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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. Dezember 2017 | 22:37 Uhr

Die "Büchner" wird verschrottet

vom

svz.de von
erstellt am 11.Dez.2012 | 08:42 Uhr

Stadtmitte | Ein Pracht-Theater, das Traditionsschiff, der Schwimmkran "Langer Heinrich" - Pläne für eine Belebung des Stadthafens gab es viele. Nun droht das Kontrastprogramm: öde Kaikanten-Leere abseits der Hanse Sail. Gestern kündigte der Förderverein Traditionsschiff an, die "Georg Büchner" am Monatsende aufgeben zu wollen. "Wir haben das Schiff auf dem internationalen Markt angeboten", sagt Geschäftsführer Klaus Janßen. Zuvor hatte die Bürgerschaft auf das Vorkaufsrecht der Stadt verzichtet, das bei der Übertragung vor zehn Jahren an den Verein vereinbart worden war.

Laut Hafenkapitän Gisbert Ruhnke ist bereits ein Käufer für das technische Denkmal gefunden. "Das Schiff kommt nach Klaipeda und wird verschrottet", sagt er. Die dafür nötigen Formalitäten und Genehmigungen habe er schon eingeholt. Unter anderem muss der Käufer nachweisen, dass der Erhalt aus wirtschaftlicher Sicht nicht zumutbar ist. Das macht das Denkmalschutzgesetz zur Bedingung. "So wie es jetzt aussieht, geht es in der ersten oder zweiten Januarwoche raus", so Ruhnke. Das Geld aus dem Verkauf soll für den Aufbau einer neuen Jugendherberge an Land eingesetzt werden.

Dass die Einnahmen des Betreibervereins für die bevorstehenden großen Reparaturen nicht ausreichen, sei bereits länger bekannt. Rost, der abgelaufene TÜV für den 15 Jahre alten Heizkessel und hohe Betriebskosten machten Janßen und seinen elf Vereinsmitgliedern schwer zu schaffen. Sie dürfen das Jugendgästeschiff wie schon im vergangenen Winter nicht beheizen, was aber ohnehin höchst unwirtschaftlich wäre. Denn die Anlage funktioniert mit warmer Luft, nicht Wasser, und kann für das gesamte Schiff nur ganz an- oder abgestellt werden. Hinzu kommen neue Vorschriften durch die geänderte Beherbergungsordnung, die unter anderem den Brandschutz betreffen. Der Geschäftsführer rechnet mit mindestens fünf Millionen Euro, die in das Schiff gesteckt werden müssten. "Und das ist noch tief gestapelt." Allein für eine neue Heizungsanlage würden rund 380 000 Euro fällig.

Außerdem leidet die Vereinskasse unter weggebrochenen Mieteinnahmen. Noch im vergangenen Jahr waren neben der Jugendherberge mehrere Bildungsträger an Bord. Insgesamt belegten sie 2500 Quadratmeter. Doch diese Nutzung sei immer weiter geschrumpft. "Der Markt ist zusammengebrochen - auch die Häuser an Land stehen halb leer", so Janßen. Mit dieser Ausgangssituation habe die "Büchner" kaum Chancen auf neue Mieter. Unter anderem fehle der behindertengerechte Zugang und auch die Beleuchtung sei nur unter hohem Aufwand zu gewährleisten. Nach der Absage städtischer Hilfe bleibe dem Verein keine andere Wahl als der Verkauf. "Wir wollen nicht aufhören, müssen es aber", so Janßen.

Ein möglicher Schiffs-Abnehmer sei Antwerpen gewesen. Im ehemaligen Heimathafen der "Georg Büchner" entsteht gerade ein neues Schifffahrtsmuseum. Doch dessen Vertreter hatten vereinbarte Besichtigungstermine mehrfach verstreichen lassen.

Tropendampfer stand mehrfach vor dem Aus

Die „Georg Büchner“ sollte mehrfach verschrottet werden. Zuletzt 1999, vor der IGA. Der Förderverein Traditionsschiff verhinderte das, holte das Schiff in den Stadthafen und nutzte es als Jugendherberge. Nach seinem Stapellauf 1951 hingegen fuhr die damalige „Charlesville“ als Fracht- und Passagierschiff zwischen Antwerpen und Belgisch-Kongo. 1967 kaufte die Deutsche Seereederei das Schiff und taufte es auf seinen heutigen Namen um. Sie setzte es auf der Route nach Kuba und Mexiko ein, später diente es der Ausbildung.

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