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Pfingstrennen : Der Löwe verlässt die Bergring-Arena

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Adolf Schlaak beendet seine Tätigkeit nach 19 Rennen als Vereinsvorsitzender des MC Bergring Teterow

Knapp zwei Jahrzehnte lang waren die Namen Adolf Schlaak und Teterower Bergringrennen untrennbar miteinander verbunden. Jetzt will der Chef des MC Bergring Teterow ins zweite Glied zurücktreten. Am Pfingstwochenende war „Adi“ Schlaak letztmalig als Herr des Bergrings in Aktion. Unsere Mitarbeiterin Manuela Kuhlmann hat den 54-Jährigen begleitet.

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Der Bergringlöwe betritt sein Revier: Für Adolf Schlaak soll das 96. Pfingstrennen das letzte als Veranstaltungsleiter sein. Es ist sein 19. als Chef des MC Bergring Teterow. Das 20. will er nicht mehr anführen. Grau ist er geworden in seiner Zeit, vielleicht ruhiger, klarer. „Die Teams müssen funktionieren, jeder für seine Arbeit gewappnet sein“, weiß er. Nur so ist das jährliche Rennspektakel am Pfingstwochende mit bis zu 20  000 Besuchern zu stemmen. Als 36-Jähriger stellte sich Schlaak 1998 vor die Alten des Teterower Traditions-Motorsportvereins: „Ich helfe euch, aber nur, wenn ich hier Vorsitzender werde!“

Dieser Nobody im Bahnsport – da musste der Vorstand erst einmal schlucken. Carl Ernst Mäthing, Mitbegründer des Bergrings, hatte den damaligen Leiter des Teterower Bauhofes angesprochen. Nach dem wirtschaftlichen Totalausfall wegen eines abgesagten Rennens war der MC Bergring am Ende. Bis zur Wende hing dieser immer am Tropf großzügiger staatlicher Förderung und Führung. Schlaaks Rezept: Wirtschaftlich denken und handeln. Attraktionen schaffen, um gegen die Konkurrenz zu bestehen. Die Vision: Eine Arena, in der Speedway gefahren werden kann. Ein Veranstaltungsort, der zieht. Keine neue Vision, wie ihm immer wieder vorgehalten wird. Doch umsetzen musste es einer! Inzwischen ist der Kreditvertrag zwischen Bank, Verein und Stadtwerken zur Finanzierung der Arena abbezahlt. Schlaak hinterlässt den Verein schuldenfrei.

Sonnabend ist der Tag der Generalprobe mit Vorentscheid und organisatorischem Feintuning für Sonntag. Abends lockt der Speedway-Auerhahnpokal ca. 6000 Besucher. Den ganzen Tag über wird er mit Verantwortlichen sprechen, freundlich nachfragen, Hände schütteln. Er wird auf der Bühne präsent sein, und beim Auerhahnpokal in der Arena stehen und beobachten. Bei jedem Gang über die dann zerfahrene Naturbahn hebt er Plastikvisiere von Fahrern auf: Schlaak fasst an, wenn er was sieht.

Adi kennt hier jeden, jeder kennt ihn. Er hat ihnen den Bergring zurückgegeben, die Perle wieder geputzt. Der Verein hat einen Preis gezahlt: Das heimelige Vereinsleben gibt es nicht mehr. Das Pfingstrennen eine Großveranstaltung, der Verein mit 280 Mitgliedern und einem Umsatz von ca. 1/2 Mio. Euro jedes Jahr eine finanzielle Großbaustelle.

Ein Vorwurf, den er oft hört. Er sei ein harter Hund. Eine Kritik, die er hinnimmt. Der Weg führt vorbei an der Arena. „Das ist mein Baby. Da habe ich viel Kraft und Gefühl reingesteckt. Es ist der Herzschrittmacher des Bergrings.“

Schlaak ist stolz. Hier gibt es Speedway der Superlative mit Startern aus zehn Nationen. „Auf den Bergring bekommen wir nur vier Nationen. Denn die Bahn ist zu ungewöhnlich. Das trauen sich nicht viele zu“, erklärt er das Problem.

Mit der Arena hat er jetzt als Krönung seiner Amtszeit den Grand Prix nach Deutschland geholt. Eine weitere Vision umgesetzt. Güstrower Empörung beim Bau hat er in Kauf genommen. In seinem Amt macht man sich nicht nur Freunde. Bemühungen um ein gutes Verhältnis blieben nicht aus, heute ist der Umgang freundschaftlich. Streit gehört dazu. „Wenn es um die Sache geht, nehme ich den Hörer nach einer hitzigen Debatte wieder in die Hand“, sagt er.

Schlaak stoppt, wirft den Rückwärtsgang ein: Leute versuchen, über den Zaun auf das Gelände zu kommen. „Zurück, aber sofort!“ Die Worte sind ruhig, aber kein Zweifel – hier wird nicht mehr diskutiert! Diese Leute schaden dem Verein. Das ärgert den Chef.

Immer wieder der Blick nach oben – und auf die Bahn. Vieles kann man planen. Das Wetter nicht. Das Wetter hält, die Rennen starten. Schlaak plaudert mit Besuchern. „Ich bin Adi“, hochtrabendes Gehabe ist nicht sein Ding.

Jetzt erst mal auf der Tribüne das Rennen genießen, für einen kurzen Moment: Dann ein Unfall. Anspannung, der Gang auf die Bahn, dem DRK-Wagen hinterher. Zweimal gab es in seiner Zeit tödliche Unfälle. Inmitten von Tausenden, dem Team um ihn herum, den Sanitätern und Ärzten, ist Schlaak dann allein. Als Veranstaltungsleiter fällt er mit seinem Team die Entscheidung: Abbruch oder Weitermachen. Wie am Sonntag. Das Schreckgespenst Wetter hat mit Hagel und Regen zugeschlagen. Die Bahn ist schlecht. Zu schlecht?

Eine Stunde ist Funkstille. Sportleiter, Rennleiter und Sicherheitsdienst wägen ab, warten, hoffen. Die Entscheidung muss zugunsten der Sicherheit aller fallen. Schlaak verkündet den Abbruch. Der letzte Auftritt, bevor der Löwe die Bergring-Arena verlässt.


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