Aus dem Gericht : Der Polizeichef erkannte seine Stimme

Mietbetrüger Hans-Joachim H. wurde ausgerechnet seine Freundschaft zum Ordnungshüter zum Verhängnis

Das Rostocker Amtsgericht hat gestern das Strafverfahren gegen den 56-jährigen Diplom-Betriebswirt Hans-Joachim H. wegen gewerbsmäßigen Betruges eröffnet. Die Staatsanwaltschaft Rostock wirft ihm vor, über Internetplattformen nicht vorhandene Ferienwohnungen in Kühlungsborn angeboten und den im Voraus gezahlten Mietpreis behalten zu haben. Sie macht ihn für 60 Straftaten und einen Schaden von 60 000 Euro verantwortlich.

Alles begann im Juli 2014. Der selbstständige Dozent für Finanzen und Trainer in Sachen Baufinanzierung im gesamten Bundesgebiet war in finanzielle Bedrängnis geraten. Er brauchte Geld und kam auf die Idee, dazu seine Kenntnisse bei der Vermietung eigener und fremder Ferienwohnungen an der Ostsee zu nutzen. An einem Kiosk in Lütten Klein lernte er Steffen St. kennen und offerierte ihm sein Problem: Seine Ex-Ehefrau, die es gar nicht gab, würde ihm zusetzen und ständig mehr Alimente fordern. Deshalb wolle er Geld, das er durch die Vermietung von Ferienwohnungen verdiene, auf einem Konto parken, an das sie nicht heran käme. Als erste Anzahlung erhielt Steffen St. 150 Euro. Der Angeklagte richtete neue Telefonkontakte ein und der Gewährsmann ein Konto bei der Postbank.

„Traumferienwohnungen mit Meeresblick“, die Nacht für etwas über 100 Euro und alles noch im laufenden Sommer 2014 – das waren Schnäppchen. Auch für erstaunte Anfragen hatte der 56-Jährige eine Ausrede parat: Wegen eines plötzlichen Todesfalles sei die Wohnung frei geworden. 60 Familien und Einzelpersonen gingen in Vorkasse und zahlten 900 bis 1600 Euro auf das Konto des Steffen St. ein. Zehn Prozent behielt der für sich. Mitte August 2014 war Schluss. Steffen St. flog auf. Er wurde bereits im Januar 2015 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Hans-Joachim H. machte mit Kleinanzeigen weiter und zog seine Ehefrau mit hinein. Als Reinigungskraft Frau Niemann nahm sie mit Perücke verkleidet zwei Mal das Geld der Feriengäste entgegen. Der Angeklagte hatte dafür Umschläge mit Quittung und Schlüssel vorbereitet, die sie den Urlaubern übergeben sollte.

Am 20. Januar 2016 strahlte das ZDF die Sendung Aktenzeichen XY-ungelöst aus, in der das Geschehen thematisiert und eine Tonaufnahme abgespielt wurde. Kurz danach erhielt Hans-Joachim H. einen Anruf von seinem Rotarierfreund und Golfspielkollegen, dem Chef der Rostocker Kriminalpolizeiinspektion, der seine Stimme erkannt hatte. Er riet ihm, einen Anwalt aufzusuchen.

Am 26. Januar 2016 fand eine Hausdurchsuchung statt. Erst als es zu einer Gegenüberstellung mit Steffen St. kommen sollte, legte der Angeklagte ein Geständnis ab, das er gestern wiederholte. „Ich bekenne mich schuldig“, sagte er unter Tränen. Schulden beim Finanzamt, ein verlorener Prozess und weitere Forderungen hätten ihm zugesetzt. Er habe den finanziellen Schaden wieder gutgemacht. Er entschuldigte sich bei allen, auch bei seiner Familie. Der Prozess wird am 1. September fortgesetzt.

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