Deutsche Aker-Werften an russische Investmentgesellschaft verkauft

Im Trockendock der Warnemünder Werft von Aker Yards Germany ist am Freitag (15.12.2006) ein Containerschiff von Typ CS 1.700 im Bau. Foto: dpa
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Im Trockendock der Warnemünder Werft von Aker Yards Germany ist am Freitag (15.12.2006) ein Containerschiff von Typ CS 1.700 im Bau. Foto: dpa

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25. März 2008, 03:16 Uhr

Rostock/Oslo - Die Aker-Werften in Wismar und Rostock- Warnemünde liegen künftig mehrheitlich in russischer Hand. Der norwegische Konzern Aker Yards verkauft einen Anteil von 70 Prozent an den beiden deutschen Betrieben sowie an der Werft im ukrainischen Nikolajew an die russische Investmentgesellschaft FLC West. Der Kaufpreis betrage 291,9 Millionen Euro, teilte Aker am Dienstag mit. Die Werften sollen von einer gemeinsamen Gesellschaft betrieben werden. Unter anderem sollen sie den wachsenden Bedarf russischer Gas- und Öl-Unternehmen nach Spezialschiffen für den Transport der Energieträger erfüllen.

Aker Yards werde vor der Transaktion mit FLC West seine Beteiligung von 100 Prozent an den beiden deutschen Werften an die Aker Yards Ukraine Holding übertragen. Die Aker Yards werde dann Eigentümer von 30 Prozent an Aker Yards Ukraine Holding bleiben. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Verkaufs stieg die Aker-Aktie an der Börse in Oslo um 17,7 Prozent auf 63 Kronen (7,80 Euro).

FLC West ist den Angaben zufolge ein staatlich kontrolliertes russisches Investmentunternehmen. Es sei gegründet worden, um in Industrien von strategischer Bedeutung zu investieren. Die Aker- Transaktion soll im Sommer 2008 abgeschlossen werden.

Enormer Modernisierungsbedarf
Der Einstieg des russischen Investors FLC West bei Aker Yards bietet nach Worten von Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) Chancen auf den Ausbau der Geschäftsbeziehungen zu Russland. „Der Modernisierungsbedarf der russischen Schifffahrt ist immens. Die Mehrzahl der russischen Schiffe ist älter als 25 Jahre“, betonte Seidel am Dienstag laut Pressemitteilung. Bereits in der Vergangenheit seien auf der Werft in Wismar „Arktiktanker“ für russische Reeder gebaut worden, gegenwärtig seien eisgehende Fracht- und Containerschiffe in Bau. „Der angekündigte Verkauf unterstreicht, dass unsere Werften besonders lukrativ und werthaltig sind.“


Keine "unnötige Hektik" verursachen
Angesichts der vollen Auftragsbücher der Aker-Werften in Wismar und Warnemünde hat die IG Metall Küste vor „unnötiger Hektik“ wegen des Verkaufs an den russischen Investor FLC West gewarnt. „Wir müssen uns zunächst ansehen, warum der Investor die Werft kauft“, sagte der zuständige IG-Metall-Geschäftsführer Thomas Rickers am Dienstag. „Für eine Heuschrecke mit dem bekannten Gebaren ist eine deutsche Werft nicht interessant.“ Aker hatte am Dienstag den Verkauf von 70 Prozent seiner Anteile an den deutschen Werften bekanntgegeben. Dort sind 2300 Mitarbeiter und 110 Auszubildende beschäftigt, die Aufträge reichen bis ins dritte Quartal 2010.


Russland sei ein sehr interessanter Markt, zudem gebe es dort viel Geld für Investitionen, sagte Rickers. Er gehe davon aus, dass FLC West in Kürze den Aufsichtsrat über die Entwicklung informieren werde. „Wir wissen, dass unsere Arbeitsplätze immer in Gefahr sind, wenn Finanzjongleure Monopoly spielen“, sagte Rickers. Die IG Metall werde deshalb wachsam sein. Aber auch ein Großkonzern wie Aker könne in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, was dann eine Gefahr für die Werften bedeute.

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