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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 03:49 Uhr

Projekt : Die Gedanken anders ordnen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Friedas Atelier verbindet Kreative mit besonderem Betreuungsbedarf. Zehn Teilnehmer werden pro Jahr ausgewählt.

svz.de von
erstellt am 29.Dez.2015 | 18:32 Uhr

Konzentriert blickt Mandy Schubert auf ihr Bild. Sie skizziert einen Baum. Zunächst entstehen die Verbindungen zu den Zweigen und Ästen, dann die dunklen Farbschattierungen. Seit einigen Wochen kommt die 40-Jährige in Friedas Atelier. Dieses neue Projekt der Kunstschule Rostock, der Behinderten-Alternative-Freizeit AG (Baf) und der Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik Rostock ermöglicht es zehn Stipendiaten, das Atelier in der Kunstschule Rostock zu nutzen.

Schubert ist eine von ihnen. Erst seit wenigen Wochen kommt sie in das Atelier. Langfristig sollen hier Künstler mit und ohne Beeinträchtigung zusammen arbeiten können. Jeden Mittwoch treffen sich die Stipendiaten im Atelier. „Wir möchten die künstlerische Begabung von Menschen mit Behinderung unabhängig von therapeutisch motivierten Maßnahmen fördern“, beschreibt Annette Winter, Leiterin der Rostocker Kunstschule, den inklusiven Ansatz.

Bei einem Spieletreff habe sie von dem Projekt gehört, erzählt Schubert. Sie bewarb sich schnell, denn ihre Motivation, sich künstlerisch auszudrücken, ist hoch. Besonders gern male sie landschaftliche Aquarelle. „Ich freute mich sehr, als die Zusage kam“, erinnert sich die Stipendiatin. Denn der Platz im Atelier bedeutet für Schubert viel mehr als nur kreatives Arbeiten. „Die Anwesenheit der verschiedenen Charaktere ist interessant“, findet sie. Zunächst hätten sie sich untereinander beschnuppert, doch schnell war das Eis gebrochen.

Ein weiterer heilsamer Aspekt ist die Regelmäßigkeit der Besuche in der Werkstatt. „Menschen mit psychischen Erkrankungen haben Probleme, ihren Alltag selbst zu gestalten“, sagt die Rostocker Ergotherapeutin Anke Carnein. Ihre Erfahrung zeige, dass sich Patienten mit Farben besser ausdrücken können als mit Worten. „Mit Stift und Papier, beim Schnitzen oder Tuschen kann sichtbar werden, was mit Worten nicht vermitteln werden kann“, erklärt sie. Schubert erzählt, dass ihr die Arbeit im Atelier außerdem helfe, sich abzulenken. „Ich kann meine Gedanken anders ordnen“, erklärt sie. Am Ende des Jahres sollen eine gemeinsame Ausstellung und ein Katalog entstehen. „Die Präsentation der Werke verschafft den Künstlern Vertrauen in ihre kreativen Fähigkeiten“, so Winter. Sie hofft, dass das Projekt fortgesetzt werden kann. Dazu würden weitere Sponsoren beitragen. „Die Stipendien werden durch Patenschaften, öffentliche Mittel und Spenden finanziert“, erklärt sie.

Für Mandy Schubert ist das Projekt jetzt schon ein Erfolg, sagt sie, während sie mit feinen Strichen ihren Baum fertigstellt.

Bewerbung per E-Mail an kontakt@kunstschule-rostock.de






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