Pazifismus : Der Traum vom Frieden in St. Marien

Pastor Tilman Jeremias zeigt die Symbolik des Friedens: Aus einem Schwert wurde eine Pflugschar.
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Pastor Tilman Jeremias zeigt die Symbolik des Friedens: Aus einem Schwert wurde eine Pflugschar.

Schwerter werden zu Pflugscharen: Die Rostocker streben eine Nagelkreuzgemeinde á la Coventry an.

Wenn Schwerter zu Pflugscharen werden, ist Frieden. „Es ist ein biblisches Motto aus dem Alten Testament“, sagt Pastor Tilman Jeremias. Seit 2500 Jahren habe sie die Menschen inspiriert, diese Vision einer Zeit, in der es keinen Krieg mehr gibt, in der aus Waffen Arbeitsgeräte werden. „Sie verlernen den Krieg“, heißt es im biblischen Buch Micha, Kapitel 4, Vers 3.

So ein Pflug, dessen Schar, also Schneide, aus einem Schwert geschmiedet ist, weilt noch bis heute in Rostock. Der Greifswalder Dompfarrer gab die Initiative dazu, weil die Nordkirche eine Aktion zur 35. Ökumenischen Friedensdekade suchte. Diese begehen die Christen in ganz Deutschland noch bis zum 19. November. Die Nordkirche schickt den Pflug mit einem Tagebuch auf Reisen, morgen geht er nach Grabow. Im Buch sollen die Menschen ihre Wünsche festhalten. In St. Marien wurde die Pflugschar gestern in das Friedensgebet zur Dekade eingebunden. „Schwerter zu Pflugscharen“ ist für den Osten ohnehin symbolträchtig, sagt Jeremias. In den 80er-Jahren, einer Zeit der Aufrüstung, begehrten junge Menschen in der DDR unter diesem Motto auf, trugen Aufnäher mit dem Symbol auf ihren Parkas. Viele wurden verhaftet. „Sie haben die DDR entlarvt“, sagt Jeremias, entlarvt, dass sie eben doch nicht für den Frieden stand.

Für die Kirche ist der Frieden wesentlich wie eh und je. Doch es fällt schwer, am Pazifismus festzuhalten in Anbetracht all des Unheils, das im Irak oder in Nigeria geschieht, räumt Jeremias ein.

Versöhnung ist daher ein ebenso großes Thema – eines, das sein Symbol im November 1940 in Coventry fand. Der Dompropst ließ in dem kleinen Örtchen in Groß Britannien im November 1940 die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand meißeln – nachdem deutsche Bomben seine Kathedrale zerstört hatten. Aus alten Nägeln wurde ein Nagelkreuz. Diesem Sinnbild der Versöhnung folgten Gemeinden auf der ganzen Welt, wurden Nagelkreuzgemeinden. Und auch die Innenstadtgemeinde will diesen Pfad bestreiten. Ein Nagelkreuz hat sie schon von der Partnergemeinde Coventrys – Kiel. 2013 besuchte eine Delegation den kleinen Ort, jeden Freitag um 12 Uhr sprechen Gemeindemitglieder wie in Coventry ein Gebet der Versöhnung.

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