Warnemünde : Der Hering ist im Anmarsch

Der erste silbrig glänzende Fang ist den Fischern Olaf (l.) und Ingo Pinnow ins Netz gegangen. Peter Opitz (r.) freut sich, dass die Heringszeit begonnen hat.
Der erste silbrig glänzende Fang ist den Fischern Olaf (l.) und Ingo Pinnow ins Netz gegangen. Peter Opitz (r.) freut sich, dass die Heringszeit begonnen hat.

Der Warnemünder Fischer Ingo Pinnow hofft auf viel Fisch in den Netzen / Fangquoten und Schonzeiten bereiten ihm Sorgen

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05. März 2015, 08:00 Uhr

Die ersten der silbrig glänzenden Fische werden auf der Mittelmole bereits von einigen Fischern angeboten – der Hering ist im Anmarsch. Doch in den vergangenen Tagen sorgte der starke Wind für eine Zwangspause. Nun, wo dieser etwas nachgelassen hat, sind Fischer Ingo Pinnow und Ehefrau Daniela wieder mit ihrem 9,28-Meter-Kutter „Christin WAR14“ auf der Ostsee unterwegs. Sie hoffen, dass nach dem stürmischen Wetter wieder mehr Dorsch in den Netzen ist und der Hering in großen Mengen kommt.

„Je nach Wetter heißt es abends oder morgens für uns Leinen los“, sagt der 47-Jährige, der die kurze Pause nutzte, um im Netzlager im Fischerhaus auf der Mittelmole seine Netze zu flicken. Eine Arbeit, die Geduld und Können erfordert. Gelernt hat der Warnemünder sein Handwerk während einer Ausbildung zum Fischwirt in Sassnitz. „Aber auch von Vaddern, der Fischer mit Leib und Seele ist, haben mein Bruder Olaf und ich ganz viel notwendiges Rüstzeug mitbekommen“, so Ingo Pinnow, der auf ein gutes Heringsjahr hofft. Verkaufen wird er den Fisch direkt vor seinem Kutter. „Wenn es die Zeit erlaubt, dann verwandle ich den Fisch auch gern in Rollmops. Der gelingt besonders gut nach einem alten Rezept von Muddern“, verrät der Fischer, der sich angesichts der Fangquoten und diversen Fischfang-Schonzeiten aus der Not heraus ein zweites Standbein geschaffen hat.

„Da wir unser Geld nur in den Wintermonaten verdienen können und dürfen und auch die Quoten sehr begrenzt sind, muss man eine Lösung für die restliche Zeit des Jahres finden. Deshalb habe ich mich auf das Räuchern von Fisch spezialisiert“, sagt der Fischer. Trotz seiner Leidenschaft für den Beruf bezeichnet der 47-Jährige diesen als vom Aussterben bedroht: „Selbst wenn sich ein junger Mensch für diesen Job entscheiden sollte – wie will er nach einer Ausbildung ein teures Boot finanzieren? Zudem sind die vergebenen Fangquoten vielfach an vorhandene Kutter gebunden. Das habe ich schon in vielen Diskussionsrunden mit verschiedenen Politikern gesagt. Doch eine Änderung scheint nicht in Sicht“, bedauert Pinnow.

Der Warnemünder hofft, dass er trotz hoher Kosten und zahlreicher Beschränkungen seinen Beruf noch ein paar Jahre ausüben kann. Vorausgesetzt, die Fangquote von rund vier Tonnen Dorsch pro Jahr wird nicht noch weiter gesenkt. „Diese Menge ist schon jetzt das Minimum zum Überleben“, sagt der Fischer.

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