Die Zielvereinbarung verlangt letztlich, dass rund 60 Mitarbeiter des Volkstheaters ihre Koffer packen. Eine Demo parallel zur Bürgerschaftsitzung hält dagegen.
Die Zielvereinbarung verlangt letztlich, dass rund 60 Mitarbeiter des Volkstheaters ihre Koffer packen. Eine Demo parallel zur Bürgerschaftsitzung hält dagegen.

Die potenzielle Spartenschließung am Volkstheater erweckt nun die Aufmerksamkeit von Bundespolitikern. Am Mittwoch ist eine Demonstration vor dem Rathaus geplant.

svz.de von
03. November 2014, 06:00 Uhr

Das Rostocker Volkstheater ist längst nicht mehr nur Stadtgespräch. Bundesweit hat es Aufmerksamkeit – und das spätestens mit Johann Pätzold. Der freie Musiker und Komponist organisiert eine Demonstration am 5. November ab 10 Uhr vor dem Rostocker Rathaus gegen den von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) anvisierten Sparten-Abbau am Theater. Der wäre letztlich das Ergebnis der Zielvereinbarung zwischen Stadt und Land, über die am Mittwoch um 16 Uhr die Bürgerschaft debattiert.

Pätzold gibt sich alle Mühe, dass das Theater gemäß des neuen maritimen Konzeptes „Wellen schlägt“. Die Staatsministerin für Kultur, Prof. Monika Grütters, und der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dr. Gregor Gysi, sind nur einige, die sich Pätzold in seinem Kampf gegen den Kultusminister und den OB Roland Methling (parteilos), als für ihn klare Theatergegner, zur Seite holen will. Gysi wird am 5. November aus terminlichen Gründen nicht nach Rostock kommen, positioniert sich aber. Er kämpfe gerade dafür, dass der Bund einen Anteil am Theaterneubau übernimmt. „Anschließend müssen aber die Mittel für das Theater unbedingt wieder aufgestockt werden“, so Gysi. Die Demonstration sei sehr „hilfreich“.

Der Bund nimmt sich zurück, schließlich sei die Theaterfinanzierung Landesaufgabe, heißt es aus dem Referat der Staatsministerin für Kultur. Unterstützung gebe man gern, Kritik sei aber aufgrund der Zuständigkeitsreglung nicht angemessen. Dass Stadt und Theater sich mit der Deutschen Orchestervereinigung über den neuen Tarifvertrag geeinigt hätten, sei schon ein „Signal für die Bereitschaft auf allen Seiten, zum Erhalt des Mehrspartentheaters“, so ein Sprecher. Die Situation sei auch mit dem Saisonauftakt „eher positiv in Bewegung“ gekommen, heißt es weiter. Wichtig sei, dass sich weiterhin die Bürgerschaft zu Wort meldet. Auf ihr Votum gegen die Zielvereinbarung setzt auch Pätzold und auf eine breite Beteiligung am Mittwoch zur Stoßzeit ab 15 Uhr.

Allein beim sozialen Netzwerk Facebook haben mehr als 400 Leute zugesagt. Musiker und natürlich Tänzer haben ihre Teilnahme angekündigt und erwägen Auftritte während der Demo. Auch die Band Reverend Shine Snake Oil Co. wird auftreten. Die Männer touren gerade, hörten von der Theatersituation und wollen sich solidarisch zeigen. Peter Mann ist der Chef vom Verein Tanztheaterprojekt Rostock: „Es wäre für uns eine Katastrophe, wenn es kein professionell arbeitendes Tanztheater mehr gäbe.“ Tanz- und Musiktheater sind die beiden Sparten, die auf der Abschussliste stünden.

Nicht zuletzt will sich zum Sparten-Erhalt auch die Linke positionieren. Rund 50 Mitglieder werden auf dem Neuen Markt auftauchen und ihre Banner hochhalten. „Es ist unser Theater und unsere Stadt. Wir wollen vier Sparten behalten. Nur damit ist es echt. Und die wollen wir auch nicht aus Schwerin importieren, sondern in Rostock produzieren“, sagt Eva-Maria Kröger von der Linken und dem Aufsichtsrat des Theaters.

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