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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. Oktober 2017 | 03:58 Uhr

Forschung MV : Diagnose Brustkrebs

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Viele Frauen leiden an den Folgen der Lymphknoten-Entfernung. Mediziner der Uni-Klinik Rostock prüfen, ob diese notwendig ist

svz.de von
erstellt am 19.Okt.2015 | 11:45 Uhr

Unter Führung der Universitäts-Frauenklinik Rostock hat in Deutschland und Österreich eine Studie über die Entfernung von Lymphknoten bei der chirurgischen Therapie von Brustkrebs begonnen. „Bislang wird bei jedem Eingriff der sogenannte Wächterlymphknoten in der Achselhöhle entfernt“, sagte Studienleiter Toralf Reimer, Leitender Oberarzt an der Frauenklinik der Deutschen Presse-Agentur. Der Lymphknoten werde auch dann entfernt, wenn zum Zeitpunkt der Diagnose per Tastbefund und Ultraschall ein unauffälliger Befund der Achselhöhle festgestellt wurde.

Im Rahmen der Studie soll geklärt werden, ob die Entfernung mit oft weitreichenden Folgen wirklich notwendig ist. Dafür sollen in beiden Ländern zusammen knapp 7000 Patientinnen mit frühem Brustkrebs und einer geplanten brusterhaltenden Operation untersucht werden. In früheren kleineren Studien mit mehreren Jahren Nachbeobachtung konnte gezeigt werden, dass das Risiko für ein erneutes Auftreten eines Tumors bei Verzicht auf die Lymphknoten-Operation gering ist, wie Reimer sagte. Dies liege daran, dass eventuell vorhandene Tumorzellen in den Lymphknoten durch die Chemo- und Hormontherapie sowie Bestrahlung zerstört werden.

„Momentan können wir bei einer Patientin, die vor der Operation einen unauffälligen Befund in der Achselhöhle aufweist, in mindestens 70 Prozent der Fälle keinen Tumorzellbefall der Wächterlymphknoten nachweisen“, sagte Reimer. Dieser hohe Prozentsatz von Patientinnen benötige den chirurgischen Eingriff in der Achselhöhle ohnehin nicht.

Zudem gebe es keine Studie, dass eine Lymphknoten-Entfernung bei unauffälligem Tastbefund vor der OP einen späteren Vorteil erbrachte. „Wir wollen in der Studie ergründen, ob der Verzicht auf diese Maßnahme sicher ist und ob die Komplikationen bei der Operation verringert werden können“, sagte Reimer. Für einige Frauen habe die Entfernung der Lymphknoten langanhaltende negative Folgen, die Lebensqualität verschlechtere sich. Es können Lymphödeme, Schmerzen oder ein Taubheitsgefühl im Arm entstehen. Die Studie Insema (Intergroup-Sentinel-Mamma) wird von der Deutschen Krebshilfe mit knapp 4,6 Millionen Euro gefördert.

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