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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. September 2017 | 16:47 Uhr

Integration : Deutschkurs bietet praktische Lebenshilfe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Zwei ehrenamtliche Helfer bringen Flüchtlingen die fremde Sprache und Begriffe aus dem Alltag bei

svz.de von
erstellt am 11.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Ein Zettel an der Pinnwand erklärt das Alphabet, ein anderer die Farben. Direkt daneben hängt eine kleine Weltkarte. Es sind Grundlagen, die Barbara Kirchhainer und Gerd Gurol ihren Schützlingen beibringen. Die beiden Rentner geben den ausländischen Flüchtlingen in Groß Lüsewitz zweimal pro Woche Deutschunterricht – im Ehrenamt und für die Teilnehmer auf freiwilliger Basis.

Der Unterrichtsraum ist dennoch jedes Mal voll. 14 Tage, nachdem die Flüchtlinge in Groß Lüsewitz angekommen waren, ging es los. Am Anfang waren sogar die Kinder mit dabei, doch nachdem für sie die Schulpflicht griff, werden jetzt nur noch die Erwachsenen unterrichtet. „Wir wollen nicht, dass sie perfekt deklinieren lernen – es geht um Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Kirchhainer. Die Deutschstunde ist deshalb locker gehalten, schließlich werden auch mit Händen und Füßen Begriffe erklärt – oder es vermischen sich bei der Übersetzung deutsche mit russischen und englischen Wörtern.

Die Teilnehmer aus Armenien, Tschetschenien, Serbien, Bosnien und Eritrea erzählen auch von ihrem Alltag im für sie bisher fremden Land mit ungewöhnlichen Delikatessen. Eine der Frauen sorgt für Schmunzeln, als sie erzählt, dass sie Spargel gekocht hätte und gar nicht verstehen kann, wieso der als Delikatesse gilt. „Sie wusste eben nicht, dass man den vorher schälen muss“, sagt Kirchhainer. In einem Deutsch-Russisch-Mix erklärt sie deshalb auch Rezepte, Namen von Lebensmitteln und deren Zubereitung.

Die Männer und Frauen sind dankbar für die Hilfe und erleichtert, wenn sie die Übersetzungen verstehen. Denn teilweise sind auch Analphabeten unter den Flüchtlingen. „Die Erwachsenen tun sich schwer, den Kindern fällt das Lernen leichter, sie sind offener“, sagt Gurol. Seine Co-Lehrerin ist froh über das Engagement des Groß Lüsewitzers. „Er hat sogar an seinem 70. Geburtstag unterrichtet“, sagt Kirchhainer. Im Ort habe sich von Anfang an eine Willkommenskultur etabliert, für die sich auch die Mitglieder der Kirchgemeinde einsetzen.

 

Termin: Der Landkreis lädt am Dienstag um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus zu einem Info-Abend zum Thema Flüchtlinge ein.

 

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