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung und Stadtentwicklung (RGS) vor. Da die benötigten Mittel jedoch nicht in Gänze bereitstehen, fiel die Entscheidung zugunsten der Heubastion.

Ausschlaggebend sei vor allem der miserable Zustand der bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Flakstellung dienenden Anlagen. Die seien einsturzgefährdet, informiert die RGS. Auch die Treppenanlage und die angrenzende Mauer weisen erhebliche Schäden auf. „Die werden abgebrochen. Anschließend soll aber die ursprüngliche Kubatur wieder hergestellt werden“, so Projektleiter Flocke. Die Anlage soll mittels einer Rampe barrierefrei werden, die oberirdisch verlaufende Fernwärmeleitung unter die Böschung verlegt werden. Der Großteil der Kosten in Höhe von etwa 1,75 Millionen Euro kommt zu 1,4 Millionen aus Städtebaufördermitteln von Bund und Land, der Rest aus Eigenanteilen der Stadt. Im Vorfeld der Sanierung hatten vor allem Naturschützer die Pläne kritisiert und mit mehr als 2000 Unterschriften dagegen gehalten: Zu viele Baumfällungen, zu wenig Artenschutz. Doch der Planer gibt Entwarnung: „Es werden keine weiteren Bäume gefällt und das Fledermauswinterquartier wird an anderer Stelle wieder hergerichtet.“ Bereits im vergangenen Frühjahr mussten 49 Bäume, darunter überwiegend Ahorn-Arten, weichen. Die will die RGS teilweise wieder errichten, obwohl Eingriffe in die denkmalgeschützte Anlage grundsätzlich ausgleichsfrei seien. Außerdem sollen Sträucher und Büsche gepflanzt werden sowie Bänke zum Verweilen einladen. „Ziel ist es, die Maßnahme noch in diesem Jahr abzuschließen“, sagt Projektleiter Flocke. Während der Arbeiten werde der Unterwallweg durchgängig, der Oberwallweg zeitweilig gesperrt.

Kommentar: Neu ist nicht immer besser
Es wird gebaut, es wird saniert, abgerissen und aufgeschüttet. Zugegeben, besonders schön ist die alte Fernwärmeleitung nicht und auch die  Treppen nicht mehr in Bestzustand, geschweige denn barrierefrei. Doch bei allem Sanierungseifer mahne ich zur Vorsicht, denn: Neu ist nicht immer besser. Gerade bei historischen Anlagen sollte unbedingt der nostalgische Charme im Vordergrund stehen und erhalten bleiben und nicht die moderne Bequemlichkeit. Hoffen wir also, dass Denkmalpfleger und Projektplaner das genauso sehen und die „Teufelskuhle“, die alten Verteidigungsanlagen nicht allzu unkenntlich machen, denn sonst würden unsere liebsamen Wallanlagen am Ende nur noch ein Park wie jeder andere.

 

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