Gesund in rostock : „Die Handchirurgie wird unterschätzt“

Dr. Robert Jäckel
Dr. Robert Jäckel

Gespräch mit Chefarzt Dr. Robert Jäckel

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20. August 2015, 15:30 Uhr

Seit 2010 gibt es am Klinikum Südstadt die Abteilung für Handchirurgie. Dort arbeiten erfahrene Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie. Einer von ihnen ist Dr. Robert Jäckel. Als Chefarzt des Bereiches erzählte er NNN-Autorin Josefine Rosse im Interview, was seinen Beruf zu einer Berufung macht.


Am Klinikum Südstadt ist die Handchirurgie ein sehr junges Fach. Warum?
Jäckel: Die Handchirurgie wird immer unterschätzt. Daher gibt es auch nicht viele Ärzte, die sich auf dem Gebiet spezialisiert haben. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es gerade einmal um die 20 Handchirurgen. Dabei ist die Hand ein komplexes System, das eine wichtige Verbindung unseres Gehirns zur Umwelt darstellt. Wenn diese Verbindung gestört ist, erschwert dies den Lebensalltag. Jeder sollte mal versuchen, sich ohne Daumen die Schuhe zuzubinden.
Wie viele Ärzte arbeiten am Klinikum Südstadt in der Handchirurgie?
Obwohl wir eine sehr kleine Abteilung mit gerade einmal drei Ärzten sind, gewährleisten wir eine 24-Stunden-Rufbereitschaft. Wir sind also immer da, wenn wir gebraucht werden.
Sie haben die Bedeutung der Hand im Alltag betont. Welche Möglichkeiten zum Erhalt des Organs gibt es am Klinikum?
Eine Besonderheit der Handchirurgie ist die Möglichkeit zur Mikrochirurgie unter Verwendung eines Mikroskopes. Damit können zum Beispiel Nerven und Gefäße unter einem Millimeter Durchmesser genäht werden. Dazu verwenden wir Fäden, die dünner sind als ein Haar und es bedarf jeder Menge Feingefühl. Das ermöglicht es uns, selbst stark zerstörte Hände zu retten oder Anteile zu replantieren. Unter Umständen können wir Gewebe wie Knochen, Nerven oder Gefäße oder ganzen Funktionseinheiten verpflanzen So kann zum Beispiel eine Zehe zum Daumen werden. Die OP-Methoden haben sich in den vergangenen 25 Jahren weiterentwickelt. Damals mussten zum Beispiel Handgelenke aufgrund von Verschleiß oft noch versteift werden. Das ist heute nicht mehr der Fall. Die Moderne geht eben auch an uns nicht vorbei.
Welche Erkrankungen sehen Sie in Ihrer täglichen Arbeit?
Wir sehen alle Schweregrade von Verletzungen und Verletzungsfolgen, Verschleißerscheinungen, Tumoren, chronische Schmerzpatienten und Funktionsstörungen.

Welche Besonderheiten sind Ihnen in den vergangenen fünf Jahren begegnet?
Der Postbote, der den Brief durch den Schlitz schob und von einem dahinter wartenden Hund gebissen wurde, oder die Fraktur bei einer älteren Dame, die zwischen zwei langsam fahrenden Autos noch schnell hindurch wollte und über das Abschleppseil stolperte.

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