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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. November 2017 | 14:57 Uhr

Zoo Rostock : Die Bärenburg ist sein Revier

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Hans-Joachim Nürnberg hat sich 40 Jahre lang um die pelzigen Raubtiere des Rostocker Zoos gekümmert / Im April geht er in Rente

von
erstellt am 25.Jan.2015 | 06:00 Uhr

Frühmorgens geht Hans-Joachim Nürnberg durch den Rostocker Zoo. Die Besucherwege sind leer, der Zoo hat noch geschlossen. Trotzdem herrscht rege Betriebsamkeit in den Gehegen. Sein Weg führt den 64 Jahre alten Tierpfleger vorbei an den Paarhufern und Eseln, bis er in seinem Revier ankommt– der Bärenburg.

„Mein erster Arbeitstag war der 1. September 1968, das war ein Sonntag. An diesem Tag lernte ich gleich die Elefanten kennen.“ Kurz darauf wurde er auf die Bärenburg geschickt: „Das bekommst du schon hin, sagten die erfahrenen Pfleger zu mir mit einem Grinsen.“ Respekt vor den großen Raubtieren hatte er von Beginn an, aber keine Angst. „Es war bei uns Liebe auf den ersten Blick.“ Und diese hält seit 40 Jahren. „Ich kümmerte mich vor allem um die Bären und die Katzen. Da kam es schon mal vor, dass ein kleiner Löwe mich gierig und überschwänglich umarmte“, erzählt Nürnberg. Erschrocken hat er sich dabei nicht, nur die Rückseite seines Hemdes litt unter der Attacke der kleinen Raubkatze.

Das Augenmerk des Rostocker Zoos lag schon zu dieser Zeit darauf, den Bestand von Eis- und Kodiakbären voranzutreiben. Zu Spitzenzeiten habe es dort 19 der weißen Bären gegeben. „Vor allem mit den Jungen sind wir oft durch den Tierpark spaziert, damit sie Auslauf bekommen.“ Doch die Kleinen gehorchten nicht immer so, wie er es wollte. „An einem Morgen büxte mir sogar ein Racker vor der Tour aus. Als ich ihn wieder einfing, packte ich ihn im Nacken und warf ihn schnell in den Wassergraben zurück.“ Während er in Erinnerungen schwelgt, wandert sein Blick über die Burg und zu Lars. Der große Eisbär blickt immer wieder auf, wenn Hans-Joachim Nürnbergs Stimme durch das Gehege hallt.

In seiner Karriere als Pfleger hat er viel Lustiges mit den Tieren erlebt. Doch besonders im Winter war die Arbeit anstrengend. Denn auf dem Betonboden der Bärengehege bildete sich eine so dicke Eisschicht, die das Säubern unmöglich machte. „Wir mussten zu zweit rein, mit einem Seil aneinandergebunden.“ Wenn nichts mehr ging, verschoben sie das Saubermachen.

Doch auch den Verlust einiger Tiere musste er in den vergangenen Jahren ertragen. „Gerade zu Beginn waren viele schon alt und stammten meist aus Zirkushaltungen. Dass die Tiere nicht ewig leben, darauf muss man sich wie bei einem Familienmitglied einstellen“, so Nürnberg. Beim Weitergehen sieht er sich die Videoaufnahmen des im Dezember geborenen Eisbär-Babys an. „Unser kleiner Schieter. Der wächst und gedeiht – das macht einen als Pfleger richtig froh.“

Die Arbeit im Zoo hat ihm aber auch privates Glück beschert. Seine heutige Ehefrau Micaela absolvierte bei ihm ihre Ausbildung zur Tierpflegerin. „Es ist mehr Verständnis vorhanden, wenn beide den gleichen Beruf ausüben.“

Allerdings hat die Arbeit der Gesundheit von Hans-Joachim Nürnberg geschadet: „Meine Hüften machten aufgrund der hohen Stufen und der kleinen und engen Eingänge nicht mehr mit und ich musste aufhören.“ Auch deshalb freut er sich über das neue Polarium, dessen Bauweise den Pflegern hoffentlich die Arbeit erleichtert. Er wurde Leiter der Abteilung Ausbildung und betreut den Tierpfleger-Nachwuchs.

In Notfällen hilft er auch noch im Außeneinsatz aus. So gehört er zu den wenigen Pflegern, die Waschbär Luigi an sich ranlässt. Ende April verlässt er den Rostocker Zoo und geht in Rente. Als Besucher wird er aber nach seinen Schützlingen sehen, verspricht Nürnberg.

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