Wirtschaft : Der Weg zum kommunalen Wasser

320 Mitarbeiter sind in Rostock bei Eurawasser beschäftigt, unter anderem im Pumpwerk.
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320 Mitarbeiter sind in Rostock bei Eurawasser beschäftigt, unter anderem im Pumpwerk.

Rostock will den Gewinn aus der Versorgung lieber in die Stadtkasse spülen. Der jetzige Betreiber bleibt aber verhandlungsbereit.

svz.de von
26. März 2014, 15:00 Uhr

Mit Wasser und Abwasser kann viel Geld verdient werden. In Rostock hat dies seit 1993 der Dienstleister Eurawasser Nord GmbH. Nun will die Hansestadt alleine das Geld in der klammen Stadtkasse haben und hat den 25 Jahre laufenden Vertrag für 2018 gekündigt.

Nach langen Diskussionen beschloss die Rostocker Bürgerschaft vor gut drei Wochen, den Vertrag zur Wasserver- und Abwasserentsorgung mit dem Dienstleister Eurawasser Nord GmbH zu kündigen. Die seit 1993 dauernde Zusammenarbeit, die erste öffentlich-private Partnerschaft nach der Wende im Wasserbereich, soll am 30. Juni 2018 enden. Zudem wurde Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) beauftragt, einen alternativen Vorschlag zum Eurawasser-Modell vorzulegen. Damit könnte eine neue kommunale Nordwasser GmbH das Zepter übernehmen.

Die Vertreter der kommunalen Seite, Katja Gödke vom Warnow-Wasser- und Abwasserverband (WWAV) für die Gemeinden im Rostocker Umland und Jochen Bruhn von der Rostocker Versorgungs- und Verkehrs-Holding GmbH (RVV), sagen: „Dieser Beschluss ist endgültig.“ Eine Haltung, die Eurawasser nicht teilt: „Wir sind verhandlungsbereit, wir wollen verlängern“, betont Eurawasser-Geschäftsführer Thomas Ronge-Leiding. Ein Knackpunkt ist die Personalübernahme, die für Bauchweh sorgt.

Die Gemengelage ist schwierig, Eurawasser und WWAV sind bis 2018 gebunden. Eurawasser hat noch einen bis 2024 laufenden Vertrag mit dem benachbarten Wasserversorgungs- und Abwasserzweckverband Güstrow-Bützow-Sternberg (WAZ). Bei Eurawasser sind rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, davon 80 beim WAZ. Bruhn und Gödke verweisen auf eine Übernahmegarantie für die 320 potenziellen Nordwasser-Mitarbeiter bis 2023, doch denen reicht dies offensichtlich nicht.

Es grummelt, es gibt Kommunikationsprobleme zwischen den Mitarbeitern und ihrem möglichen neuen Arbeitgeber Nordwasser, davon zeugt ein offener Brief. Bruhn und Gödke sind überzeugt, dass die Leute mit der Region fest verbunden sind und ihr Know-how in den künftigen Betrieb übergehen wird. Zudem biete ein öffentlicher Arbeitgeber wesentlich mehr Sicherheit als ein Privatunternehmen.

Die Argumente zur Gründung von Nordwasser sind klar. Die Bürgerschaft und Methling folgen dem bundesweiten Trend zur Rekommunalisierung von „outgesourcten“ städtischen Betrieben. Es geht um viel Geld, nach Ansicht Rostocks erwirtschaftet Eurawasser jährlich einen Gewinn von mindestens fünf Millionen Euro, die eher in die Stadtkasse gehören als in die von Eurawasser oder deren Mutterkonzern Remondis.

Zahlen, die Eurawasser zwar nicht bestreitet, unter Verweis auf Betriebsinterna aber keine Details zu deren Entstehen liefert. So gibt es diverse unbekannte Größen in der Bilanz. Bruhn: „Manches werden wir erst 2018 wissen.“ Trotzdem ist er sicher: „Es gibt keine Risiken für Nordwasser.“

Eurawasser sieht das anders. Es gebe für die kommenden 40 bis 50 Jahre einen Investitionsbedarf von 1,2 Milliarden Euro in die Infrastruktur. Das ganze Know-how der Wasserwirtschaft sei über Eurawasser und Remondis verteilt, betont Ronge-Leiding. „Wir haben riesige Synergieeffekte.“ Bleibe Eurawasser im Boot, könnten diese Investitionen für nur etwa 700 Millionen Euro realisiert werden. Bei einer Kündigung werde das Know-how nicht in der Hansestadt bleiben. Rostock müsse sich vieles aufbauen und 1,2 Milliarden investieren.

Worte, die bei Gödke und Bruhn Kopfschütteln hervorrufen. Rostock beklagt die Intransparenz der aktuellen Preisgestaltung, der Wasserpreis ist etwa 20 Prozent höher als in vergleichbaren Kommunen. Das lasse sich nicht vermitteln. Eurawasser verweist bei der Preisgestaltung auf die teure Aufbereitung von Oberflächenwasser. „Wir haben aber nur begrenzt Einfluss auf das Preis- und Gebührenniveau, zudem gibt es keine kommunale Gewinnbeteiligung“, sagt Gödke. Im künftigen Nordwasser-Modell müsse keine Umsatzsteuer auf Personalleistungen gezahlt werden, es gebe massive Zinsvorteile, was sich insgesamt auf vier Millionen Euro pro Jahr addiert. „Wir gehen davon aus, die Wassergebühren um zehn Prozent senken zu können“, betont Bruhn.

Für Ronge-Leiding ist die Eile unverständlich, mit der Rostock vorgeht, eine Kündigung 2016 würde seiner Ansicht nach ausreichen. Er schlägt eine neue Ausschreibung vor: „Wir scheuen den Wettbewerb nicht.“ Gleichzeitig bedauert er, dass mit Eurawasser wenig gesprochen worden sei. „Wir stehen allen Modellen offen gegenüber. Wenn Ihr uns sagt, was Ihr haben wollt, können wir reagieren.“


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