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Rostocker Geschichte : Die grüne Oase für jedermann – seit 90 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Der Kleingartenverband feiert Jubiläum – und blickt dabei auf viele Details aus der bewegten Geschichte zurück.

von
erstellt am 16.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Als es losging, hießen die Parzellen noch ganz offiziell Schrebergarten. Und die ersten Mitglieder nahmen sich gleich viel vor: eine dreitägige Obst- und Gemüseschau, auch einen großen Ernteumzug mit geschmückten Wagen. Heute vor genau 90 Jahren gründete sich der Stadtverband der Rostocker Kleingärtner. Eine Anzeige in der fünften Ausgabe der Verbandszeitschrift „Der Kleingärtner“ machte die Gründung offiziell und informierte über den ersten Vorstand, an dessen Spitze der Studienrat Fritz Niemeyer stand.

Alois Bönsch ist Chronist des Verbands der Gartenfreunde, wie die Vereinigung heute heißt, und kennt sich aus mit den Details aus 90 Jahen Kleingartenwesen in der Hansestadt. „Gärten hatten immer auch eine soziale Bedeutung“, sagt er. Schon im Ersten Weltkrieg, also vor der offiziellen Verbandsgründung, gab es einige wenige Anlagen wie Dwarsweg, Pferdewiese oder Mooskuhle, die zur Ernährung der Bevölkerung beitrugen – wenn auch nicht maßgeblich. „Während des Zweiten Weltkriegs dann lastete die Versorgung der Bevölkerung und der Lazarette überwiegend auf den Schultern der Kleingärtnerinnen“, sagt Bönsch. Zwichen 1945 und 49 seien die Kleingärten sogar überlebenswichtig gewesen. 66 Anlagen hätten bis zu 12 000 Familien versorgt.

In der DDR bildeten besonders ab 1971 die Kleingärten einen stetig wachsenden Wirtschaftsfaktor, so Bönsch. Von 1960 bis 1989 wurden 8300 Parzellen neu angelegt. „Da der Garten in jenen Jahren für viele Bürger sozusagen die , Ausreise ins Grüne’ war, konnte die Nachfrage dennoch nicht befriedigt werden“, erzählt Chronist Bönsch. 1990 lagen immer noch 7200 Anmeldungen für einen Garten vor.

Heute sind im Verband 152 Kleingartenvereine mit 15 700 Parzellen zusammengeschlossen. Auf mehr als 650 Hektar Kleingartenland pflegen und bewirtschaften die Gartenfreunde öffentliches Grün der Hansestadt. Und da geht es längst nicht mehr nur ums Gärtnern. Kleingärten sind auch eine Begegnungsstätte von Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religionen geworden, so der Verband, es gibt Seniorengärten sowie die Jugendarbeit mit verschiedenen Projekten und neuerdings auch Schulgärten. Auch bundesweit sind Rostocker Laubenpieper erfolgreich: Sechs Silbermedaillen holten sie beim Wettbewerb Garten im Städtebau, der Deutschen Meisterschaft der Kleingärtner“, in die Hansestadt.

Ihren 90. Gründungstag, der genau heute ansteht, wollen die Kleingärtner allerdings erst im Herbst nachfeiern – beim Delegiertentag am 10. Oktober.

 

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