Leichtathletik : Die Beinlich-Zwillinge zieht es in die USA

Kira Beinlich (Mitte/seit heute 14) wird ihre beiden großen Schwestern vermissen, wenn sie Ende August in die USA umsiedeln: „Für die beiden ist das natürlich eine große Chance, weiterzukommen, aber zu Hause wird das sooo leer. Als ich das anfangs gehört habe, war ich schon etwas traurig. Aber für sie ist es das Beste. Ich drücke voll die Daumen, dass das alles klappt.“
Foto:
Kira Beinlich (Mitte/seit heute 14) wird ihre beiden großen Schwestern vermissen, wenn sie Ende August in die USA umsiedeln: „Für die beiden ist das natürlich eine große Chance, weiterzukommen, aber zu Hause wird das sooo leer. Als ich das anfangs gehört habe, war ich schon etwas traurig. Aber für sie ist es das Beste. Ich drücke voll die Daumen, dass das alles klappt.“

Die Hürdensprinterinnen vom 1. LAV Rostock erhalten ein Stipendium an der University of Nevada in Reno. Vorher stehen jedoch noch die Deutschen Meisterschaften an.

svz.de von
04. Juni 2016, 16:00 Uhr

Die mündliche Prüfung in Sozialkunde steht Nancy und Nora Beinlich, Schülerinnen der Sportlerklasse 13a1 am Christophorus-Gymnasium, am 16. Juni zwar noch bevor, das Abitur haben sie aber beide schon bestanden, die nötigen Punkte sind erreicht.

Im Anschluss an die Schule werden die Hürdensprint-Zwillinge vom 1. LAV Rostock in den USA studieren und trainieren: Ende August beginnt ihr neuer Lebensabschnitt.

Aufmerksam geworden auf die Möglichkeit, ein Stipendium in Amerika zu bekommen, sind die 19-Jährigen
u. a. durch ihre Vereinskameraden Alexander Haß, Erik Eckleben und Louis Simon, die den gleichen Weg gingen. Und Vater Stefan gab den Ausschlag: „Wir waren anfangs gar nicht so überzeugt, aber er hat uns darin bestärkt und uns geraten, wir sollen das unbedingt machen.“

Also bewarben sich die vier Minuten eher geborene Nancy und Nora bei einer Agentur. Diese vermittelte sie auf der Basis ihrer sportlichen Leistungen sowie eigens erstellter persönlicher Profile.

Die Beinlichs bekamen 28 (!) Angebote verschiedener US-Unis, von denen sie acht kontakteten.

Ihre Wahl trafen die Zwillinge letztlich aus dem Bauch heraus: „Wir wollten schon in die 1. Liga (es gibt eine Division One und eine Division Two), sind außerdem danach gegangen, ob das dortige Team zu uns passen würde, und der Coach spielte eine entscheidende Rolle. Wir haben mit ihm geskypt: Scott Williamson ist total sympathisch und hat sich sehr für uns engagiert“, berichten die beiden, die beim 1. LAV von Peter Schörling trainiert werden, wie es zur Entscheidung für die University of Nevada
in Reno (westliche USA) kam.

„Vorher mussten wir auch zwei Sprachtests machen. Das Amerikanische ist komplett anders als unser Schul-Englisch. Da haben sich ganz schöne Lücken gezeigt“, erzählt Nancy. „Gerade deshalb, wegen der Sprache“, ergänzt Nora, „wollen wir auch nicht zusammen auf ein Zimmer, damit wir mehr den Kontakt zu den anderen haben.“

Die Rostockerinnen werden in Reno Management
studieren, was normalerweise vier Jahre bis zum Bachelor-Abschluss dauert. „Wir haben aber erst mal nur ein Jahr ins Auge gefasst, da ist das alles noch allgemein gehalten und noch nicht so speziell“, informieren die 1,67 Meter großen Hürden-Spezialistinnen.

„Wir werden auf dem Campus untergebracht sein. Dort gibt es kleine Wohnungen ebenso wie Häuser, Möglichkeiten bis hin zur Achter-WG. Und die Einrichtung ist eine Nike-Universität. Das heißt, wir werden komplett mit Sachen dieses Sportartikel-
Herstellers ausgerüstet.“ Was wiederum das mitzuführende Gepäck erheblich erleichtern dürfte.

Wobei sich Nancy und Nora über das genaue Prozedere
ihres Umzugs in die Staaten noch keine allzu konkreten Gedanken machen, denn sie haben nicht nur schulisch, sondern insbesondere auch sportlich erst mal noch volles Programm. Das geht schon an diesem Wochenende los: Landesmeisterschaften in Neubrandenburg. Zwar befinden sie sich im zweiten Jahr der
U 20, starten jedoch in der Frauen-Konkurrenz. „Ich habe mir vorgenommen, auf jeden Fall Bestzeit zu laufen“, verrät Nora, dass sie die 400 Meter über die zehn 76,2
Zentimeter hohen Hürden schneller als in 60,96 Sekunden rennen will. Die Anzahl der Hindernisse über 100 Meter ist die gleiche, deren Höhe beträgt allerdings 84,0 cm. Nancy, die auf der kürzeren Distanz startet, hält sich, weil sie vorige Saison mit zweimal Angina lange ausfiel, etwas zurück: „Es ist schwer, wieder ranzukommen. Aber es läuft ganz gut. Ich hoffe, mich einer 14,0 zu nähern.“ Ihre Bestzeit von 13,79 stammt von 2014, dem Jahr, in dem sie Deutsche U18-Meisterin wurde.

Die großen Saisonhöhepunkte der beiden sind die Junioren-Gala in Mannheim am 25./26. Juni, bei der es um die Tickets für die U20-WM im Juli im polnischen Bydgoszcz geht, und insbesondere die Deutschen Meisterschaften ihrer Altersklasse vom 29. bis 31. Juli in Mönchengladbach, wo sie zunächst erst mal das Finale erreichen wollen.

Bei den MV-Landestitelkämpfen (18./19. Juni) und den Norddeutschen Meisterschaften jeweils der U 20 (16./17. Juli) sind Nancy und Nora Beinlich noch zwei-
mal im heimischen Leichtathletikstadion zu erleben, bevor es für sie in knapp drei Monaten über den großen Teich geht.

Zu jenen, denen sie dann
am meisten fehlen werden, gehört neben ihrer „kleinen“ Schwester Kira, die heute ihren 14. Geburtstag feiert, sowie den Eltern auch Danny, der siebenjährige West Highland White Terrier der Familie.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen