Rostocker Eisbär-Nachwuchs : Der Kleine ist „ein echter Spezi“

Mit dem Schnäuzchen im Sand wühlen, am Baumstamm schnüffeln, heldenhaft eine Stufe erklimmen und ein entspanntes Päuschen: Der kleine Bär hat einen aufregenden Tag. Stärkung gibt es später bei Milch, Fisch und Fleisch.   Fotos: Georg Scharnweber
1 von 2
Mit dem Schnäuzchen im Sand wühlen, am Baumstamm schnüffeln, heldenhaft eine Stufe erklimmen und ein entspanntes Päuschen: Der kleine Bär hat einen aufregenden Tag. Stärkung gibt es später bei Milch, Fisch und Fleisch. Fotos: Georg Scharnweber

Der kleine Sohn von Vilma und Lars hat erstmals die Wochenhöhle verlassen. Trotz enger Bindung zu Mama ist er sehr menschenfreundlich

von
25. März 2015, 20:00 Uhr

Die Luke im großen Fels geht auf. Majestätisch schreitet Eisbär-Dame Vilma aus der Wochenhöhle auf der kleinen Eisbäranlage. Und hinter ihr, ganz zaghaft, lukt der kleine Bär hervor. Er schlüpft unter Mamas Bauch, links an ihr vorbei und geht neben ihr weiter, Knopfaugen geradeaus. Schließlich sind Zuschauer gekommen, um zu sehen, wie der am 3. Dezember geborene Spross von Vilma und Lars Mittwoch Morgen das erste Mal draußen unterwegs ist.

„Das ist etwas, das das Herz erwärmt“, sagt Zoo-Direktor Udo Nagel. Der Zoo sei stolz, jetzt den kleinen Eisbären zeigen zu können. „Und er ist ein echter Spezi“, sagt Pfleger Matthias Petzoldt. „Er ist der erste Bär, den ich kennenlerne, der bei seiner Mutter aufwächst und den Kontakt zu uns sucht.“ Der 43-Jährige und Kollege René Schoknecht (39) können mit dem putzigen Tier richtig spielen. Vilma lässt es zu. „Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist stark“, sagt Schoknecht.

Auf der Anlage bleiben beide erst eng zusammen. Dann wagt es das 15-Kilo-Bärchen allein. „Er ist auf Erkundungstour“, sagt Nagel strahlend. Sogar schwimmen könnte er schon. „Er würde paddeln wie ein Hund.“ Aber das Wasser reicht dem Kleinen dann doch in Füßchenhöhe aus. Trotzdem: Kess ist er. Er zwickt seine Mama mit seinen Milchzähnen. „Noch lässt sie ihm viel durchgehen“, sagt Petzoldt. Künftig werde er auch mal eine Erziehungslektion bekommen, einen Stups mit dem Maul oder ein Schieben mit dem Fuß.


Der Name


Doch wie soll er eigentlich heißen? – „Das steht noch nicht fest“, sagt Nagel. In der engeren Auswahl sind: Nanuk (Inuktitut, Eisbär), Fiete (niederdeutsche Kurzform von Friedrich), Larson (skandinavisch, Sohn von Lars), Lasse (schwedische Koseform von Lars), Norwin (Althochdeutsch, Freund des Nordens) und Bjarne (dänisch, kleiner Bär). Am Dienstag, 31. März, wird der Kleine auf einen dieser Namen getauft. „Das Ranking läuft bis zum Schluss“, sagt Nagel.


Die Zuschauer


Die ersten Besucher, die den neuen Zoo-Star sehen, sind 16 Kinder der Kita Schwanenteich. „Das wollten wir uns nicht entgehen lassen“, sagt Kita-Leiterin Birthe Stolzmann. Aufgeregt laufen die Fünf- bis Sechsjährigen zum Zaun. „Ist der süß!“ Liola (6) bekommt ganz leuchtende Augen. „Wie er seiner Mutter folgt, finde ich am besten“, sagt sie. Und ihr Namensfavorit? – Fiete! Schließlich heißt in der Kita auch ein Junge so. Auch Birthe Stolzmann ist ein wenig verzaubert. Sie wird zur Taufe wieder da sein – mit ihrer Tochter Anna-Lena zu deren Geburtstag. Bis dahin wird der kleine Bär noch einige Male raustapsen, aber nur mit und zu Mama.


Abschied von Papa


Vater Lars und Vilmas Mutter Vienna sind zusammen im Nachbargehege untergebracht. Sicher ist sicher. Am 1. April geht Vater Lars dann auf Reisen – nach Dänemark, nach Aalborg, sagt Zoo-Sprecher René Gottschalk.

Für die Bauarbeiten des Polariums als neue Heimstätte von Eisbären und Pinguinen müsste Lars ohnehin umziehen und Aalborg hatte erbeten, ihn früher zu bekommen. Die Rostocker hatten Lars selbst aus Wuppertal geholt. Über solche Austauschaktionen soll der Nachwuchs gesichert werden. Vilma und der Kleine sollen mindestens bis 2016 im Zoo zu sehen sein, bis der Abriss der Bärenburg beginnt.


Das neue Polarium


Das Polarium soll die Lebensbedingungen für die Eisbären verbessern. „Wir hoffen, dass der Nachwuchs nur so purzelt.“ Auf der neuen Anlage soll dreimal so viel Platz für die Bären sein, 7000 Quadratmeter. Rund zehn Millionen wird das Projekt kosten. Der Landes-Fördermittelbescheid über die Vergabe der EU-Gelder liegt noch nicht vor. Wie viel der Zoo aus Eigenmitteln aufbringen muss, ist so noch nicht klar. Die Aktion „Taler mehren für die Bären“ läuft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen