zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. September 2017 | 13:49 Uhr

Literatur : Der Rostocker Lokal-Historiker

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Jens Andrasch hat die 150-jährige Geschichte des heutigen Peter-Weiss-Hauses aufgeschrieben und will sie als Buch veröffentlichen

von
erstellt am 05.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Sieben Ordner füllen die Unterlagen, die Jens Andrasch mittlerweile zusammengetragen hat über das heutige Peter-Weiss-Haus – ehemals Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft, davor Mahn-und-Ohlerich-Keller und noch davor Steinbecks Keller. Mit zahlreichen Zeitzeugen hat er gesprochen, Zeitungen durchstöbert, Pläne studiert und Fotos analysiert. Jens Andrasch ist mittlerweile ein Experte in Sachen Peter-Weiss-Haus. Die Geschichte des Gebäudes kennt er wie kein anderer. Und er hat sie aufgeschrieben. Ein dickes Manuskript, reich bebildert, mit Zeitdokumenten liegt bereit und wartet auf den Druck. Mit Redieck und Schade hat Jens Andrasch auch schon einen Verlag gefunden, der das Buch herausgeben will.

Fehlt nur noch eins: die Grundfinanzierung. Zusammen mit dem Peter-Weiss-Haus e. V. wirbt Jens Andrasch um Spenden und Sponsoren. Denn das Ziel ist es, das Buch am 150. Jahrestag der Einweihung des Gebäudes als Ausflugsgaststätte Steinbecks Keller zu präsentieren. Dieses Ereignis jährt sich am 12. Juni. Die Buchpräsentation wird am Sonnabend, 14. Juni, stattfinden, wenn im Peter-Weiss-Haus auch das KTV-Fest gefeiert wird.

„Ich schreibe seit 1990 über Rostocker Brauerei- und Gastronomiegeschichte“, sagt Jens Andrasch. „Ich bin sozusagen ein Lokal-Historiker“, fügt er scherzhaft hinzu. So hat Andrasch unter anderem das „Rostocker Bier-Buch“ veröffentlicht und 2009 einen Band über die Geschichte der Trotzenburg. Gastronomieobjekte mit Tradition interessieren den Metallbauschlosser. „Die wenigsten wissen, dass das Peter-Weiss-Haus das drittälteste noch bestehende Lokal Rostocks ist“, sagt Jens Andrasch. Älter seien nur noch die Trotzenburg und der Ratskeller.

Nachdem die Brauerei 1833 gegründet wurde, eröffnete Constantin Steinbeck in einem Nebengebäude auf dem Gelände ein Ausschanklokal. Steinbecks Keller wurde schnell zu einem beliebten Ausflugsziel. Auch Mahn und Ohlerich führten das Lokal weiter. Wechselnde Wirte drückten dem Haus ihren persönlichen Stempel auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Mahn-und-Ohlerich-Keller für zwei Jahre das Maxim-Gorki-Haus. Die Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion übernahm die Leitung. 1947 wurde die Kulturstätte zum Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft. Bis 1977 war das Haus auch der Sitz der Kreis- und Bezirksleitung der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft.

Nach der dann folgenden Rekonstruktion blieb das Gebäude eine reine Kulturstätte. Mit Lesungen, Klaviera benden und Vorträgen – die natürlich auch ein politisches Ziel verfolgten. Nach der deutschen Wiedervereinigung gab es in der Doberaner Straße 21 zeitweise den Hanseclub und eine Brauereigaststätte, doch am 31. Dezember 1994 wurde das Haus dann geschlossen. Eine kurze Phase gab es, in der das Gebäude durch die Compagnie de Comédie und den Verein Behinderten-Alternative Freizeit (baf) genutzt wurde. „Das waren Erhaltungsmieter“, erklärt Andrasch. Allerdings verfiel das Haus zusehends.

Vor gut fünf Jahren erwarb der Verein Peter-Weiss-Haus die Immobilie – und saniert das Gebäude seitdem Schritt für Schritt. Vieles geschieht durch ehrenamtliche Helfer. Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Dennoch ist mittlerweile wieder Leben eingekehrt in den alten Räumen. Viele Akteure kommen hier unter einem Dach zusammen, darunter der Verein Soziale Bildung und das Literaturhaus Rostock.

Jens Andrasch blickt in seinem Buch auf die bewegte Geschichte des heutigen Peter-Weiss-Hauses zurück. „Bevor ich auch nur eine Zeile geschrieben habe, habe ich gesammelt.“ Nicht alle Dokumente und Informationen konnten einfließen. „Ich musste auch viel aussortieren“, sagt Andrasch. Dennoch: „Ich beleuchte jeden Stein, jeden Balken und jeden Menschen. Und es sind auch einige Schmunzler dabei.“


 

Zweckgebundene Spenden für das Buchprojekt sind möglich über die Bankverbindung:

Empfänger: Peter-Weiss-Haus e. V.; Kontonummer: 200 43 92 100; BLZ: 430 609 67 (GLS Gemeinschaftsbank eG); Betreff: 150 Jahre MOK

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen