Für den Frieden : Die Erinnerung bleibt lebendig

Ruhet in Frieden: Ulrike Jahnel (CDU) von der Christusgemeinde legt eine Gedenkminute ein.
Ruhet in Frieden: Ulrike Jahnel (CDU) von der Christusgemeinde legt eine Gedenkminute ein.

Volkstrauertag auf dem Neuen Friedhof: Rostocker gedenken den Opfern des Ersten und Zweiten Weltkrieges

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16. November 2014, 20:30 Uhr

Der 16. August 1943 hat Hans Hasselfelds Leben für immer verändert: „An diesem Tag erhielten wir die Nachricht, dass mein Vater in Stalingrad gefallen ist. Er wurde durch einen Granatsplitter an der Schläfe getötet.“ Damals war Hasselfeld gerade einmal drei Jahre alt. „Das ist sehr lange her und auch wenn ich meinen Vater nie richtig kennengelernt habe, bewegt es mich immer wieder, wenn ich an ihn denke“, sagt er.

Um die Erinnerung lebendig zu halten, gehen er und seine Frau jedes Jahr zum Volkstrauertag auf den Neuen Friedhof. So auch gestern. Die Hansestadt Rostock hatte eine zentrale Gedenkveranstaltung organisiert, um den Kriegstoten und den Opfern von Gewaltherrschaften Ehre zu erweisen. „Heute bekennen wir uns zum Wert des Lebens“, sagt Bürgerschaftspräsident Dr. Wolfgang Nitzsche (Linke).

Der Volkstrauertag wurde durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Die erste offizielle Feierstunde fand 1922 im Deutschen Reichstag in Berlin statt. „Der Erste und Zweite Weltkrieg haben mehr als 120 Millionen Kriegsopfer gefordert. Menschen kamen ums Leben, weil sie Widerstand leisteten, weil sie aus Überzeugung für ihr Vaterland kämpften. Sie waren Opfer politischer Verfolgung und wurden getötet, weil sie einer anderen Rasse angehörten“, so Nitzsche. „Wir sollten uns jeden Tag mahnen und uns daran erinnern“, fügt er hinzu. Der Volkstrauertag ist im Laufe der Jahrzehnte zu einem Tag der Mahnung zu Versöhnung und Verständigung geworden. Er wird immer am vorletzten Sonntag im Kirchenjahr begangen – im Sinne des Friedens. „Kein Krieg ist heilig. Gewalt bringt immer neue Gewalt mit sich. Ich wünsche mir eine Zukunft, in der keine Soldaten mehr gebraucht werden“, so Nitzsche. Und genau die wünscht sich Hans Hasselfeld auch. Die Liebe zu seinem Vater wird er immer im Herzen tragen: „1987 hatte ich die Möglichkeit, seine Grabstätte zu besuchen. Auch die letzten beiden Briefe, die er noch im Juli 1943 an meine Mutter schrieb, bedeuten mir sehr viel.“

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