Traditionssegler : „Die Hanse Sail ist nichts alleine“

Großsegler wie die „Krusenstern“ sind echte Hingucker. Auch sie achten aber auf den internationalen Sail-Kalender.
Großsegler wie die „Krusenstern“ sind echte Hingucker. Auch sie achten aber auf den internationalen Sail-Kalender.

Rostocks Organisatoren treffen sich zur Strategiebesprechung mit Partnern aus dem Ostseeraum.

svz.de von
06. Dezember 2013, 12:00 Uhr

Gemeinsam mit Partnern aus der ganzen Ostseeregion will die Hanse Sail ihre Attraktivität weiter steigern und die maritime Tradition am Leben erhalten. Deshalb haben die Rostocker schon 1996 zusammen mit Karlskrona, Gdansk und Helsingør den Verbund Baltic Sail gegründet. Mittlerweile ist die Mitgliederzahl gestiegen, auch dank des Beitritts maritimer Museen wie dem Schifffahrtsmuseum im IGA-Park. Gestern trafen sich die Vertreter auf der „Artemis“ im Stadthafen, um an der gemeinsamen Strategie zu feilen.

„Die Hanse Sail ist nichts alleine“, sagt Holger Bellgardt, Kopf des Organisationsteams. Nur dank anderer Großveranstaltungen wie dem Sea Festival in Klaipeda, dem Haikutter-Festival Nysted oder den Sails in Gdansk, Karlskrona und Sassnitz sei es überhaupt möglich, die vielen Traditionssegler von einer Teilnahme auch in Rostock zu überzeugen. „Wenn es viele Veranstaltungen gibt, die zeitlich günstig gelegen sind, können die Schiffe längere Törns planen“, sagt Holger Bellgardt. Das sei für sie attraktiver, als nur einen Ostsee-Hafen anzusteuern. Außerdem helfen die Verbund-Mitglieder sich gegenseitig dabei, Kontakt zu den imposanten Seglern aufzunehmen, die für einen Besuch gewonnen werden sollen.

Doch die Partner wollen ihre Zusammenarbeit künftig noch vertiefen und ausweiten. Dabei steht zum einen die Werbung für die Festivals und Einrichtungen der jeweils anderen Städte im Mittelpunkt, zum anderen aber auch die generelle Pflege des maritimen Handwerks. „Es ist schwierig, dieses Wissen zu erhalten“, sagt Richard Bauer vom Marinemuseum Karlskrona. Jeder für sich alleine könne das nicht mehr leisten, bestätigt auch Karsten Seidel von der Beratungsagentur Ikerconsulting aus Bremen. Dabei gehe es beispielsweise darum, wie ein Segel richtig hergestellt wird oder welches Holz verwendet werden darf. „Das Risiko besteht, dass dieses Wissen verloren geht“, so Karsten Seidel. Schuld daran sei auch, dass es kaum noch Handwerksbetriebe gebe, die sich aktiv damit befassen. Daher seien neue Ansätze nötig, beispielweise internationale Austauschprojekte für Lehrlinge. Ein Baske könne in Polen die benötigten Künste lernen und ein Rostocker in Irland. „Es muss um mehr gehen, als bloß ein Schiff hinzulegen“, sagt auch Holger Bellgardt. Vorbild sei etwa Karlskrona, wo sich rund um das Museum viele Arbeitsstätten angesiedelt hätten.

Um noch mehr Schlagkraft zu erhalten, wollen die Baltic-Sail-Partner weiter expandieren. Sie wünschen sich neben dem litauischen Klaipeda vor allem weitere Mitglieder aus den baltischen Ländern und Finnland. Außerdem wollen sie auf Dauer mindestens ein finanzstarkes Wirtschaftsunternehmen ins Boot holen. „Sehr langfristig schwebt uns eine Stiftung vor“, sagt der Hanse-Sail-Chef. Das sei derzeit aber noch Zukunftsmusik. Bislang ist die Baltic Sail beispielsweise auf finanzielle Unterstützung durch die Europäische Union angewiesen.

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