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22. September 2017 | 09:58 Uhr

Die Anker-Rettung beginnt

vom

svz.de von
erstellt am 04.Jun.2013 | 07:35 Uhr

Kröpeliner-Tor-Vorstadt | Jahrelang war sie zum Ärger vieler Rostocker dem Verfall preisgegeben: die ehemalige Spirituosenfabrik Anker in der Doberaner Straße 144. Doch jetzt gibt es erneut Hoffnung für die Ruine. Nach einem Eigentümerwechsel im Frühjahr haben nun die Abbruch- und Sicherungsarbeiten begonnen. Beim späteren Ausbau des Industriedenkmals soll - wie schon zuvor geplant - im Erdgeschoss ein Supermarkt entstehen. Im ersten und zweiten Geschoss sowie im Dachgeschoss sollen Wohnungen gebaut werden. "Wir sind froh, dass sich noch jemand ranwagt an dieses Projekt", sagt Stadtkonservatorin Uta Jahnke.

Im Gegensatz zum vorherigen Eigentümer, dem Discounter Lidl, will der neue Besitzer, ein Unternehmen aus der Region, das alte Gewölbe erhalten. "Aufgrund des guten statischen Zustands wäre es schade, es zuzuschütten", sagt die Bauleiterin. Stattdessen soll der Keller den Bewohnern des Hauses später als Fahrrad- und Abstellraum dienen. Darüber hinaus ist für sie eine Tiefgarage geplant, die über die Friedrichstraße erreichbar sein wird. Und auch Stellplätze für die Kunden von Lidl, der als Mieter einziehen wird, sollen um die historische Fabrikanlage herum entstehen.

Doch der Weg bis dahin ist noch weit. "Allein schon dieser Abbruch der nicht erhaltenswerten oder -fähigen Teile ist ein Riesen-Aufwand", sagt Uta Jahnke. Um Baufreiheit zu erlangen und die Fassaden von Sudhaus und Malzturm, die erhalten werden sollen, einrüsten zu können, arbeiten sich Fachleute von hinten vor. Dabei müssen sie unter anderem die Teile des Dachstuhls, der 1998 bei einem Brand in sich zusammenfiel, beseitigen. Und auch das Gewölbe, in dem bis vor Kurzem Partys stattfanden, muss freigeräumt werden. "Diese Arbeiten werden noch ein paar Wochen in Anspruch nehmen", sagt die Bauleiterin.

Für die Stadtkonservatorin ist mit dem Beginn der Arbeiten ein großer Schritt in Richtung Erhalt getan. "Der Anker ist eines der wichtigsten Industriedenkmäler in Rostock. Deshalb klammern wir uns so daran", sagt Uta Jahnke. Das Ensemble von 1873 zeuge von der Entwicklung der historischen Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen in der Hansestadt und sei für die Baugeschichte von großer dokumentarischer Bedeutung.

Schade sei nur, dass der Anker etwas außerhalb des Sanierungsgebietes liege und deshalb nicht öffentlich gefördert werde, so Jahnke. Das sei ein Grund, warum sich viele nicht rangetraut hätten an dieses Projekt. Hinzu komme, dass der Umbau an strenge Auflagen der Denkmalpflege gebunden sei. Der neue Eigentümer hat sich davon jedoch nicht abschrecken lassen. "Ein Denkmal hat immer seinen Reiz", sagt die Bauleiterin. Aktuell rechnet sie mit einem Investitionsvolumen von vier Millionen Euro.

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