Kiellegung : Die erste Schweißnaht sitzt

Die erste Schweißnaht sitzt: Vor Schiffbauer Bernd Wolff  liegt jetzt viel Arbeit. Fotos: Dana Bethkenhagen
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Die erste Schweißnaht sitzt: Vor Schiffbauer Bernd Wolff liegt jetzt viel Arbeit. Fotos: Dana Bethkenhagen

Seenotretter lassen nach der Wende erstmalig ein Boot in MV bauen

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06. März 2014, 11:00 Uhr

Die Rostocker Werft Tamsen Maritim in Gehlsdorf feiert Premiere: Zum allerersten Mal wurde sie von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mit einem Neubau beauftragt. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist es das erste Seenotrettungsschiff, das in Mecklenburg-Vorpommern gebaut wird. Gestern wurde die Kiellegung gefeiert.

In knapp 15 Monaten soll aus dünnen Aluminiumplatten und speziell angefertigten Teilen ein 10,1 Meter langes und 3,6 Meter breites Schiff entstehen, das nicht nur besonders wendig, sondern auch schnell ist. Ein 380 PS starker Motor soll für Maximalgeschwindigkeiten von 18 Knoten sorgen. Damit die späteren Besatzungsmitglieder auch bei den höchsten Wellen immer wieder heil an Land zurückkehren, wurde zur Kiellegung an einer alten Tradition festgehalten: Die neunjährige Hanna Weißrodt legte die Silber-Jubiläumsmedaille der DGzRS in die Kieltasche am Achterschott 3 und ließ sie von Schiffbauer Bernd Wolff durch eine Schweißnaht verschließen.

Für Wolff und seine Kollegen beginnt die Arbeit nach der Kiellegung jetzt erst richtig. Bis Mai 2015 soll das Seenotrettungsboot fertiggestellt sein. Die große Herausforderung besteht für den erfahrenen Schiffbauer vor allem darin, mit den dünnen Materialien umzugehen. „Die Aluminiumplatten sind teilweise nur vier Millimeter dick“, sagt Wolff, der seit Anfang der 1970er-Jahre Werftarbeiter ist. Zudem gelte die Faustregel: Je kleiner ein Schiff, desto komplizierter ist es zu bauen. Für das Seenotrettungsboot kommen außerdem einige Spezialteile zum Einsatz.

Wo das neue Boot der DGzRS ab 2015 in den Einsatz geht, ist noch unklar. Sicher ist allerdings, dass es ausschließlich von Freiwilligen gefahren wird. „Selbst bei Windstärke 8, 9 oder gar 10 fahren die ehrenamtlichen Mitarbeiter auf das offene Meer hinaus, um Menschen in Notlagen zu helfen“, sagt Gerhard Harder, Vorsitzer des Seenotrettungswerks. Das verdiene Respekt und Anerkennung, die mit dem Schiffbau zum Ausdruck gebracht werden soll. Was der Neubau kostet, sei der DGzRS zufolge momentan noch nicht abzuschätzen – sicher aber mehr als eine Million Euro.

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