Der Easy Rider aus Sildemow

<strong>Auf einer Weltkarte</strong> hat Claus Hübner seine Tour abgesteckt. Er zeigt auf Sotschi, Umkehrpunkt war Ulan Bator (grün). <foto>Clla</foto>
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Auf einer Weltkarte hat Claus Hübner seine Tour abgesteckt. Er zeigt auf Sotschi, Umkehrpunkt war Ulan Bator (grün). Clla

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01. März 2013, 08:59 Uhr

Sildemow | Irgendwo hinter Sotschi ist es passiert: Auf einer der endlosen russischen Straßen setzte bei Claus Fischer zum ersten Mal das Gefühl der Entschleunigung ein. In den Tagen zuvor hatte der Sildemower immer ordentlich Gas gegeben und auf seiner Enduro Kilometer geschrubbt, um seinen Lebenstraum in der vorgegebenen Zeit zu schaffen - die Reise per Motorrad in die Mongolei. 27 000 Kilometer, meist ganz allein, ein Mann und seine Maschine.

20 Jahre lang hat Hübner Touren für andere geführt. "Am Ende hatte ich nur noch einen Wunsch: Ich wollte mich mal nur um mich selbst kümmern müssen", erinnert sich der 60-Jährige an die Anfänge der Planung. Ein Jahr hat er die Reise vorbereitet. "Bei uns hat in dieser Zeit nicht der Postbote mit den Schuhpaketen geklingelt, sondern er hat Motorradteile gebracht", sagt Marion Hübner-Puls. Sie ist selbst begeisterte Bikerin und wusste, dass der Tag der Abreise irgendwann einmal kommen würde. "Ich hab einen Vagabunden geheiratet. Mir war klar, dass es mit uns nix wird, wenn ich ihn nicht auch ziehen lasse", sagt sie und blickt liebevoll zu ihrem Mann. "Am Reiseziel war sie außerdem selbst schuld, sie hat mir ein Buch geschenkt, wo einer diese Tour schon einmal gemacht und beschrieben hat", sagt Hübner.

Kurz nach seinem 60. Geburtstag im vergangenen Mai ging es los. Mit dem runden Jubiläum bot sich dem Malermeister die Chance, beruflich kürzer zu treten. Und so auch die Zeit, seinen Lebenstraum zu verwirklichen: Sildemow-Ulan Bator und zurück in 100 Tagen. Zwei Motorrad-Kumpels haben ihn noch bis Tschechien begleitet. "Aber ich wollte los, konnte es auch kaum erwarten, allein zu sein", sagt er. Den eigenen Rhythmus fest- und niemandem Rechenschaft ablegen. Freiheit pur. Neben den Begegnungen auf der Reise und den beeindruckenden Landschaften erinnert sich der Biker natürlich auch an die Straßenverhältnisse. "Einmal hat mein Navi gesagt: ,Fahren Sie 1200 Kilometer geradeaus und biegen Sie dann links ab’", beschreibt er die unendliche Weite. "Da geht vor einem die Sonne auf und hinter einem unter - und zwischendrin kam keine Kurve."

Ehefrau Marion hat die Reise über einen so genannten Tracker verfolgt. Das GPS-Gerät, das sie am Motorrad ihres Mannes angebracht hat, zeigte dessen Route und die Geschwindigkeit. Angst habe er auf der Reise nie gehabt. Die Menschen seien immer hilfsbereit gewesen. Auch, wenn er aufgrund der langen Reise durch die Natur nicht immer angenehm gerochen habe. "Manchmal habe ich direkt in der ganzen Montur geduscht", sagt Hübner. Kein Wunder, bei Temperaturen zwischen 48 und 0 Grad Celsius. In Kasachstan hat ihm das Wetter einen Strich durch die Reiseplanung gemacht. "Da hab ich einen Hitzschlag erlitten, mein Körper hat mir die Grenzen aufgezeigt", so der leidenschaftliche Biker. Eine Zwangspause im Hotel mit Wellness-Angeboten stärkte ihn für den Rest der Reise. Die hat er übrigens schneller geschafft als gedacht, fuhr bereits vier Wochen vor dem geplanten Ende wieder auf den Hof in Sildemow. Empfangen wurde er von seiner Frau und den Biker-Freunden. Die wollten ihn mit einem leckeren Schaschlik willkommen heißen. "Dabei essen die Russen das andauernd - und ich hab mich so auf ordentliches Mischbrot mit Jagdwurst gefreut", sagt Hübner. Vom Essen träumt er aber schon lange nicht mehr. Stattdessen von neuen Zielen. In diesem Jahr steht eine Tour durch den Iran, Armenien und Georgien an. Und für nächstes Jahr plant er bereits eine Fahrt durch das Pamir-Gebirge bis zur chinesischen Grenze.

Live: Claus Hübner hält über seine Reise Vorträge, heute 16 Uhr bei Hein-Gericke, Am Strande 18, in Rostock und morgen um 17 Uhr in der Warnowschule Papendorf.

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